Transfer von Wissen ist untrennbar mit dem Schreiben von Texten verbunden. Doch nur weil man Schreiben in der Schule gelernt hat, heißt das nicht, dass man in der Lage ist, verständliche Texte zu verfassen. Selbst Berufsgruppen mit höherer Ausbildung zeigen in diesem Bereich Defizite.
Journalisten, die in ihrem Beruf jeden Tag schreiben, haben Schwierigkeiten mit dem Verfassen von informativen Texten, wie der Blick in diverse Tageszeitungen beweist. Viele Studenten - in der Regel Experten in ihrem Studienfach - haben Probleme, ihr Wissen in wissenschaftlichen Arbeiten verständlich darzustellen.
Mediengesellschaft
Vermutlich trägt die Mediengesellschaft dazu bei, dass die Qualität von Texten zunehmend schlechter wird. Viele sehen lieber fern als ein Buch in die Hand zu nehmen. Doch wer nicht liest, lernt auch nicht, wie Sprache funktioniert und weiß deshalb auch nicht, wie man verständliche Texte schreibt. Die starke Verbreitung des Internets hat ebenfalls einen negativen Einfluss.
In zahlreichen Online-Foren kann jeder schriftlich seine Meinung zu einem Thema äußern. Rechtschreibung und Grammatik sind dabei völlig nebensächlich. Viele Benutzer denken anscheinend, sie seien in den Weiten des World Wide Web von Form- und Stilvorgaben völlig befreit. Dadurch kann ein hieroglyphenähnlicher Text entstehen, dessen Sinn sich dem Leser nicht erschließt.
Auch beim Schreiben von E-Mails ist eine gewisse Sorglosigkeit festzustellen. Oft verschickt der Verfasser seine Mail einfach, ohne den Text noch einmal Korrektur zu lesen und zu prüfen, ob der Inhalt für den Empfänger überhaupt verständlich ist. Diese lockere Einstellung zum Schreiben von Texten zeigt sich inzwischen in allen Lebensbereichen, also auch im Berufsleben.
Mangelnde Textqualität hemmt Wissenstransfer
Welche Folgen hat nun diese Zunahme an mangelnder Textqualität? Es ist einfach auf den Punkt zu bringen: Sie hemmt den Transfer von Wissen. Muss sich der Leser erst durch einen schwer verständlichen Text quälen, um für ihn wichtiges Wissen zu erlangen, raubt das Zeit, führt zu geringerer Aufmerksamkeit und senkt schließlich die Motivation. Das Ergebnis: Der Leser kann nur einige wichtige Informationen für sich herausfiltern, im schlimmsten Fall gar keine.
Doch nur wenn Inhalte so dokumentiert werden, dass sie für jeden, der auf dieses Wissen zurückgreifen muss, verständlich sind, kann Wissen weitergegeben werden. Deshalb ist es wichtig, dieses Problem anzugehen und darauf zu achten, dass Texte so formuliert werden, dass sie für die jeweilige Zielgruppe nachvollziehbar sind.
PISA-Studie: Lesekompetenz mangelhaft
Dass sich dieses Problem in Zukunft nicht von allein lösen, sondern vielmehr noch größer werden wird, darauf deuten die Ergebnisse der PISA-Studie aus dem Jahr 2000 hin. Im Bereich „Lesekompetenz" lagen die deutschen Schüler deutlich unter dem allgemeinen Durchschnittswert. Das bedeutet, dass die Jugendlichen große Schwierigkeiten haben, wenn sie Informationen aus einem Text ermitteln, textbezogene Interpretationen formulieren und einen Text kritisch bewerten sollen, was eine Reflexion des Gelesenen voraussetzt.
Negative wirtschaftliche Auswirkungen
Diese alarmierenden Zeichen für die Zukunft dürfen nicht übersehen werden. Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass heutige und künftige Mitarbeiter Schwierigkeiten mit dem Formulieren von Texten haben. Und es muss ein Bewusstsein geschaffen werden, dass diese Tatsache negative wirtschaftliche Auswirkungen haben kann. So ist es zum Beispiel möglich, dass ein Geschäftsführer falsche Entscheidungen trifft, weil ihm ein schlecht und missverständlich formulierter Bericht vorgelegt wurde.
Dazu kommt, dass sprachlich und stilistisch mangelhafte Texte immer den Eindruck von Inkompetenz vermitteln. Das in Wirklichkeit vorhandene Fachwissen kommt beim Leser nicht an. Die Bedeutung verständlich formulierter Texte sollte deshalb nicht unterschätzt werden. So kann eine sprachlich ansprechende Imagebroschüre, die mit ihrem Stil die Werte des Unternehmens widerspiegelt und nicht voller Rechtschreib- und Grammatikfehler ist, das Ansehen unter den Kunden und den Marktwert des Unternehmens entscheidend steigern.
Textqualität entscheidend
Welche Konsequenzen haben diese Erkenntnisse nun? Es muss klar sein, dass das Dokumentieren von Wissen und das Bereitstellen von Informationen für die Mitarbeiter nicht allein ausschlaggebend ist für einen erfolgreichen Wissenstransfer. Es kommt vor allem darauf an, welche Qualität die Texte haben, die das Wissen festhalten. Texte müssen so formuliert sein, dass sie die jeweilige Zielgruppe eindeutig ansprechen und von dieser verstanden werden. Um die Qualität zu sichern, sollten deshalb Texte mit großer Relevanz noch einmal von Sprachexperten überarbeitet werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass alle wichtigen Informationen und Daten beim Empfänger ankommen.
