Die Botschaft des Osterfestes war: Jesus lebt. Fünfzig Tage danach waren die Jünger Jesu in Jerusalem versammelt und empfingen den Heiligen Geist, was heute von Christen am Pfingstfest gefeiert wird. Das Pfingstfest ist nicht der Beginn von etwas vollkommen Neuen, sondern die Fortsetzung des Osterfestes. Pfingsten stellt so etwas wie eine Garantie dar, dass die Auferstehung Jesu von Ostern und die damit verbundenen Verheißungen immer noch gültig sind. Pfingsten wird außerdem als Geburtstag der christlichen Gemeinde angesehen.

Ursprung des Pfingstfestes: Das jüdische Schawuot

Das Wort Pfingsten stammt vom griechischen „pentecoste", was „der fünfzigste (Tag)" bedeutet. Das erste Pfingstfest fand laut Apostelgeschichte nämlich am jüdischen „Schawuot" statt, das fünfzig Tage nach dem Passahfest gefeiert wird. Dieses Fest, auch „Wochenfest" genannt, markiert den Beginn der Getreideernte. Zunächst war es ein Fest, an dem die erste Ernte gefeiert wurde, später rückte die Danksagung für die Gesetzgebung am Sinai in den Vordergrund. Dieses Fest hat zweifellos das christliche Pfingstfest inspiriert. Pfingsten stellt für Christen die Ablösung des alten Bundes durch die Gründung der Kirche dar und ist gleichzeitig ein Dankfest für die Verheißungen des Heiligen Geistes. Als institutionelles Fest wurde Pfingsten bereits im zweiten Jahrhundert nachweislich gefeiert.

Das biblische Geschehen von Pfingsten

Die Pfingsterzählung der Apostelgeschichte (Kapitel 2, Verse 1-41) gilt als Gründungsbericht der ersten christlichen Gemeinde und somit auch als Ursprung der heutigen Kirche. Der Verfasser der Apostelgeschichte, Lukas, berichtet, dass sich die Apostel und Jünger Jesu am jüdischen Schawuot in Jerusalem versammelt hatten. Plötzlich erhob sich vom Himmel her ein Dröhnen wie von einem Sturm. Die Jünger sahen etwas wie züngelndes Feuer, das sich auf sie niederließ: Der Heilige Geist hatte sie erfüllt. Dieser gab ihnen die Fähigkeit, sich in fremden Sprachen zu verständigen. Juden, die aus aller Welt zum Schawuot angereist waren, kamen herbeigelaufen und waren verwundert, dass sie die Apostel in ihren eigenen Sprachen reden hören konnten. Die einen sahen darin ein Wunder Gottes, andere hingegen hielten die Jünger für betrunken. Petrus hielt bestärkt durch den Geist Gottes vor der Menschenmenge eine Rede. Er verkündete, dass Jesus der von den Juden erwartete Messias sei und forderte anschließend die Zuhörer auf, ihr Leben zu ändern und sich taufen zu lassen. Etwa dreitausend Menschen folgten dieser Aufforderung und so wurde an diesem Tag die erste christliche Gemeinde begründet.

Die Bedeutung der Pfingstereignisse

In der Apostelgeschichte werden die Ereignisse am Sinai mit dem Geschehen am Pfingsttag in Verbindung gebracht. Der Verfasser Lukas wollte wohl deutlich machen, dass nun eine neue Gesetzgebung für die neue Gemeinde erfolgte, so wie damals die Gesetzgebung am Sinai. Das sogenannte „Pfingstwunder" war die Fähigkeit der Jünger, in allen Sprachen zu sprechen und alle Sprachen verstehen zu können. Aus christlicher Sicht wurde damit einerseits die alttestamentliche babylonische Sprachverwirrung aufgehoben, womit Gott einst die Arroganz der Menschen während des Turmbaus zu Babel bestraft hatte. Weiterhin steht dieses Wunder dafür, dass die Botschaft von Jesu Christi allen Menschen, unabhängig von der Nationalität, gilt. Der Heilige Geist überwindet die Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Menschen, aber auch zwischen Mensch und Gott.

Der Heilige Geist

Theologisch ist der Heilige Geist eine der drei Gestalten Gottes. Zusammen mit Gott, dem Vater und Jesus Christus, dem Sohn, bildet er eine Person, die göttliche Dreifaltigkeit. Die Schriften der Bibel berichten mehr vom Wirken des Heiligen Geistes als von seinem Wesen. Der Besitz soll jedoch charakteristisch für einen Christen sein. Der Geist leitet die Kirche und soll das Werk Jesu auf Erden vollenden. Die Lehre vom Heiligen Geist als dritte göttliche Person wurde erst spät entwickelt. Zunächst war das Pfingstfest deshalb ein Herrenfest und erst später das Fest der Geistausgießung. Im Johannesevangelium tritt die Personalität der dritten göttlichen Person in Erscheinung. Nach ihm ist der heilige Geist der Fürsprecher, der Jesus in der Zeit seiner Abwesenheit vertritt (siehe: Johannes 14, 16).

Die Bedeutung des Heiligen Geistes für Christen

Die Jünger wollten vermitteln, dass Jesus durch den Heiligen Geist auf eine neue, persönliche Weise mit den Menschen verbunden ist. Die Jünger begriffen den Heiligen Geist als reale Gegenwart und als Gabe und Geschenk. Der Heilige Geist steht in der gläubigen Gemeinde dafür, dass verschiedene Rassen, Sprachen und Begabungen eins und miteinander verbunden sind. Jede Trennung ist aufgehoben. In der Pfingstpredigt des Petrus bedeutet christlicher Glaube auch: auf die Buße folgt die Taufe auf den Namen Jesu Christi. Der Glaube an Jesus Christus ist Voraussetzung für den Empfang des Heiligen Geistes. Nach dem Neuen Testament ist jeder Christ ein „Tempel des heiligen Geistes" (1. Korinther 6, 19). Er soll die Christen mit Mut und Kraft erfüllen und ihnen verschiedene Begabungen schenken.