
- Dante Alighieri trifft Beatrice in Florenz am Arno - Marcelo/Bild von Henry Holiday
In seinem Frühwerk begegnet Dante zum ersten Mal Beatrice, einer Frau, die ihm sein ganzes Leben lang in Gedanken und Gefühlen begleiten wird. Beatrice ist auch die Frau die ihn in der "Göttlichen Komödie" durch das Paradies begleiten wird. Die "Vita Niova" ist ein in Versen und Prosa geschriebenes Liebeswerk im Stil des "Dolce Stil Nuovo".
Die Begegnungen von Dante mit Beatrice in der „Vita Nuova“
Dante und Beatrice begegneten sich das erste Mal, als sie beide 9 Jahre alt waren. Dante verliebte sich sofort in sie. Die zweite Begegnung mit Beatrice fand 9 Jahre später statt, als sie von zwei älteren Damen begleitet wurde. Beatrice grüßte Dante worauf Dante, nachdem er sich zurückgezogen hatte, eine Liebesvision hatte, in der der personifizierte Amor, der zunächst fröhlich und dann traurig war, die zunächst schlafende Beatrice in seinen Armen hielt und ihr dann das Herz ihres Liebenden zu verspeisen gab. Dante wollte die Liebe zu Beatrice geheim halten, deshalb verehrte er öffentlich eine andere Frau. Diese so genannte „donna schermo“ lernte er in der Kirche kennen, sie stand im Blickfeld von Dante, als er Beatrice betrachtete. Er schrieb für sie Sonette und als sie die Stadt verlassen musste, schrieb er sogar ein Sonett, in dem er seine Traurigkeit darüber äußerte.
Dante Alighieri beschreibt die 60 schönsten Frauen, Beatrice nimmt Platz 9 ein
Danach beschrieb Dante die 60 schönsten Frauen, wobei Beatrice den neunten Platz einnahm. Als Dante mit einigen Leuten entlang einem Fluss einen Reitausflug unternahm, erschien ihm Amor wieder. Um die Liebe zu Beatrice weiter tarnen zu können, besang er eine zweite „donna schermo“. Nachdem sie über diese „donna schermo“ gehört hatte, verweigerte Beatrice Dante den Gruß, weil sie Gram empfand. Ab Kapitel XI verwandelte sich die Liebe Dantes für Beatrice: von einer eher sinnlichen, durch die leibliche Anwesenheit der Herrin bestimmte Liebe, kam es zu einer geistigen Liebe. Dante hatte dann einen zweiten Traum: der in weiß gekleidete Amor sprach mit Dante zunächst in Latein, dann in Vulgärlatein (gesprochenes Latein) und riet ihm, seiner Herrin ein Liebesgedicht zukommen zu lassen. Daraufhin begegnete Dante Beatrice bei einem Hochzeitsfest. Er war verstört und wurde deshalb von den Frauen und auch von Beatrice belächelt. Ein Sonett drückte seine Beschämtheit und Traurigkeit darüber aus. Dante wusste nicht was er tun sollte, ob er Beatrice suchen sollte oder nicht. Er beschloss jedoch, sie nicht mehr zu suchen, sondern vielmehr nur mehr Lobesworte über sie zu schreiben. Der Wunsch, über sie Lob auszusprechen, war groß, aber er hatte Angst, damit zu beginnen. Amor, als inspirierende Kraft, diktierte ihm eine Kanzone. Das Sonett vom Kapitel XX wurde Guinizelli gewidmet und beschrieb die Natur Amors. Beatrice wurde in einem weiteren Sonett gelobt.
Der Tod von Beatrice und die Erhöhung der erdverbundenen Liebe zur spirituellen Liebe
Bald danach starb der Vater von Beatrice, und Dante erfuhr von anderen Frauen, dass Beatrice weinte. Daraufhin wurde Dante krank, neun Tage lang, und während dieser Zeit überkam ihm die böse Vorahnung, dass Beatrice sterben würde. In einer weiteren Vision sprach das Herz mit Amors Zunge und eine weitere Frau, Giovanna, auch als „Primavera“ (Frühling) bekannt, erschien (diese Frau wurde höchstwahrscheinlich von Cavalcanti besungen). Sie erschien zusammen mit Beatrice, besser gesagt vor Beatrice und wurde somit zur allegorischen Figur für Johannes den Täufer, dem Ankündiger Christi.
Dante setzte sich in der Vita Nuova mit jener Sprache auseinander, die von den Lyrikern für Liebessonette verwendet wurde. Er wählte schlussendlich das „Volgare“ (gesprochenes Latein) im Gegensatz zum Latein aus, mit der Begründung, dass die besungenen Frauen auch die Sonette verstehen sollten. In einem weiteren Sonett beschrieb Dante, welche Eindrücke Beatrice auf die Menschen hinterlassen hatte.
Dante verliebte sich nach dem Tod Beatrices in einer weiteren „donna gentile“, Er widerstand jedoch dieser Versuchung. Ein Sonett entstand darüber als Dialog zwischen der Seele und dem Herzen. Beatrice erschien ihm in einer Vision und sah genauso aus wie bei ihrer ersten Begegnung. Diese Vision brachte Dante dazu, ein für allemal den Gedanken, er könnte diese andere Frau lieben, aufzugeben. Dante traf in der Folge auf Wallfahrern und sprach zu ihnen. Auf Wunsch von zwei edlen Frauen komponierte er das letzte Sonett „Oltre la spera“ in dem er die Reise eines Wallfahrtsgeistes beschrieb. Somit war ist die irdische Reise zu Ende und der Weg für die „Divina Commedia“ war vorbereitet.
War Beatrice eine fiktive oder reale Person?
Im 14. Jahrhundert wurde der Versuch unternommen, die historische Existenz von Beatrice herauszufinden. In einem Kommentar zur Vita Nuova erwähnte Graziolo de Bambaglioli Beatrice folgendermaßen: „figliola cheffu di messer Folco de´Portinari“. Auch Pietro, der Sohn von Dante war sich der historischen Existenz Beatrices sicher. Selbst aus Dantes „Divina Commedia“ ging dies hervor, denn alle Begleiter Dantes waren historische Persönlichkeiten, sodass Beatrice, die ihn dann durch das Paradies führte, auch eine solche sein musste.
Von der empirischen Wirklichkeit Beatrices wusste man nur den Namen, von ihrer dichterischen Wahrheit wusste man all das, was Dante in der Vita Nuova und in der Divina Commedia erschuf. Dante erhob das junge Mädchen auf den Rang eines Mythos.
Bibliographie
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