Porträt: Dressurreiterin Bettina Eistel

Die in Ostholstein lebende Frau beeindruckt bei Paralympics

Bettina Eistel ist „Contergan-Kind". Ohne Arme geboren, meistert sie das tägliche Leben und ihren Sport. Das hat sie bei den Paralympics in Peking eindrucksvoll bewiesen.

Die im ostholsteinischen Riepsdorf lebende, behinderte Dressurreiterin Bettina Eistel hat bei den Paralympics in Peking an ihren Erfolg von Athen nicht anknüpfen können. Bedingt durch den Umstand, dass ihr neues Pferd „Fabuleux“ jung und unerfahren ist, musste sie sich „nur“ mit einer Bronze- und einer Silbermedaille begnügen.

Contergan-Skandal im Fernsehen

Ostholstein ist stolz über diese Mitbürgerin: Bettina Eistel (46) zeigt, wie man mit Selbstdisziplin und großem Selbstvertrauen selbst schwerste Behinderungen so überwinden kann, dass man fast „normal“ am Leben teilhaben kann. Bettina wurde als so genanntes „Contergan-Kind“ mit nur Stummeln von Armen geboren. Ihre Mutter hatte während der Schwangerschaft geringe Mengen des Teufelszeugs „Thalodomid“ – ein Schlaf- und Beruhigungsmittel – genommen. Der in der breiten Öffentlichkeit fast vergessene "Contergan-Skandal" wurde im Jahre 2007 durch einen Fernsehfilm in die Erinnerung zurückgerufen. Eine Stiftung zahlt den Betroffenen bescheidene Renten, die wohl demnächst aufgebessert werden sollen. Bettina Eistel ist wohl das bekannteste „Contergan-Kind"

Weil Bettina mit Prothesen nie zurechtkam, lernte sie fast alle Verrichtungen, zu denen man üblicherweise Hände braucht, mit den Füßen, notfalls mit Munden und Zähnen zu tun.

Viele Medaillen bei Paralympics und anderen Wettkämpfen

Sie schlug eine „normale“ Schullaufbahn ein, machte das Abitur und studierte Psychologie. Bis heute ist Bettina Eistel in einer Hamburger Beratungsstelle tätig und moderiert überdies eine Sendung des ZDF. Schon früh entdeckte sie ihre Liebe zu Pferden – einer der Gründe, warum sie 1991 in den Raum Lensahn kam. Hier hat sie seither einen großen Freundeskreis aufgebaut. Schwere Vorwürfe erhebt sie allerdings gegen den Besitzer des „Lensahner Hof“, Herzog Christian von Oldenburg, und den betagten Seniorchef des Hauses. Andererseits pflegt sie mit der im Segebergischen aufgewachsenen Eilika Habsburg geborene von Oldenburg enge Freundschaft.

Zur Tunierreiterin wurde Bettina Eistel, als sie den heutigen Bundestrainer der Behindertenreiter kennen lernte, der zu dieser Zeit mit seiner inzwischen verstorbenen Frau einen Reiterhof bei Neustadt betrieb. Überdies sein Wunderpferd „Aaron“, mit dem Bettina Eistel seit Beginn dieses Jahrzehnts bei den Paralympics, Deutschen und Europameisterschaften gegen schwerste Konkurrenz erfolgreich war. Das entscheidende Gespräch für diese Wendung fand im Eutiner Speiserestaurant „Markt 17“ statt.

Bettina Eistel schrieb eine Autobiografie

Über ihre Behinderung und ihren Umgang damit erzählt Bettina Eistel sehr lebendig mit Hilfe ihres „Ghostwriter“ Alexander Schuller in dem Buch „Das ganze Leben umarmen". Sie verschweigt allerdings nicht, dass sie als Vorbild nicht unbedingt taugt: Sie raucht sehr stark, ist trinkfest und hat einen argen Verschließ an Männern. Und doch: Ihr so offenes Buch macht Mut!

Bettina Eistel: Das ganze Leben umarmen. Ehrenwirth-Verlag 2007. Gebunden, 299 Seiten. Euro 19,95.

Horst Schinzel, Valentina Jermakova

Horst Schinzel - Ich bin seit mehr als fünfzig Jahren journalistisch und publizistisch tätig. In den Siebziger Jahren habe ich einen Kleinverlag ...

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