Die Beliebtheit der Superhelden aus den Marvel-Comics

Spiderman - Elietta Becker
Spiderman - Elietta Becker
Seit über 70 Jahren sind Millionen Menschen weltweit begeistert von ihren Taten, lesen Comics und schauen Filme über sie: die Superhelden von Marvel.

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, ein Held zu sein? Die gesamte Menschheit oder zumindest seinen Nachbarn zu retten? Der Wunsch nach Helden mit übernatürlichen Kräften und Fähigkeiten besteht seit Ewigkeiten. Schon in der griechischen Mythologie gab es diese Wesen, die gegen das Böse kämpften und die Menschen beschützten - nur hießen diese damals nicht "Superhelden", sondern "Götter" oder "Heroen". Nicht nur die Bezeichnung änderte sich, sondern auch die Gegner (die in Form von Monstern oder "bösen" Menschen auftreten konnten), die Waffen und die Rüstungen. Geblieben ist nur eines: fiktive Figuren mit übermenschlichen Fähigkeiten, deren Beliebtheit unverändert groß ist.

Die Anfänge moderner Superhelden

Kurz nach Ende der Weltwirtschaftskrise 1929 und vor Beginn des Zweiten Weltkriegs war in den USA die Stimmung nicht besonders positiv. Die Menschen waren ob der Ereignisse beunruhigt und suchten Halt beziehungsweise Trost in irgend etwas, das ihnen Hilfe versprach. Kein Wunder also, dass die 1930-er Jahre als Geburtsstunde moderner Superhelden gelten. Nach der Erfindung von "Superman" und "Batman" (beide von "time warner") betrat ein weiterer Superheld die Comicbühne: Captain America. Er ist der erste einer Reihe von Helden, die aus der Feder des 1939 gegründeten Verlags "Marvel Comics" (eigentlich: "Marvel Enterprises") entsprungen sind. Ein regelrechter Boom entstand auf die Geschichten über die fiktiven Figuren, die nicht nur eine Vorbildfunktion ausübten, sondern den Menschen auch das Gefühl des Beschütztwerdens vermittelten und somit Trost spendeten. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass alleine während des Zweiten Weltkriegs mehr als 160(!) verschiedene Superhelden den Comicmarkt in den USA eroberten.

Die Zeiten wirklich überlebt haben haben nur wenige von ihnen. Dies hing zum einen damit zusammen, dass nach Kriegsende weniger "übermenschliche Hilfe" und Flucht aus Alltagssorgen notwendig waren. Einen weitaus größeren Schuldanteil am "Aussterben" der Superhelden trägt aber die in den 1950-er Jahren gegründete "Comic Code Authority", deren Aufgabe darin bestand, Comics zu zensieren. Mit der Begründung, diese Heftchen würden einen schlechten Einfluss auf die Leser ausüben, nahmen sie viele von ihnen vom Markt. Der heute als "Marvel" bekannte Verlag setzte neue Prioritäten und verlegte fortan Werke aus den Bereichen Science Fiction-, Monster- und Romantikcomics, bis in den 1960-er Jahren erneut Superhelden gefragt waren. Dieses Jahrzehnt war die Geburtsstunde von Hulk, Iron Man, den Fantastischen Vier, X-Men und Spiderman - fiktive Helden, die auch Jahrzehnte nach ihrer Erschaffung nichts von ihrer Bekannt- und Beliebtheit eingebüßt haben; wohl nicht zuletzt aufgrund ihrer (Neu-)Verfilmungen.

Die bekanntesten Helden der Marvel-Comics im Überblick

Obwohl über 50 verschiedene Marvel-Comics auch in Deutschland erschienen sind, erreichten deren Figuren längst nicht denselben Bekanntheitsgrad wie jene, deren Geschichten auch verfilmt wurden:

  • Blade. "Blade" bedeutet übersetzt so viel wie "Schwert" und bezieht sich auf die wichtigste Waffe des gleichnamigen Daywalkers, der halb Mensch und halb Vampir ist. Von beiden Elternteilen mit Stärken, aber nur einer einzigen Schwäche (dem Durst nach Blut, den er aber mittels eines Heilserums unterdrücken kann) ausgestattet, kämpft er bislang in drei Filmen (Stand: August 2011) gegen Vampire.
  • Hulk. Zwei Filme erschienen bereits über den Nuklearphysiker Dr. Bruce Banner, der bei einem Unfall mit zu vielen Gammastrahlen in Berührung kam. Bei Wut oder Schmerz verwandelt er sich in ein großes, grünes Monster, das dagegen kämpfen muss, von Armeen für deren Zwecke genutzt zu werden.
  • Captain America. Der Soldat Steven Rogers wird im Zweiten Weltkrieg durch ein Experiment zu einer körperlich perfekt ausgebildeten Figur, die gegen das Böse kämpft.
  • Fantastic Four. Vier Menschen werden durch kosmische Strahlungen zu vier Heldenfiguren: Mr. Fantastic, Das Ding, Die Unsichtbare, Menschliche Fackel, wobei jede eines der vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft verkörpert. Gemeinsam kämpfen sie für das Gute.
  • X-Men. Die X-Men-Trilogie handelt von einer Gruppe von Mutanten mit Superkräften, die aufgrund ihrer Fähigkeiten von Menschen gefürchtet werden und diese deswegen weitestgehend meiden. Sie kämpfen gegen böse Mutanten und versuchen, die Welt zu retten. Diese Filme aus den Jahren 2000, 2003 und 2006 sind die erfolgreichsten Marvelverfilmungen und verdrängten Spiderman vom ersten Platz. Darüber hinaus erschienen zwei weitere Filme zur Erklärung der Story.
  • Spiderman. Nachdem der etwas tollpatschige Peter Prker von einer radioaktiven Spinne gebissen wurde, besitzt er die Kraft, Wendigkeit und Geschwindigkeit dieses Insektes sowie dessen Fähigkeit, Wände hoch zu laufen. Er beschützt die Menschen und hilft, wo er nur kann.
  • Iron Man. Der Multimilliardär und Rüstungskonzernbesitzer Tony Stark erlitt bei einem Angriff eine Herzverletzung und entwickelte zum Überleben ein Exoskelett. Dabei handelt es sich um eine Stützstruktur, die nicht nur den Organismus stabilisiert, sondern Stark auch Superkräfte verleiht.

Nicht so erfolgreich wie die oben beschriebenen Charaktere, aber dennoch erwähnenswert ist der Ghostrider, der bei einem Pakt mit dem Teufel seine Seele verkauft hat, um seinen Vater zu retten, und als Gegenleistung Stärke, Ausdauer und Immunität gegen Kugeln erhielt.

Menschliche Seiten an übermenschlichen Figuren

Siegfried, der Drachentöter aus der Nibelungensage war zwischen seinen Schulterblättern verwundbar; Achilles an seiner Ferse ebenso. Genau wie diese Sagengestalten zeigen auch moderne Superhelden Schwächen, die ihre menschlichen Züge offenbaren: Hulk liebt eine Frau, Tony Stark hat Alkoholprobleme, Peter Parker ist im Alltag ziemlich lebensuntüchtig. Kostüme, Rüstungen, Hightechwaffen und übermenschliche Kräfte können nicht darüber hinweg täuschen, dass diese Superhelden alle ein Herz besitzen, welches sie davon abhält, unnahbar zu wirken. Vermutlich sind es genau diese Schwächen, die einen Großteil der Beliebtheit der Figuren ausmachen. Denn dass die Sehnsucht der Menschen nach Helden ungebrochen ist, zeigen nicht nur die Besucherzahlen in Millionenhöhe in den Filmen, sondern auch die enorme Nachfrage nach Fanartikeln wie Kleidung und Spiele, die übrigens nicht altersabhängig ist. Natürlich ist es eher selten, dass ein 50-Jähriger Herr in einem Spiderman-Tshirt herumläuft oder in Hulk-Bettwäsche schläft - auch wenn diese Figuren die Helden seiner Kindheit waren. PC- oder Konsolenspiele hingegen erfreuen sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt. Helden kann man schließlich immer gebrauchen...

Moderne Helden des Alltags

Doch man muss nicht ins Kino oder in einen Comicladen gehen, um Helden zu sehen. Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, wird auch im Alltag überall welche antreffen: Soldaten im Kriegseinsatz, Ärzte ohne Grenzen oder die Rettungskräfte am Ground Zero sind jedermann bekannt. Ebenso der Fußballer Maik Franz, der für jede erhaltene gelbe Karte eine Geldsumme für todkranke Kinder spendet. Auch vor der eigenen Haustür sind Helden zu finden: Ärzte und Pflegepersonal, Streetworker, Seelsorger. Selbst ein Tierschützer, der eine herrenlose Katze vor dem Verhungern rettet, ist ein Held - und das ganz ohne Rüstung, Umhang und Hightechwaffen.

Quellen:

marvel.com

rechercheportal.de

chartssurfer.de

Elietta Becker, Elietta Becker

Elietta Becker - Ich möchte mich kurz vorstellen: Ich bin Mitte 30 und lebe in der Nähe von Hannover. Nach dem Abitur habe ich Germanistik, ...

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