
- Schreiber-Icon - Illustration: Friederike Rave
Die Internationalen Filmfestspielen in Berlin eröffnen alljährlich Anfang Februar die neue Saison der alljährlich stattfindenen Filmfestivals. Gibt sich so manches Festival elitär und ist nur Filmschaffenden und Journalisten zugänglich, gilt die Berlinale als das größte Publikumsfestival der Welt. Winterlichen Temperaturen zum Trotz werden hier durchschnittlich jedes Jahr 230.000 Eintrittskarten verkauft
. Bis zu 400 Filmen werden in den verschiedenen Sektionen gezeigt. Um die 20 Filme konkurrieren in der zentralen Sektion, dem Wettbewerb, um Goldene und Silberne Bären.
Berlinale feierte ihre Geburtsstunde 1951 unter dem ersten Festivalleiter Alfred Brauer
Als Geburtshelfer der Berlinale gilt Oscar Martay, ein ehemaliger Offizier der Militärregierung der USA, der die Berliner Filmindustrie beaufsichtigt und fördert. Dank mehrerer Darlehen der amerikanischen Militärregierung wird die Finanzierung der Berlinale in ihren Anfangsjahren sichergestellt. Unter dem Motto "Fenster zur Welt" eröffnen am 6. Juni 1951 die 1. Berliner Filmfestspiele im Titania- Palast mit Alfred Hitchcocks "Rebecca".
Der erste Festivalsleiter der Berlinale ist der Filmhistoriker Alfred Brauer. Die Preisträger werden in den Anfangsjahren noch teilweise durch eine Publikumswahl bestimmt. Eine internationale Jury vergibt 1958 zum ersten Mal die Bären, nachdem Berlin neben den Festivals in Cannes, Venedig und Locarno ebenfalls zu einem A-Festival ernannt wurde.
Die Berlinale ist in ihren Anfangsjahren vorwiegend ein Publikums- und Glamourfestival. Internationale Stars wie Sophia Loren, Henry Fonda, Cary Grant und Rita Hayworth zieht es jährlich nach Berlin.
1970er Jahre: Rücktritt der Jury und erster sowjetischer Filmbeitrag
In den folgenden Jahrzehnten machten die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen sich auch auf der Berlinale bemerkbar. 1970 kam es aufgrund der Aufführung von Michael Verhoevens Vietnamkriegsfilm "o.k." zu einem Eklat, in dessen Folge die gesamte Jury zurücktritt und die Preisverleihung ausfallen muss.
Auf der Berlinale 1971 wird die ehemalige Gegenveranstaltung, das "Internationale Forum des jungen Films", in das Festivalprogramm integriert. Der Schwerpunkt dieser Sektion liegt beim politisch engagierten Kino. In den Folgejahren gibt wird hier Regisseuren wie Derek Jarman und Peter Greenaway erstmals Gelegenheit sich öffentlich zu präsentieren.
Aufgrund der Veränderungen durch Willy Brandts Ostpolitik und der damit verbundenen Öffnung gegenüber Osteuropa wird es möglich, dass 1974 der erste sowjetischen Beitrag im Berlinaleprogramm läuft. Die DDR ist ein Jahr später erstmals mit einem Film dabei.
Innovationen unter Festivalleiter Wolf Donner und Moritz de Hadeln
1976 übernimmt die Festivalleitung der Filmpublizist Wolf Donner. Donner verlegt den Termin für die Berlinale vom Sommer in den Winter, etabliert neue Reihen wie das Kinderfilmfest und die filmhistorische "Retrospektive", in deren Rahmen auch die "Hommage" stattfindet.
Marlene Dietrich steht im Mittelpunkt der ersten Retrospektive, die sich weiterhin Personen wie Billy Wilder und Fritz Lang widmet oder auch Themenschwerpunkten wie dem "New Hollywood Kino".
Die Hommage stellte bereits Filmstars wie Sophia Loren, James Stewart oder Catherine Deneuve in ihren Mittelpunkt.
Aus der ehemaligen "Presseschau"-Sektion wird 1986 das "Panorama". Schwerpunkte hier sind der Autorenfilm und das Arthousekino, die sich auf gesellschaftliche Themen konzentrieren. Seit Donner gilt die Berlinale als Arbeitsfestival.
Von 1979-2001 leitet Moritz de Hadeln die Berliner Filmfestspiele.
Im Jahre 2000 erfolgt der Umzug an den Potsdamer Platz.
Dieter Kosslick: Neue Sektion Perspektive Deutsches Kino und Nachwuchsförderung
Seit dem 1. Mai 2001 leitet Dieter Kosslick die Berlinale.
Es etabliert die neue Sektion "Perspektive Deutsches Kino". 2003 entsteht die Nachwuchsförderung "Berlin Talent Campus". Seit 2007 gibt es mit den "Berlin Shorts" eine extra Sektion für Kurzfilme.
Des weiteren wird die seit 2004 bestehende Reihe 14plus, in der Filme für Jugendliche gezeigt werden, in "Generation 14plus" umgenannt. Das Kinderfilmfestival bekommt im Zuge dieser Veränderung den Namen Generation Kplus.
