Schon in der Steinzeit haben die Menschen offensichtlich Schlehen gesammelt und gegessen - hat man doch in steinzeitlichen Siedlungen Schlehenkerne gefunden.

Die Heilige Hildegard empfahl Schlehen als Arzneimittel bei Blasenproblemen, Appetitmangel, gegen Entzündungen und als Schlafmittel

Auch für die Heilige Hildegard waren die dunkelblauen kugeligen Beeren ein Thema: Sie beschrieb als erste den dornigen Schlehenbusch als Arzneipflanze. Seine Früchte gelten als harntreibend, entzündungshemmend und appetitanregend. Schon in alter Zeit wurden sie, in Honig eingelegt eingenommen, als Schlafmittel genutzt. Vielen Insekten, zum Beispiel Kleinschmetterlingen, bietet der Busch einen Lebensraum, so dass die Anpflanzung in naturnahen Gärten beinahe Pflicht ist.

Ernte der Schlehen erst nach dem ersten Frost- Blausäure in den Fruchtkernen

Es gibt zahlreiche Schlehen-Rezepte. Allerdings stehen der Verarbeitung und Nutzung der Früchte Hemmnisse entgegen:

  1. Roh sind die Schlehen wegen ihres hohen Gerbstoffgehaltes extrem sauer, so dass bei der Ernte das genüssliche Naschen zwischendurch, wie etwa bei Erdbeeren oder Himbeeren, schon einmal wegfällt.
  2. Schlehen, die als Vorfahren und Wildformen der Pflaumen gelten, sollten erst nach den ersten Nachfrösten geerntet werden, weil sie vorher als ungenießbar gelten.
  3. Die Pflanzen wurden aus gutem Grund häufig als schützende und wehrhafte Hecken eingesetzt: Sie verfügen über kräftige Stacheln, die die Ernte der blauen Beeren mühsam machen.
  4. Sie enthalten Spuren von Blausäure, so dass – ähnlich wie bei den für Marmelade beliebten Vogelbeeren – davon abgeraten wird, zu große Mengen davon zu verzehren. Die Blausäure sitzt vor allem in den Kernen, so dass man darauf verzichten sollte, sie zu kauen. In manchen Rezepten wird allerdings gerade der Zusatz von Kernen empfohlen wegen des Geschmack gebenden Bittermandelcharakters.

Verwendungsmöglichkeiten von Schlehen - interessante Früchte als Zutaten für Likör, Wein, Marmelade und mehr

Es gibt die verschiedensten Verwendungsmöglichkeiten:

  • Schlehen können getrocknet und als Zutat für Früchtetees verwendet werden.
  • Bekannt ist der Likör „Schlehenfeuer“, dem die Beeren als Grundlage dienen. Ohne großen Aufwand kann man Schlehenlikör auch selbst machen, in Karaffen und Flaschen abfüllen, selbst genießen oder zum Geburtstag oder zu Weihnachten verschenken.
  • Wegen ihres starken Eigengeschmacks kommen sie auch in Mehrfruchtmarmeladen noch gut zur Geltung.
  • Liebhaber schwören auf süß-sauer eingelegte Schlehen. Schlehen eignen sich als Zutat in Chutneys, zum Beispiel mit eingeweichten Rosinen und gebratenen Zwiebeln.
  • Gesüßter schwarzer Tee mit Schlehensaft und etwas Zitrone ergibt einen alkoholfreien Punsch.
  • Zusammen mit reifen Birnen lassen sich Schlehen im Dampfentsafter entsaften, eindicken und zu Schlehendicksaft verarbeiten. Der eignet sich, mit Wasser verdünnt, als gesundes Getränk.

Leuchtend blaue Schlehen an stacheligen Zweigen in Naturhecken und an Böschungen im Herbst selbst suchen

Schlehen gehören zu den Früchten, die uns nicht im Supermarkt begegnen. Wer sie nutzen will, muss sich bei einem Herbstspaziergang schon selbst die Mühe machen, sie zu suchen, zu sammeln und zu ernten. Zu übersehen sind die leuchtend blauen Beeren kaum. Auch in herkömmlichen Kochbüchern finden sich nur wenige Rezepte. Auch das dürfte auf die mühsame Ernte zurückzuführen sein.

Für die beliebte Hobbythek ist so ein Thema natürlich gerade gut. Hier finden sich Rezepte ebenso wie in einigen Koch-Chats und Communities, die sich virtuell über Großmutters Rezepte ebenso austauschen wie über die neuesten eigenen Kreationen.