Erich Mielke war sich sicher: Bei Kuba handelt es sich um einen Leuchtturm in der Karibik mit sozialistischem Licht. Der Leiter des Ministeriums für Staatssicherheit gab nur wider, was die DDR-Politiker dachten: Kuba, das ist der Anfang vom Ende des Kapitalismus. Im Zuge der Annäherung Kubas an Moskau intensivierte auch die DDR den Kontakt, der in den achtziger Jahren in einer engen Partnerschaft gipfelte.
Besonders in der Wirtschaft bestanden fortan enge Kontakte: die DDR wurde zum zweitwichtigsten Wirtschaftspartner Kubas. Aber auch auf gesellschaftlicher und politischer Ebene wurden die Beziehungen gepflegt. Neben zwischenstaatlichen Abkommen und reger Besuchsdiplomatie fallen hier vor allem die Austausche und Weiterbildungen von Kubanern in der DDR ins Auge. Mehr als 30.000 kubanische Arbeiter wurden in der DDR weitergebildet. Allerdings handelte es sich bei den Besuchen der Kubaner eher um den Einsatz von billigen Arbeitskräften als die gezielte Weiterbildung. Daneben existierte aber die zielgerichtete Ausbildung von kubanischen Brandschützern und Kriminalisten. Zudem gab es enge Kontakte zwischen MfS und MININT, den beiden Sicherheitsdiensten.
Die DDR ging 1960 nach einem Besuch einer Handelsdelegation mit Wirtschaftsminister Heinrich Rau an der Spitze ein Abkommen mit Kuba ein, in den nächsten Jahren 15 Industriebetriebe nach Kuba zu liefern. Am 12. Januar 1963 nahmen die beiden Länder schließlich diplomatische Beziehungen auf. Im Zuge der Mitgliedschaft Kubas im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, der Kooperation mit dem Warschauer Pakt und der Mitgliedschaft in der Internationalen Bank für Wirtschaftliche Zusammenarbeit unterstützten die sozialistischen Länder Kuba ökonomisch und militärisch.
Zu „Kurzberatungseinsätzen" reisten bis 1989 zahlreiche ostdeutsche Sicherheitsexperten nach Kuba, um vor Ort Geheimpolizei und „normale" Polizei" auszubilden. So wurde Kuba für die DDR zu einem Stützpunkt, von dem aus sie Geheimoperationen unternahm; vor allem in Nicaragua. Diese enge Zusammenarbeit haben im Jahr 2002 die Wissenschaftler Ehlert, Staadt und Voigt anhand des zur Verfügung stehenden Schriftverkehrs zwischen den beiden Staaten untersucht; ihr Fazit: „Der Staatssicherheitsdienst und das Innenministerium der DDR trugen zum Auf- und Ausbau jener Institutionen bei, die in Kuba noch heute für eine ähnliche Ordnung sorgen, wie sie in der DDR im Herbst 1989 durch eine friedliche Revolution beseitigt worden ist."
Bereits im November 1980 hatten die beiden Innenminister Kubas und der DDR, Ramiro Valdes Menendez und Friedrich Dickel, in der „Vereinbarung über die Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium des Innern der DDR und dem Ministerium des Innern der Republik Kuba" ihre Zusammenarbeit auf unbefristete Zeit festgesetzt. Tatsächlich dauerte sie bis zum Ende der DDR.
Eine Partnerschaft zeigt sich auch in der Frage, wie die beiden sozialistischen Staaten auf die von Gorbatschow eingeleiteten Reformen Ende der achtziger Jahre reagierten: Beide Länder lehnten Perestroika und Glasnost, wenn auch aus anderen Gründen, ab. Ein wesentlicher Unterschied zu guter Letzt: Kuba hat das Ende des Kalten Krieges überstanden, wird gar immer noch vom selben Mann regiert. Die DDR hatte es da bekanntermaßen schwieriger.
