Mit den Gottesdiensten am Wochenende 1. und 2. Dezember 2012, dem Ersten Advent, beginnt in der Katholischen und Evangelischen Kirche das neue Kirchenjahr. Das lateinische Wort „adventus“ bedeutet „Ankunft“. Die Gläubigen erwarten die Ankunft, die Geburt, Jesu am Weihnachtsfest. Im Mittelpunkt der Wortgottesdienste in den Eucharistiefeiern der katholischen Kirche steht die Verkündigung des Wortes Gottes. Die Bibeltexte (erste Lesung, zweite Lesung, Evangelium) sind in der Adventszeit von besonderer Bedeutung. In der Katholischen Kirche beginnt - nach dem Lesejahr B - jetzt das Lesejahr C.

Die Bibeltexte des Ersten Advents

Die erste Lesung ist dem Buch Jeremia entnommen. Gott wird seine Verheißung erfüllen und „für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen“. Er wird den Namen tragen: „Jahwe ist unsere Gerechtigkeit“. Das Volk Israel lebt mit dieser Verheißung und in der Hoffnung, dass sie erfüllt werde. - In der zweiten Lesung aus dem ersten Brief an die Thessalonicher erinnert Paulus seine Leser an die Liebe zueinander, die wachsen und das Herz festigen möge. Die Menschen sollen ohne Tadel vor Gott stehen, wenn er mit seinem Sohn Jesus Christus und allen Heiligen kommen wird.

Die Frohe Botschaft, das Evangelium, des Ersten Advents steht unter der Überschrift: Eure Erlösung ist nahe. Der Evangelist Lukas beschreibt das Ende der Welt: Zeichen an Sonne, Mond und Sternen, Toben und Donnern des Meeres, bestürzte, ängstliche, ratlose Menschen, die die Zeichen nicht deuten können. Dann kommt der Menschensohn „mit großer Macht und Herrlichkeit“. Dann ist die Erlösung des Menschen nahe. Lukas mahnt das Volk, sich nicht überraschen zu lassen, sondern darauf vorbereitet zu sein. „Wacht und betet allezeit“ ist sein Ratschlag.

Die Bibeltexte des Zweiten Advents

Am Zweiten Advent ist die erste Lesung dem Buch Baruch entnommen. Der Verfasser schreibt aus der Zeit des Babylonischen Exils heraus Klage- und Trostlieder. Er will dem Volk Israel Mut machen: "Denn Gott führt Israel heim in Freude, im Licht seiner Herrlichkeit; Erbarmen und Gerechtigkeit kommen von ihm." - In der zweiten Lesung aus dem ersten Brief an die Philipper berichtet Paulus über die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden. Er betet und dankt Gott für die Menschen in Philippi/Mazedonien, die sich für das Evangelium einsetzen. Er schreibt, dass er Gott darum bitte, dass die Liebe der Menschen noch stärker werde, damit sie bei der Ankunft des Herrn „rein und ohne Tadel“ seien.

Das Evangelium nach Lukas benennt zunächst die handelnden Personen in der damaligen Zeit: römischer Kaiser war Tiberius, Statthalter von Judäa Pontius Pilatus, Tetrach (Herrscher) von Galiläa Herodes, Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. In diesem Umfeld berief Gott Johannes, den Sohn des Zacharias. Er hatte die Aufgabe, die Menschen zum Umkehr aufzufordern und sich zur Vergebung ihrer Sünden taufen zu lassen. Der Prophet Jesaija hatte dieses Geschehen vorhergesagt: „Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg!“. Dann werden alle Menschen das Heil sehen, das von Gott kommt.

Die Bibeltexte des Dritten Advents

Die erste Lesung des Dritten Advents ist dem Buch Zefanja entnommen. Der Prophet beschreibt die Menschen in Jerusalem zu seiner Zeit als widerspenstig, befleckt und gewalttätig. Sie hören nicht auf den Anruf Gottes. Wenn der Herr aber kommt, dann kann Jerusalem jauchzen und frohlocken. Er wird die Feinde zur Umkehr zwingen und Rettung für das Volk Israel bringen. Deshalb "juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel!". - Der Dritte Advent steht unter dem Thema: Freude (auf lateinisch: Gaudete). „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ ruft Paulus im Brief an die Philipper der Gemeinde zu. Die zweite Lesung dieses Tages sagt auch den Grund der Freude: „Der Herr ist nahe.“

Das Evangelium nach Lukas berichtet weiter über Johannes, der jetzt als „Täufer“ bezeichnet wird. Die Menschen, die ihm begegnen, wollen wissen, was sie tun sollen, wenn Johannes von Umkehr spricht. Er antwortet ihnen: Menschen mit zwei Gewändern sollen eines abgeben, Zöllner sollen nicht mehr verlangen als festgesetzt ist, Soldaten sollen niemanden misshandeln oder erpressen. Johannes taufte mit Wasser und sagte einen voraus, der mit Heiligem Geist und Feuer taufen werde: „Ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.“

Die Bibeltexte des Vierten Advents

In der ersten Lesung aus dem Buch Micha wird Bethlehem als Geburtsort Jesu angekündigt. - Die zweiten Lesung aus dem Hebräerbrief berichtet vom Ziel der Menschwerdung Gottes durch Jesus Christus: Die Hingabe im Opfer, am Kreuz, für alle Menschen. Durch diese Hingabe hat Jesus uns mit Gott versöhnt und geheiligt. Die bisher dargebrachten Schlacht- und Speiseopfer, Brand- und Sündopfer sind daher nicht mehr notwendig.

Das Evangelium vom Vierten Advent berichtet von der Begegnung Marias mit ihrer Verwandten Elisabeth im Bergland von Judäa. Der Engel Gabriel hatte zuvor Maria angekündigt, dass sie schwanger werden und einen Sohn gebären würde. Bei der Frage Marias, wie das geschehen sollte, verwies der Engel auf Gottes Geist, der über sie kommen werde und auf Elisabeth, die im hohen Alter noch schwanger geworden sei. Auch dies war einige Zeit vorher durch den Engel im Tempel von Jerusalem angekündigt worden. Daraufhin machte sich Maria auf den Weg zu Elisabeth. Mit großer Freude begrüßte sie Maria, und durch das Wirken des Heiligen Geistes glaubte sie. Elisabeth sprach zu Maria: "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes." Ihr Glaube wird deutlich durch die Frage: "Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?"

Noch heute betet die Kirche im "Gegrüßet seist du, Maria …" den Gruß der Elisabeth an Maria beim Besuch in Judäa.

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Quelle: Benediktinerkloster Beuron

Bildnachweis: pixelio.de - Peter Smola