Die Bildhauerin Iris Rousseau

Skulpturen - als Ausblick in die Welt

Eduard bei der Ziselierarbeit an einer Bronze  - Atelier Rousseau
Eduard bei der Ziselierarbeit an einer Bronze - Atelier Rousseau
Kunst und Kultur erscheinen oftmals als eine Bedrohung, wenngleich sie nicht nur Basis aller menschlichen Gesellschaften sind, sondern auch innovativ und fördernd.

Damit ist nicht zu rechnen: Bei Winsen, hinter dem Deich, der die kleinen Ortschaften vor dem Hochwasser der Elbe schützen soll, liegt Hoopte. Und eben in diesem Ort und nicht in Hamburg, Kiel oder Lüneburg sind Wohnort, Werkstatt und Galerie des Bildhauer-Ehepaares Iris Rousseau und Eduard van Leeuwen beheimatet. In einer eher bäuerlichen Umgebung, mit landwirtschaftlicher Ausprägung, mit Feldern, Apfelbäumen und typischen, an kleinen Straßen nebeneinander gebauten Ein- und Mehrfamilienhäusern, eröffnet sich dem Besucher eher plötzlich und unerwartet eine Art paradiesischer Garten.

Wirklichkeit aus Bronze, Ton, Granit und Marmor

Schon am Grundstückseingang begegnen einem Vögel, Hasen, Kinder und Engel, Bronze-, Ton-, Keramik-, Granit- oder Metallarbeiten des Ehepaares und ein ungewöhnlicher Bau, dessen Stil an die Vielfalt und Fantasie jener Zeit erinnert, in der man als Kind mit Legos oder Setzbausteinen seine Traumhäuser zusammengebaut hat, manches erinnnert an die Architektur des Friedensreich Hundertwasser, wenngleich nicht so organisch fließend, aber doch so vielseitig, kindlich und fantasievoll und die Mosaike der Böden des Anwesens erinnern und erscheinen fast wie eine Homage an Barcelonas Bürgersteige und Antoni Gaudi. Eduard van Leeuwen verweist Stolz darauf, dass er Haus und Garten, selbst die Mauern des Grundstückes, in die viele unterschiedliche Skulpturen, Ereignisse und Reliefs eingearbeitet sind, nicht nur selbst, sondern fast ausschließlich mit Fundstücken oder Resteposten erstellt hat und im Laufe der Jahrzehnte eine Patchwork-Welt den Skulpturen, sich und seiner Frau als Zuhause geschaffen hat.

Über drei Stockwerke begegnet man ungezählten Plastiken, Skulpturen, Reliefs und Portraits: Tiere, Kinder, Frauen und Männer, der Wirklichkeit entzogen, Teil der Erlebniswelten dieser beiden Künstler und hier in Hoopte versammelt und einen Ort verzaubernd, dem dieses alles fremd ist, der aber ohne den Gestaltungsdrang der Beiden sich nur zum Vorbeifahren eignet.

Die kleine zierliche Frau, deren Energie sie nicht ruhen lässt, bis all die Eindrücke ihres Erlebens, ihrer Ehe und Familie, Reisen, die sie in viele Teile der Welt geführt haben und auch des normalen Alltags von ihr geformt wiedergegeben sind, reproduziert faktisch ihre Wirklichkeit und baut sich mit ihrem Mann mitten im künstlerischen Nichts eine Traumwelt, deren eigene Ästhetik und Detailtreue, aber auch Weltfremdheit jeden Besucher in Besitz nimmt, unabhängig von der inhaltlichen Auseinandersetzung mit diesem Werk, dass nach vielen Jahren harter Arbeit in ganz Deutschland seine neuen Besitzer und Liebhaber gefunden hat und an vielen Plätzen im öffentlichen Raum zu sehen ist.

So erscheint einem dieser Besuch wie eine Wanderung durch die Natur, durch italienische Gärten, wie Verweilen auf Märkten und Plätzen, wie das Annehmen von Kraft, Energie und unbedingtem Lebenswillen und erschöpft ebenso, weil eben damit nicht zu rechnen ist, dass in Hoopte der Spiegel eines ganzes Lebens zu finden ist.

Gegenständliche Skulpturen

Das Werk der Bildhauerin Iris Rousseau unter Mithilfe ihres Ehemannes Eduard van Leeuwen ist ohne die beiden Menschen, die dahinter stehen, inhaltlich über die zu sehende exakte Wiedergabe der Objekte, Tiere oder Menschen nicht zu verstehen. Tatsächlich gilt es ihnen nicht, die Wirklichkeit naturgetreu zu kopieren, das Darzustellende in Bronze wiederzugeben, manchmal die Natur zu überhöhen, wie es oft in der heroisierenden Darstellung der 30er Jahre und dem folgenden Jahrzehnt Mode war (z.B. bei Arno Breker), um allein das Gefallen des Publikums zu erhalten, das der Auftraggeber oder dem Zeitgeschmack zu entsprechen. Die Figuren sind keine Sieger, selbst Engel erscheinen eher verletzlich, sie sind keine Kämpfer über den Kampf hinaus, den jeder im normalen Leben zu führen hat, sie sind einfach ihrem Alltag verpflichtet, viele verschiedene Formen und eben in diesem Alltag durch die beiden Künstler für ein Stück Ewigkeit festgehalten.

Auch sind die Bildhauer weit von der schön bis kitschig anmutenden dekorativen, erotischen Darstellung der späten 70er Jahre fern, wenngleich bei einigen Frauen-Akten Merkmale dieser Epoche zu finden sind (Haltung und Bekleidung). Ihre Arbeiten zeigen auch die Zeichen des Alterns, natürlich Merkmale, die man heute vielleicht operativ verändern würde, zeigen Menschen in ihrer Umwelt im Gespräch, Kinder beim Spielen, Tiere bei der Nahrungsaufnahme. Weswegen die Arbeiten womöglich diese große Aufmerksamkeit erhalten, liegt vielleicht an der Vertrautheit, die die Betrachter beim Anblick der Skulpturen haben oder entwickeln, weil sie ihnen nicht fern, sondern nah wie das eigene Erleben erscheinen.

Iris Rousseau und Eduard van Leeuwen haben eine Idee von Leben, davon, wie es sich anfühlt, eine lebendige Fantasie und empfinden Liebe, die ihre Gedanken und Gefühle leitet.

Liebe und Kreativität

Diese Gedanken, diese Gefühle sind es, die das umfangreiche Werk der Bildhauer zeigen will, Liebe und die Gunst, das auszudrücken; die in sich ruhende alte Frau, das Lebensgefühl des Tangos in dem starren, beim genauen Hinsehen aber schwingendem Paar, die Zärtlichkeit eines jungen Mädchens, die Unbedarftheit spielender Kinder – keine multimediale Wirklichkeit, die uns durch die Inhalte und das Können der beiden Künstler vermittelt wird. Sie geben damit auch die Chance, mit ihren Augen die Welt neu zu entdecken, nicht irgendeine Welt, unsere eigene Umgebung, ein nicht neues, aber immer aktuelles Angebot.

François Maher Presley, Foto: David Eschrich, Fançois Maher Presley

Francois Maher Presley - François Maher Presley kam in Kuwait/pers. Golf zur Welt und lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Der Autor und ...

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