
- Blide Nachbau - Wikipedia
Die bis zu 18 Meter in der Höhe messende Blide, (auch Tribok, Englisch Trebuchet, Trabatium im Lateinischen) war in Mitteleuropa des Mittelalters eine Schleuder nach dem Prinzip eines Katapultes. Die als Belagerungsmaschine konstruierte Blide, konnte sogar Meter dicke Burg Mauern einreißen.
Ihre Wirkungsweise ist vergleichbar mit heutiger schwerer Artillerie. Da es die Blide ermöglichte, aus sicherer Entfernung auf die Feinde zu feuern, wurde sie dem herkömmlichen Katapult und der Ramme vorgezogen.
Historie
In Deutschland tauchte die erste Blide um 1212 auf. Kaiser Otto IV belagerte mit ihr in Thüringen die Runnenburg. Von da an wuchs ihre Bedeutung für die Belagerung stetig. Im Mittelmeerraum fand die Blide auch auf Schiffen ihren Platz.
Da die Belagerungsmaschine fast vollständig aus Holz bestand, war es möglich, diese mit einem kleinen Trupp aus Holzfällern in wenigen Tagen vor Ort aus vorhandenen Bäumen zu bauen. Ein Nachteil lag im Transport der Tonnen schweren Maschinen. Die angebrachten Räder dienten lediglich der schnellen Justierung und dem Zielen als dem Transport. Ebenfalls halfen die Räder dabei, den enormen Rückstoß der Blide abzufangen, wobei dadurch die Reichweite des Geschosses erhöht wurde. Das Hebelprinzip machte es möglich die Geschosse, die aus Stein und meist um die hundert Kilo wogen, mehrere hundert Meter weit zu katapultieren. Mit eben diesen Geschossen wurden Mauern und Türme der Burgen eingerissen. Auch wenn ein Geschoss mal nicht traf, konnte es durch den Aufprall auf z.b. Steinpflaster verheerenden Schaden anrichten. Die umher fliegenden Splitter wirkten noch Meter weit tödlich auf die in der nähe stehenden Personen.
Funktionsweise der Blide
Ein Wirkungsgrad von ca. 70% und ein Gegengewicht von bis zu 75 Tonnen, ermöglichte es bis zu 500 Kg schwere Geschosse problemlos auf die Feinde abzufeuern. für die Bedienung der Blide waren ca. 15 ausgebildete Männer notwendig. Die Blide besteht im wesentlich aus nur zwei Elementen:
Der Grundkonstruktion mit Rahmen und Führungsrinne für das Geschoss, sowie dem Wurfarm der mit einer drehbaren Achse mit dem Rahmen verbunden ist. Auf der kurzen Seite des Wurfarms hängt ein Lastkorb der für die nötige Geschwindigkeit sorgt. Dieser ist ebenfalls mit einer drehbaren Achse versehen. auf der langen Seite des Wurfarms ist wiederum eine Schlinge an einen Auslösehaken angebracht, auf der sich das Geschoss befindet.
Wenn der Wurfarm gespannt wurde, schnellte er nach lösen des Hakens durch das am kurzen Ende befindliche Gegengewicht nach oben. Das Geschoss das sich in der Schlinge befand, wurde bei dieser Bewegung zuerst die Führungsbahn entlang gezogen. Bei der Aufwärtsbewegung wurde es mit der Schlinge, nach erreichen des Endes der Führungsbahn, angehoben und durch den Schwung am Ende der Bewegung aus der Schlinge Katapultiert.
Psychologische Kriegsführung
Zwar wurden überwiegend Steine als Geschosse verwendet, jedoch kamen auch immer wieder Leichen oder Leichenteile im Zuge der psychologischen und auch biologischen Kriegsführung zum Einsatz. Als z.b. die Mongolen um 1346 die Stadt Caffa belagerten, brach in deren Lager die Pest aus. Kurzerhand wurden die Leichen der Soldaten mit Hilfe der Blide über die Stadtmauern geschleudert. Nach kurzer Zeit brach auch bei den Belagerten die Pest aus. Ebenso wurden gelegentlich auch zerstückelte Tierkadaver mittels Blide über die Mauern einer Burg oder Stadt befördert. Fing es dann an zu regnen, wurden die Leichenteile in die Zisternen gespült und somit die Wasservorräte vergiftet. Eine Burg oder Stadt hatte kaum Chancen einem Angriff dieser Stand zu halten. Nicht selten gab die Besatzung schon allein beim Anblick dieser Waffe kampflos auf. Die einzig effektive Methode gegen eine Blide war es, selbst eine zu besitzen.
Die Blide galt zurecht als die schrecklichste Belagerungsmaschine des Mittelalters. Abgelöst wurde sie später durch die handlicheren Belagerungskanonen.
