
- Tonstudio - Martin Genter
Ihre Stimme klang beinahe männlich und rauh. Sie stand schon mit siebzehn Jahren auf der Bühne, sang danach mit Chuck Berry, coverte Hits von Glenn Miller und Miltred Bailey, und erhielt später die Gelegenheit, mit den Rolling Stones zu touren. Ein turbulentes Leben, bezieht man ihre privaten und Drogen-Eskapaden mit ein. Etta James nimmt, schrieb einmal jemand, den Soundtrack dazu auf, wenn es im Blues um Liebe und Verlust geht.
Etta James hieß eigentlich Jamesetta Hawkins
Jamesetta Hawkins hieß sie eigentlich und wurde am 25. Januar 1938 in Los Angeles geboren. Ihre Mutter war zu dem Zeitpunkt erst vierzehn Jahre alt und ihren Vater, einen Weißen, lernte sie nie kennen. Etta wurde deshalb hauptsächlich von Verwandten großgezogen, die eine enge Bindung zur Baptisten-Kirche hatten, ihr Gesangstalent früh erkannten und förderten. So sang die kleine Etta im Alter von fünf Jahren schon Gospels im Kirchenchor. Chorleiter Professor James Earl Hines brachte ihr die technischen Fertigkeiten bei und machte ihr Mut, weiter an sich zu arbeiten und zu glauben.
Etta James' Karriere machte Fortschritte
Mit vierzehn zog die junge Sängerin nach San Francisco, gründete das Trio The Creolettes und faszinierte den Jazz-Bandleader und Schlagzeuger Johnny Otis. Der engagierte sie prompt für landesweite Tourneen mit seiner neu auf die Beine gestellten Rhythm-and-Blues-Band California Rhythm and Blues Caravan. Etta James' erster Hit "The Wallflower" stammte aus seiner Feder und Otis brachte sie dazu, ihren Namen in Etta James zu ändern. Ihr Trio hieß von nun an The Peaches und ihr zweiter Hit "Good Rockin' Daddy".
Dann folgte das Engagement bei Chess-Records in Chicago
Anfang der 60er Jahre fuhr sie nach Chicago, um sich bei dem legendären Chess-Label - dem Blues-Label schlechthin - vorzustellen. Die Plattenfirma gehörte den Brüdern Leonard und Phil Chess, Söhne polnischer Einwanderer. Junge Blues-Talente wurden dort zu Stars, wie Muddy Waters, Chuck Berry, Howlin' Wolf, Buddy Guy, Little Walter oder Bo Diddley. Leornard gab Etta James einen Vertrag. Der erste Song, den sie dort einspielte, war "All I Could To Do Was Cry", ein weiterer Meilenstein, um sich einen großen Namen zu machen. Dann folgte ihr größter Hit "At Last" von Harry Warren und Mack Gordon, den schon Glenn Miller zwanzig Jahre zuvor populär machte. "Trust in Me", von Mildred Bailey schon gut verkauft, folgte prompt.
Etta James, Drogen und Männer
Es war aber gleichzeitig die Drogensucht, die Etta James große Probleme bereiteten. Drogen wie Heroin, und, das hatte sie mit ihrem Vorbild Billie Holiday gemein, die kaputten Verhältnisse zu Männern, die meist von Missbrauch geprägt waren.
Beruflich ging es in den 70er Jahren ebenfalls bergab. Die Disco-Welle überrollte Blues und Rhythm and Blues. Aufgefangen wurde Etta James von einem Angebot der Rolling Stones, als Vorsängerin mit auf Tournee zu gehen. Bei den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles durfte sie das Eröffnungslied "When The Saints Go Marching In" singen. Und der Filmkomponist Hans Zimmer verwendete "At Last" für den Soundtrack zu "Rain Man".
1993 und 2004 erhielt die Sängerin den "Living Blues Award" und 1994 eine Auszeichnung für die beste Jazz-Stimme.
Ihre Drogenabhängigkeit hat sie schon längst überwunden, da begann der Kampf gegen Leukämie, den sie nun verloren hat. Etta James' so tief-emotionale Stimme bleibt uns wenigstens auf zahlreichen Aufnahmen erhalten.
Diskographie:
Eine Auswahl:
Alt Last!, 1961
Sings For Lovers, 1962
Etta James Rocks The House, 1964
Queen Of Soul, 1965
Call My Name, 1966
Tell Mama, 1968
Funk, 1970
Losers Weepers, 1971
Deep In The Night, 1978
Changes, 1980
Chess Masters, 1981
Good Rockin' Mama, 1981
Etta, Red-Hot & Live, 1982
Blues In The Night, Vol. 1: The Early Show, 1986
Late Show: Blues In The Night, Vol. 2, 1986
Etta James On Chess, 1988
Tell Mama, Vol. 1, 1991
Live, 1994
Mystery Lady: Songs Of Billie Holiday, 1994
Time After Time, 1995
Live, Love & The Blues, 1998
Heart Of A Woman, 1999
Burnin' Down The House: Live At The House Of Blues, 2002
Let's Roll, 2003
Live In New York, 2003
All The Way, 2006
Dreamer, 2011
Quellen:
- Cohodas, Nadine: Wie Chess den Blues vergoldete. Verlagsgruppe Koch GmbH/Hannibal, 2002,
A-6000 Höfen (deutsche Ausgabe)
- Wyman, Bill: Blues. Geschichte, Stile, Musiker, Songs & Aufnahmen. Christian Verlag, München, 2002, (deutsche Ausgabe)
- starpulse.com: Etta James Discography
- Foto: pixelio.de, Copyright Martin Genter
