
- Los Borgia Borg - LatinSuD
1492 ist Rom in zehn verfeindete Herrschaftsgebiete unterteilt. Im Zentrum liegt der Kirchenstaat, in der drei Familien um die Macht in Rom kämpfen: die Orsini, Colonna und Borgia, so der Einstieg in einer Filmreihe aus dem ZDF.
Der sechsteilige Historienepos "Die Borgia" handelt von dem Wirken der Familie von 1492 über die Wahl Rodrigo Borgias als neuen Papst bis zum Ende seines Pontifikats. Doch was sind die historischen Fakten hinter der Familie?
Woher stammen die Borgias ursprünglich?
Wie im Film thematisiert, handelte es sich bei den Borgia nicht um ein in Rom alteingesessenes Adelsgeschlecht wie bei den Orsini und Colonna. Ursprünglich stammt die Familie der Borgia aus dem spanischem Raum um Valencia, worauf auch der Vorname des älteren Sohnes, Juan, hindeutet.
Was steckt hinter den Gerüchten über Lucrezia Borgia?
Lucrezia Borgia ist eine der am stärksten verleumdeten Personen ihrer Zeit. Angeblich soll sie für ihre eigenen Zwecke Gift gemischt und darüber hinaus im Inzest mit Rodrigo Borgia, dem späteren Papst Alexander (ihr Vater) sowie ihrem Bruder Cesare gelebt haben.
Klar ist: Zwar entstammte sie einer reichen und einflussreichen Familie und rückte 1492 mit der Ernennung ihres Vaters zum Papst, in den Blickpunkt der Gesellschaft, dennoch war ihre Ausgangsposition dank der Machtspielchen ihres Vaters und ihres Status als illegitime Tochter nicht gut.
Die Vorwürfe des Inzests mit ihrem Vater und Bruder stammen ursprünglich von ihrem Mann, Giovanni Sforza, von dem sie schon nach kurzer Zeit durch den Papst geschieden wurde. Vordergründiger Grund: Impotenz ihres Mannes! Zu dieser Zeit gerade bei den einflussreicheren Familien eine Katastrophe! Deshalb war möglicherweise der Vorwurf von Giovanni Sforza, Lucrezia sei nur geschieden worden, um Inzest mit ihrem Bruder und Vater Vorschub zu leisten, nur eine Art Selbstverteidigung der eigenen Ehre.
In ihren Ehen wurden ihr außerdem mehrere außereheliche Beziehungen nachgesagt. Historisch nachgewiesen werden können sie ihr jedoch nicht.
War Cesare Borgia wirklich so grausam wie im Film dargestellt?
Cesare Borgia war der zweitälteste Sohn von Rodrigo Borgia und seiner Mätresse Vanozza, bei der er auch mit seinen Geschwistern seine Kindheit verbrachte. Obwohl er ursprünglich für eine kirchliche Laufbahn vorgesehen war, wurde er vor allem durch militärische Aktionen im Dienste Roms bekannt.
Im Film zeigt sich Cesare extrem aggressiv und jähzornig. Er überfällt ein Kloster und prügelt sich aus scheinbar geringfügigen Anlässen mit Anderen, bis diese wehrlos und schwer verletzt am Boden liegen. Dies entspricht dem Ruf, den er allgemein bis heute genießt.
Es gibt Hinweise, dass er versucht hat einen Mordanschlag auf Alfonso von Bisceglia, einen der Ehemänner seiner Schwester Lucrezia, auszuüben.
Außerdem gibt es Hinweise, dass er bereits in seiner Jugend einen Mord begangen hat. Als sein älterer Bruder Juan, der vom Vater eindeutig favorisiert wurde, nach einem abendlichen Treffen mit Cesare am nächsten Morgen ertrunken aus einem Fluss gezogen wird, wird Cesare verdächtigt. Folgen hat der Tod seines Bruders dennoch nicht für ihn und klare Beweise dafür, dass er der Mörder ist, gibt es nicht.
Andererseits war er bei seinen Untertanen sehr beliebt, und soll sich - auch als er noch nicht ihr Herrscher war - versucht haben, das Volk zu schützen, indem er seinen Soldaten z.B. Plünderungen verbat.
Wirklich erwiesen ist ein Großteil der Ereignisse jedoch nicht. Vieles von seinem Ruf geht sicher auch auf die Geschichtsschreibung zurück, wie zum Beispiel auf Macchiavelli, der absolutes Machtstreben, Rücksichtslosigkeit bis zur Tyrannei Anderer, zum Ideal erhob und Cesare als Prototyp des von ihm idealisierten Herrschertypus darstellte. Aber auch seine Gegner werden das Ihre getan haben, um seinen schlechten Ruf zu festigen.
War es üblich, dass Kardinäle eine Familie hatten?
Keuschheit war damals zwar das propagierte Ideal für den Klerus, dennoch wurde diese gerade von den Obersten der Kirche selten gelebt. Dass jedoch ein Mann in einer so hohen Position wie Rodrigo Borgia nicht nur eine Mätresse, sondern auch Kinder hatte, die er nicht vor der Öffentlichkeit versteckte, war äußerst ungewöhnlich und erregte auch damals Anstoß. Als späterer Papst war er jedoch unerreichbar für Kritik und konnte es sich leisten, seine Kinder anzuerkennen.
Wer war Vanozza Catanei wirklich?
Der familiäre Hintergrund der Vanozza Catanei ist unklar. Es gibt Vermutungen, dass sie aus einer bürgerlichen Familie, jedoch ohne finanzielle Sorgen, entstammte. Nach drei Ehen wurde sie die Geliebte von Rodrigo Borgia, Kardinal und langjähriger Vizekanzler Roms. Mit ihm hatte sie vier Kinder, Juan, Cesare, Jofré und Lucrezia. Obwohl Rodrigo Borgia seine Beziehung zu ihr aufgrund seiner Stellung nie legitimieren konnte, sicherte er ihr zeitlebens eine sorglose Existenz und erkannte auch seine Nachkommen mit Vanozza an. Selbst als er, schon in seiner Amtszeit als Papst, seine neue Geliebte Giulia aus dem Hause Farnese kennenlernte, vergaß er Vanozza nicht und pflegte weiter eine freundschaftliche Beziehung zu ihr.
Trotz Widerstand der Gesellschaft gegen die Tatsache, dass ein Kardinal und späterer Papst nicht nur eine Familie hat, sondern auch keineswegs vor der Gesellschaft versteckt, und Erpressungsversuche Vanozzas, um ihre Ziele für ihre Kinder zu erreichen (z. B. die sehr frühe Ernennung Cesares zum Bischof) hielt die Beziehung viele Jahre.
Wie schaffte Rodrigo Borgia den Aufstieg zum Papst?
Als Papst Innozenz 1492 relativ plötzlich starb, standen Kardinal Rodrigo Borgias Chancen der neue Pontifex Maximus zu werden, schlecht. Aussichtsreiche Kandidaten kamen dagegen aus dem Hause Sforza und della Rovere, den der Papst selbst wohl als seinen Nachfolger favorisiert hatte. Kardinal Borgia schaffte es jedoch bereits im Vorfeld ein Abkommen zur Stimmaufteilung mit einem der beiden Favoriten, Ascanio Sforza, zu schließen.
Zwar war dieser der eigentliche Favorit der Front gegen della Rovere, doch zum einen war er zu jung, zum anderen stammte er aus Mailand - keine gute Ausgangsposition, da das ebenso starke Neapel einen mailändischen Papst nie befürwortet hätte. Im Gegensatz zu dem von ihm präferierten Borgia war er überdies nur wenig wohlhabend und konnte den Kardinälen keine "Geschenke" für ihre Stimme anbieten.
Borgia hingegen versprach allen Kardinälen Ämter, Bistümer oder hohe Geldsummen, mit denen er sich die ihre Stimmen schließlich erkaufte.
Obwohl einige wenige seinen Bestechungsversuchen nicht nachgaben, wurde er nach fünf Tagen im Konklave 1492 zum neuen Papst gewählt.
Trotz seines fragwürdigen Lebenswandels war Papst Alexander beim Volk sehr beliebt.
