Die Bremer Böttcherstraße

Die etwa 100 Meter lange Gasse ist eine Touristenattraktion

Die Bremer Böttcherstraße. - Udo Altmann/Pixelio
Die Bremer Böttcherstraße. - Udo Altmann/Pixelio
Auf Initiative des Kaufmanns Ludwig Roselius und nach Plänen des Künstlers Bernhard Hoetger hat die Böttcherstraße ihr heutiges Gesicht bekommen.

In Bremen zählt sie zu den absoluten Touristenattraktionen: Die Böttcherstraße. Sie ist eine etwa 100 Meter lange Straße in der Bremer Altstadt, die direkt vom Marktplatz abzweigt. Die meisten Häuser, weitgehend alle aus rotem Backstein gebaut, sind in der Zeit von 1922 bis 1931 entstanden und gehen vor allem auf das Engagement des Bremer Kaffee-Kaufmanns Ludwig Roselius zurück. Die wesentliche Gestaltung der Böttcherstraße hat der Bildhauer, Maler und Kunsthandwerker Bernhard Hoetger übernommen. Die gesamte Straße ist ein nicht häufig zu findendes Beispiel für die Architektur des Expressionismus. In ihr gibt es mehrere edle Boutiquen, die Bremer Spielbank, Museen, ein Kino, ein Hotel und verschiedene Restaurants.

Die Böttcherstraße – Geschichte

Entstanden ist die Böttcherstraße im Mittelalter und verband den alten Weserhafen an der Schlachte mit dem Bremer Marktplatz. Wie der Name Böttcherstraße schon sagt, waren hier einige Böttcher ansässig, die Fässer, Zuber und andere Gefäße herstellten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Bremer Hafen jedoch stromabwärts verlegt, was bedeutete, dass die Straße an Bedeutung verlor.

1902 verlegte jedoch Ludwig Roselius den Sitz seiner Kaffeefirma, die später zu Kaffee Hag wurde, in die Böttcherstraße Nummer sechs, in dem sich heute das Ludwig-Roselius-Museum befindet. Nach und nach erwarb der Kaufmann weitere Grundstücke in der Straße. Nach dem Ersten Weltkrieg mussten einige der baufällig gewordenen Gebäude abgerissen werden.

1921 wurde schließlich mit den Bauten begonnen, wie sie noch heute in der Straße zu finden sind. 1921 wurde das Ludwig-Roselius-Museum nach Plänen der Architekten Eeg und Runge erschaffen. Es folgten das Kaffee-Hag-Haus, das Haus St.-Petrus, das Haus des Glockenspiels sowie weitere Bürogebäude. Für die Ausführungen dieser Arbeiten zeichneten sich die Architekten Runge und Scotland verantwortlich. 1926 entstand das Paula-Becker-Modersohn-Haus, in der ein nach der Künstlerin benanntes weiteres Museum entstand. Für diesen Bau war erstmals Bernhard Hoetger verantwortlich. Nach weiteren Plänen von Hoetger entstanden 1931 auch das Haus Atlantis und das Robinson-Crusoe-Haus.

In den 1930er Jahren bezeichneten die Nationalsozialisten die Bauwerke der Böttcherstraße als „entarte Kunst“ und trugen sich mit dem Gedanken, alles niederzureißen. Nur eine Intervention Ludwig Roselius konnte dies verhindern, denn der Kaffeehändler drohte den politischen Verantwortlichen, wenn es tatsächlich zum Abriss käme, damit, dass er der Hansestadt den Rücken zukehren und ins benachbarte Hamburg abwandern würde. Daraufhin wurde die Böttcherstraße im Jahr 1937 unter Denkmalschutz gestellt, als ein Beispiel der Verfallskunst in der Weimarer Zeit.

1944 wurden große Teile der Straße zerstört. Dank der Firma Kaffee Hag wurden diese Schäden bis 1954 wieder behoben und die Straße größtenteils in ihrem Originalzustand wieder hergestellt.

1979 verkaufte Ludwig Roselius Junior Kaffee Hag samt der Böttcherstraße an den amerikanischen Lebensmittelkonzern General Foods, heute Kraft Foods. 1981 kauft er die Straße jedoch wieder zurück. Da im Jahre 1989 erneut größere Sanierungen notwendig geworden waren, verkaufte Ludwig Roselius Junior die Straße mit Ausnahme des Atlantis-Haus an die Sparkasse Bremen, die seitdem Eigentümerin der Straße geblieben ist. Bis 1999 wurde die Straße nach und nach saniert. Betrieben wird die Straße heute von der Böttcherstraße GmbH, einer Tochterfirma der Sparkasse Bremen.

Die Böttcherstraße – Besondere Sehenswürdigkeiten

Besonders sehenswert ist das Glockenspiel mit seinen 30 Glocken am Ludwig-Roselius-Haus, die mit Ausnahme im Januar täglich zu jeder vollen Stunde zwischen 12 und 18 Uhr läuten. Während die Glocken läuten erscheinen zehn geschnitzte Holztafeln in einem kleinen Türmchen, die bekannte Ozeanbezwinger zeigen. Ebenfalls sehr schön ist der Handwerkhof, wo es auf einem Brunnen die Bremer Stadtmusikanten im Kleinformat zu bewundern gibt. Hier kann auch einigen Goldschmieden bei der Arbeit über die Schulter geschaut werden. Am Eingang der Straße ist auch der „Lichtbringer“ ein absoluter Hingucker. Auf diesem Fassadenrelief von Bernhard Hoetger ist der Erzengel Michael im Kampf mit dem Drachen zu sehen.

Christian Goldmann, Christian Goldmann

Christian Goldmann - Mein Name ist Christian Goldmann. Ich bin 33 Jahre alt und arbeite seit einigen Jahren als Journalist in Bremen und Umgebung. Zuvor habe ...

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