
- Nicht sehr beliebt, aber wertvoll: Die Brennnessel - Gemeinfrei
Die Brennnessel ist vielen Menschen eine eher unangenehme Pflanze, denn die Berührung mit ihr verläuft schmerzhaft und sie stellt sich an vielen Stellen als ärgerliches „Unkraut“ ein, wie manche Menschen zu Wildkräutern sagen, die ihnen unerwünscht sind. „Unkräuter“ gibt es jedoch nicht, denn jedes Kraut hat seine Berechtigung, zumindest als Teil seines Ökosystems – und oft genug ist es darüber hinaus auch noch für dieses und jenes zu gebrauchen.
Die Brennnessel hat es in sich
Die Brennnessel jedoch ist ein ganz besonderes Kraut, das man zu einer ganzen Menge von Dingen verwenden kann. Und wenn sie im Garten erscheint ist das genau genommen ein gutes Zeichen: Sie ist ein so genannter Stickstoffzeiger, wo sie auftritt, mangelt es dem Boden auf jeden Fall schon einmal nicht an diesem wichtigen Pflanzennährstoff. Dass man sich im Wald heutzutage wesentlich öfter an Brennnesseln brennt und auch häufiger in Brombeerranken verheddert als noch vor 20, 40 Jahren, ist auf den erhöhten Stickstoffeintrag in den Waldboden aus der Luft zurückzuführen. Der eigentliche Luftstickstoff, der in großen Mengen vorhanden ist, kann zwar von den Pflanzen nicht aufgenommen werden, die Stickoxide aus Autoabgasen jedoch stellen pflanzenverfügbaren Stickstoff dar, der im Waldboden landet und Stickstoff liebende Pflanzen wie Brombeere und Brennnessel begünstigt.
Die bei uns vorkommenden vier Arten aus der Gattung der Brennnesseln kennt man vor allem an ihren typischen, am Ansatz herzförmigen und vorne zugespitzten, tiefgrünen Blättern und am Wuchs. Sie gehören zur Familie der Brennnesselgewächse und der Ordnung der Rosenartigen. In der Regel sind die bis zu 150 cm hohen Stängel unverzweigt und die Blätter gezähnt. Eher selten kommen auch Brennnesseln mit glattrandigen Blättern vor, ein Merkmal, das rezessiv vererbt wird.
Ein literarisches Denkmal für die Brennnessel
Victor Hugo hat der Brennnessel ein literarisches Denkmal gesetzt: In seinem Roman „Die Elenden“ wird von einem Mann erzählt, der in einem armen Dorf auftaucht und sich als Wohltäter erweist. Er lehrt die Leute unetr anderem nämlich, die Brennnesseln, die bei ihnen in großen Mengen wachsen und bis dahin lediglich als Unkraut angesehen wurden, auf vielerlei Art und Weise zu nutzen: Als Faserpflanze, als Nahrungsmittel, als Dünger und dergleichen. Damit lindert er die Not der armen Leute erheblich.
Dünger und Spritzmittel aus der Brennnessel
Der hohe Stickstoffgehalt der Brennnessel ist eine der Eigenschaften, die sie interessant machen: Zu Brennnesseljauche verarbeitet kann sie als schnell verfügbarer Stickstoffdünger dienen. Brennnesseljauche macht man, in dem man in ein passendes Gefäß, nicht aus Metall und möglichst mit Deckel, mit Brennnesseln nicht zu fest (Richtwert ca. 1kg/Liter Wasser bei frischen Brennnesseln, 200g/L bei trockenen) vollstopft und dann mit Wasser (am besten Regenwasser,Leitungswasser kann zu kalkhaltig sein) füllt. Das ganze lässt man drei oder vier Wochen stehen und rührt etwa einmal die Woche um, dann sollte die Jauche fertig sein.
Genauso kann man eine Brühe ansetzen, wobei man den Ansatz jedoch nur 12 bis 24 Stunden ziehen lässt. Diese Brennnesselbrühe kann man als biologisches Spritzmittel zum Beispiel gegen Blattläuse einsetzen.
Die Brennnessel als Faserpflanze, Nahrungsmittel und Heilpflanze
Tatsächlich kann man aus den Fasern der Brennnessel auch Garn spinnen und Stoff weben. Das wurde früher sehr viel gemacht. Aus der Brennnessel kann man, wie aus Hanf auch, sowohl sehr derbe als auch sehr feine Gewebe herstellen; derzeit gibt es wieder einen Hersteller, der Blusen, Hemden und feine Bettwäsche aus Nesselstoff anbietet.
Als Nahrungsmittel ist die Brennnessel genauso geeignet wie als Heilpflanze. Vor allem als Alternative zu Spinat lässt sie sich verwenden, aber auch als Salat essen. Aus den Samen kann man gesundes Öl gewinnen und aus ihr gekochter Tee schmeckt ebenfalls nicht schlecht. Als Heilmittel werden praktisch alle Pflanzenteile verwendet und decken eine ganze Reihe von Krankheiten ab.
Ein ganze Menge mehr über die Brennnessel kann man übrigens in einer Monographie über sie auf der Website Heilpflanzengarten.net erfahren.
