
- Teetasse - UK Tea Council
Ob im Mutterland oder in den Kolonien, ob Queen oder Arbeiter, die Cup of Tea gehört untrennbar zur britischen Kultur. Selbst in Krisenzeiten war es oberstes Anliegen, den Teenachschub zu sichern und die Briten haben dafür sogar Kriege geführt. Schwer vorstellbar, dass es eine Zeit gab, in dem die Engländer ohne Tee lebten, weil sie ihn nicht kannten.
Der Tee kommt in England an
Im 17. Jahrhundert begann eine neue Ära, die Briten lernten in China den Tee kennen. Der erste öffentliche Teeverkauf in England fand 1657 statt. Tee wurde zuerst wegen seiner medizinischen Vorteile gepriesen, ein Wundermittel, das gegen fast alles hilft. Erst allmählich etablierte sich Tee als Erfrischungsgetränk. In den Kaffeehäusern, in denen nur Männer verkehren durften, wurde ab circa 1652 auch Tee ausgeschenkt. Als Karl II. 1662 die passionierte Teetrinkerin Katharina von Braganza heiratete, führte sie das Teetrinken als gesellschaftliches Ereignis ein, Teetrinken wurde in den oberen Schichten Mode.
Tee entwickelt sich zum Genussmittel
1705 eröffnete Thomas Twining das erste Kaffeehaus, dass nur Tee ausschenkte. Seinen 1717 eröffneten „Golden Lyon“ durften erstmals auch Frauen betreten. Endlich gab es auch einen schicklichen Treffpunkt für die Dame aus gutem Hause. Überall in England eröffneten Teehäuser. Die Nachfrage war groß, die Besteuerung immens und der Schmuggel über Holland florierte. Vermutlich setzte sich schwarzer Tee in England durch, weil er als Schmuggelware schwerer zu strecken war als grüner Tee.
1784 wurden die Steuern auf Tee massiv gesenkt, von 119 % auf 12,5 %, um dem Schmuggel Einhalt zu gebieten. Nun konnte sich nicht nur der Adel das Getränk leisten. Tee wurde zu allen Gelegenheitengetrunkenund löste das Bier ab, das vorher selbst zum Frühstück getrunken wurde!
Opiumkriege in China
Die Nachfrage nach dem Tee aus China war groß. 1690 wurden 10.000 kg Tee importiert, 1790 waren es schon 4 Mio. kg. Die Chinesen waren an britischen Importen nicht interessiert und die Briten mussten mit barer Münze zahlen, was ihnen gar nicht passte. So schufen sie ein neues Handelsgut. In ihrer Kolonie Indien bauten sie Opium an und verkauften es billig nach China. Bald nahm der Konsum solche katastrophalen Ausmaße an, dass China die Teeausfuhr stoppte. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die in den zwei Opiumkriegen 1839-42 und 1856-60 mündeten. Die Briten gewannen und pressten den Chinesen unter anderem Freihandelshäfen ab.
Die Britisch-Ostindische Kompanie
Seit 1669 durften Waren aus Übersee nur noch von englischen Schiffen nach Großbritannien gebracht werden. Die Britisch-Ostindische Kompanie besaß bis 1833 das Monopol unter anderem für China und stieg zu einem der einflussreichsten wirtschaftlichen und politischen Unternehmen ihrer Zeit auf. Ihr wichtigstes Handelsgut war Tee Sie setzte Einfuhren und Preise fest, und unterhielt sogar eigene Streitkräfte, die in den indischen Kolonien ein strenges Regiment führten.
Da es immer wieder Ärger mit den Chinesen gab, hatte man sich auf die Suche nach Alternativen gemacht. Indien besaß das richtige Klima und ab 1840 bauten die Briten dort Tee an. Ab 1870 wurde er auch in Ceylon kultiviert, unter anderem von Thomas Lipton.
Teeklipper
Die alten Schiffe der Britisch-Ostindischen Kompanie brauchten noch über ein Jahr, um die neue Teeernte aus Übersee nach London, dem Zentrum des Welthandels, zu bringen. Mit dem Bau von Teeklippern, großen Segelschiffen mit schmalem Rumpf, verkürzte sich die Zeit auf 100 Tage. Die Segelschiffe lieferten sich regelrechte Rennen, Tea Races genannt, bei denen die Bevölkerung hohe Wetteinsätze machte. Das Siegerschiff und seine Mannschaft erhielt ebenfalls eine fette Prämie. 1871 fand das letzte Rennen statt. Auf dem neu eröffneten Suezkanal brachten Dampfschiffe ihre Waren viel schneller nach London.
Boston Tea Party in Nordamerika
Nicht nur in China, auch in ihren nordamerikanischen Kolonien bekamen die Engländer Ärger wegen Tee. Nordamerika war einer der Hauptimporteure von Tee. Nach dem Vorbild des Mutterlandes gehörte Teetrinken zur feinen Lebensart. Die Britisch-Ostindische Kompanie besaß auch hier das Handelsmonopol und England kassierte seine nordamerikanischen Siedler mit saftigen Teesteuern ab. 1773 rebellierten die einst braven Kinder gegen Mutter England. Als Indianer verkleidete Siedler warfen im Bostoner Hafen die Teeladung eines britischen Schiffes über Bord. Der Affront, ironisch „Boston Tea Party“ genannt, wurde zum Auslöser des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Die Amerikaner gewannen ihre Unabhängigkeit nicht nur militärisch. Sie tranken zukünftig lieber Kaffee und Eisteeund erfanden 1908 den Teebeutel, der wiederum das Mutterland England eroberte.
Quellen: u.a. Jane Pettigrew – Tee; Collection Rolf Heyne – Das Buch vom Tee
