
- Teatime - British Tea Council
Seit die Briten ihre Liebe zum Tee entdeckt haben, ist er aus ihrem Alltag wegzudenken nicht mehr. Sie haben ihre eigene Art des Teegenusses kultiviert. Tee strukturiert den Tag, beginnend mit dem Early Morning Tea gleich nach dem Aufstehen, gefolgt vom Breakfast Tea, Afternoon Tea… Teatime ist immer.
Der Afternoon oder Five O’Clock Tea
Die berühmteste britische Gewohnheit ist sicherlich der Afternoon oder Five O’Clock Tea. Man sagt der siebten Herzogin von Bedford nach, dass sie ihn 1840 erfunden haben soll. Da sie zwischen Mittag und Abendessen Hunger verspürte, führte sie eine Zwischenmahlzeit mit Tee ein. Ursprünglich gegen 16 Uhr versammelte die Herrschaft sich im Teesalon, in eleganter Kleidung. Auf feinstem Geschirr, entweder aus Silber oder aus Porzellan, wurden zum Tee Sandwiches mit Kresse, Gurke, Ei, Shortbread, Scones, Clotted Cream, Konfitüre und spezielle Teekuchen wie Sponge Cakes u. a. Kleinigkeiten gereicht.
Die hart arbeitende Bevölkerung genehmigte sich Nahrhafteres. Nach getaner Arbeit versammelte man sich am späten Nachmittag, frühen Abend zum High Tea. Deftiges wie Fisch, Fleisch, Käse, Pies gehörte zum Tee. Heutzutage hat sich der Brauch nur noch in Schottland gehalten. Den echten Five O’clock Tea mit allem drum und dran dagegen kann der Besucher in den englischen Grand Hotels immer noch genießen.
Die britische Art, Tee zu trinken
Eines ist für Engländer klar: in den Tee gehört Milch. Die Reihenfolge allerdings ist beinah eine Glaubensfrage. Für die Milch-zuerst-Regel spricht die Tatsache, dass das früher gebräuchliche, empfindliche Chinaporzellan vor Rissen geschützt wurde, wenn danach der heiße Tee eingegossen wurde. Warum die Engländer ihren Tee mit Milch trinken, darüber gibt es verschiedene Vermutungen. Zum einen könnte es daran liegen, dass der ursprünglich importierte Grüntee dem britischen Gaumen zu bitter war. Milch mildert den Geschmack. Vielleicht haben sie es von den Mandschus übernommen, bei denen dieses Brauch war.
Inzwischen wird in England fast nur Schwarztee getrunken. Um sich gegen das Milcharoma durchzusetzen, braucht es einen kräftigen Tee. Die Mischungen, Blends, für den English Breakfast Tea bestehen Ceylon und Assam Tee. Erfinder der Blends seit 1870, die trotz verschiedener Ernten gleich bleibende Qualität bieten, war Twining.
Earl Grey ist ebenfalls eine englische Mischung. Entgegen der häufig anzutreffenden Meinung ist es keine Teesorte wie Assam oder Darjeeling, sondern eine Schwarzteemischung, parfümiert mit dem Öl der Bergamottefrucht.
Die Engländer fügten auch den Henkel an der Teetasse hinzu. Nicht nur, um den kleinen Finger elegant abzuspreizen, sondern auch, damit man die heißen Tassen besser anfassen konnte.
Tee als öffentliches Ereignis
Teetrinken ist in England nicht nur eine private Angelegenheit. Es gab und gibt immer wieder Perioden, in denen das öffentliche Teetrinken in Mode kam. Die ersten Kaffeehäuser, die auch Tee ausschenkten, wurden um 1730 von Teegärten abgelöst. Es handelte sich um Vergnügungsparks, in denen der Besucher zum Eintrittspreis neben einem Unterhaltungsprogramm auch unbegrenzten Teeausschank geboten bekam.
Ab 1864 wurden Teehäuser beliebt, in denen es Mahlzeiten, Tee und Musik gab. 1913 wurde dann der Tanztee Trend. Jedes bessere Hotel und Restaurant bot Livemusik, zu der mit dem neuen Modetanz Tango geschwoft wurde.
Tee ist unverzichtbares – in Krieg und Frieden
Zu Queen Victoria’s Zeiten veranstalteten Wohltätigkeitsvereine Tea Moralities. Prostituierten, Obdachlosen, Arbeitslosen, die sonst vielleicht Trost beim Alkohol suchten, wurden zu Tee und Gebäck eingeladen.
In den beiden Weltkriegen war Tee Bestandteil der Lebensmittelration. Älteren und Kindern wurde mehr zugestanden. Englischen Kriegsgefangenen schickte das Rote Kreuz Tee. Das Militär sorgte dafür, dass Tee auch im Krieg nach Großbritannien gelangte. Teeimporte wurden außerhalb Londons bombensicher gelagert. Winston Churchill soll gesagt haben: „Für unsere Soldaten ist Tee wichtiger als Munition“.
Eine Errungenschaft aus der Zeit der der Industriellen Revolution ist die Teepause für Arbeitnehmer. Zweimal am Tag ruhte die Produktion, um Tee zu trinken. Die britische Eigenart stieß besonders bei ausländischen Arbeitgebern auf Unmut. Immer wieder wurde geunkt, mit Teepausen sei die britische Wirtschaft im Vergleich zu anderen EU Staaten nicht wettbewerbsfähig. Erste Versuche in den 60ern, die heilige Kuh Teepause abzuschaffen, führten zu Empörung und Streiks. Erst die Thatcher Ära und die Schwächung der Gewerkschaften erreichte das Verschwinden der Institution.
England steht aktuell in der Verbrauchsstatistik nur noch an siebter Stelle, mit 3,2 kg pro Kopf und Jahr. Auch in Großbritannien ist nach dem Zweiten Weltkrieg die hektische Fast Food Kultur und die dazu passenden Coffee Shops angekommen. Trotzdem wird nur halb so viel Kaffee wie Tee getrunken. Und in den letzten Jahren finden auch wieder junge Leute Gefallen daran, sich in Teehäusern und bei Tanztees zu treffen. Die Cup of Tea gehört einfach zum britischen Lifestyle dazu.
Quellen: u.a. Jane Pettigrew – Tee; Collection Rolf Heyne – Das Buch vom Tee
