Die Brompton World Championship um Blenheim Palace in England

Eine Gruppe bei den Brompton Weltmeisterschaften - Judith Weibrecht
Eine Gruppe bei den Brompton Weltmeisterschaften - Judith Weibrecht
Die Faltradrad-Weltmeisterschaften bei Oxford - Die Brompton Weltmeisterschaften finden jährlich statt, im Oktober 2010 bei Oxford in Großbritannien.

Zum fünften Mal fand am 3. Oktober 2010 die Brompton World Championship statt, zum dritten Mal in Großbritannien. Rund um Blenheim Palace bei Oxford wollten sich 750 Teilnehmer aus 34 Nationen im Falten und Radeln messen.

Es dauert nicht mehr lange bis zum Start der Faltradweltmeisterschaft. Keith, ein Engländer, der in Belgien lebt, lässt beim „fastest mechanic“ seinen platten Reifen richten, Mark aus Oxford fragt, ob die Deutsche sich auskenne und schon öfters teilgenommen habe. Leider nicht. „Und dann kommst du aus Deutschland extra deshalb hierher?“ So ist es. Mark ist lädiert. „Zu lange im Pub gestern Abend.“ Im Aufwärmzelt sind Brompton-Fahrerinnen und -Fahrer aus aller Welt zu bewundern. Eine englisches Team tritt mit überdimensionierten Brillen an, zwei haben Angeln mit Gummienten an ihrem Helm befestigt, eine Lady ganz in Rot sieht aus wie aus Ascot eingeflogen, die rote Krawatte eines Gentleman weist ihn als Mitglied der „Swiss Folding Society“ aus, und die schöne Prinzessin ganz in violett mit Krönchen auf dem Helm hat genug davon, andauernd fotografiert zu werden. Denn es gibt nicht nur Preise für die Schnellsten, auch die best Angezogensten werden prämiert.

Das Brompton Faltrad - Kleines Fahrrad, großer Kult

Die Fliege sitzt etwas stramm. Der Dresscode, Hemd oder Bluse, Blazer und Fliege oder Kravatte, ist aber erfüllt. Draußen ist alles schlammig und es regnet. Das Bromtpon steht zusammengefaltet an der Startposition: 57 mal 55 mal 27 Zentimeter klein und in den 1970er Jahren vom Ingenieur Andrew Ritchie entwickelt. Kleines Rad, großer Kult. Nach dem Signal muss man auf das Paket aus 1.200 Teilen zurennen, es auffalten und losfahren. Die Belgier aus dem B & B treffen sich hier wieder und Bromptonauten aus Deutschland. Nun steigt die Spannung und nach dem Briefing eines Gentleman mit Megaphon ertönt das Tröten! In fünf Wellen wird losgesprintet. Es klickert und klackert, Schnellspanner, Scharniere und Klemmen werden gelöst und angezogen oder fixiert und ab geht es durch die Mitte. Zweimal muss der Rundkurs von 6,5 Kilometern auf kleinen Rädern gefahren werden.

Der Schnellste, Liam Curran aus Nordirland, wird das in nur 22 Minuten 52 Sekunden schaffen. Die Zuschauermenge jubelt, verbissene Spanier ziehen vorbei, vorne flattert ein langes Abendkleid im Wind. Nach rechts geht es leicht abschüssig vorbei an Blenheim Palace und zum See, hinter der Vanbrughs Brücke folgt eine Steigung. Der Mister mit hochrotem Kopf und blauen Rockschößen schwankt bedrohlich und wird von durchtrainierten Siegeswilligen angeblafft: „To the left!“ Links solle er fahren, was wohl einige hier nicht wüssten, wird kommentiert. Mittels Ellenbogen drängt ein athletischer Hüne in quietschbuntem Sakko Mitradler ab. Nun fühlt man sich wirklich wie auf einer WM. Die deutsche Journalistin schwitzt, schaltet einen Gang zurück und guckt sich die wunderschöne Parklandschaft mit Ulmen und Eichen an. Tiefgrün leuchten die englischen Wiesen. Andreas aus Genf und sie haben beschlossen, sie zu würdigen. Take it easy und genieße.

Die Brompton World Championship - eine Weltmeisterschaft, die Spaß macht

Im barocken Blenheim Palace wurde schließlich Sir Winston Churchill geboren und von dem stammt angeblich der berühmte Ausspruch „No sports!“. Eine in Grün, eine in Weiß und eine in Rot fahren einträchtig neben der Schweizer-deutschen Gruppe her. Doch Carlotta, eine der drei Schönen, ist schwach am Berg und so beschließt man zu warten. Das ist echter Teamgeist. Die drei ergeben zusammen die italienische Flagge und Carlotta stammt wohl aus der Po-Ebene. „Avanti Italia!“, ruft man den Tricolore-Damen zu und biegt um die letzte Kurve. Ziellinie, Blitzlichtgewitter und eine Medaille! Gewonnen? Alle Teilnehmer bekommen eine Medaille und fühlen sich wie Gewinner. Was für ein Tag für die Brommies. Ein Sieg für Falträder, ein Sieg für alle. Und eine Menge Spaß. “My Brompton is my life!” keucht einer im Brustton der Überzeugung und begibt sich zur Faltmeisterschaft. Denn nach dem Rennen ist vor dem Wettbewerb: Nur 9,2 Sekunden braucht der Sieger, um ein Brompton komplett zusammenzuklappen.

13 Minuten und 13 Sekunden vor dem Letzten ist die Journalistin im Ziel. Dafür, dass sie ihren Sattel höher gestellt und während der ganzen Fahrt nett geplauscht hat mit einem Schweizer Kollegen und den Tricolore-Damen, ist das eigentlich gar nicht so schlecht. Sie ist 560ste geworden - genau wie ihre Startnummer. Das muss einer erst mal schaffen!

Informationen zu den Brompton Weltmeisterschaften

Die Anmeldung erfolgt direkt über die Faltradfirma Brompton in England. Informationen zu den Brompton World Championships gibt es auch von Blenheim Palace. Filme über die Brompton World Championship gibt es auf Youtube. Und wer aufs verschroben Britische steht. Die Buchhandlung Blackwell's nahebei in Oxford ist allemal einen Besuch wert.

Judith Weibrecht, Judith Weibrecht

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