Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm

Grimms Märchen - Bernd Teuber
Grimms Märchen - Bernd Teuber
Bekannt wurden die Brüder Grimm vor allem wegen ihrer Märchensammlungen. Mit ihren Werken legten sie aber auch die Grundlage der Germanistik.

Die Brüder Jacob (1785 - 1863) und Wilhelm Grimm (1786 - 1859) kamen in Hanau zur Welt. Ihre sorgenfreie Kindheit endete, als ihr Vater Philipp Wilhelm 1796 starb und die Familie kein Geld mehr hatte. Seine Frau Dorothea Grimm musste mit ihren sechs Kindern das Haus verlassen und mehrmals umziehen. Zwölf Jahre später starb auch die Mutter. Nun musste der älteste Sohn Jacob die Stelle des Familienoberhaupts einnehmen. Beim gemeinsamen Studium an der Universität lernten die Brüder Jacob und Wilhelm Professor Friedrich Carl von Savigny kennen. Er machte sie mit den Werken der Romantik und des Minnegesangs vertraut. Auch Johann Gottfried Herder hatte mit seinen Ansichten über die Dichtung der Völker großen Einfluss auf die beiden.

Dies brachte sie auf die Idee, die geschichtliche Entwicklung deutschsprachiger Literatur zu untersuchen. Gleichzeitig schafften sie damit die Grundlage für eine wissenschaftliche Behandlung dieses Arbeitsgebietes. Ab 1807 begannen die Brüder, Märchen zu sammeln. Allerdings entstammten dieses nicht ihrer eigenen Fantasie. Junge und alte Menschen erzählten ihnen Geschichten, die sie selbst von anderen gehört hatten. Die erste Ausgabe ihrer "Kinder- und Hausmärchen" wurde im Jahr 1812 veröffentlicht.

In der zweiten Auflage wurden sämtliche erotischen Anspielungen beseitigt

Die Brüder versuchten sich auch an einer deutschen Ausgabe der "Edda" und des "Reinecke Fuchs". Von der "Edda" erschien jedoch nur ein einziger Band, der keine Fortsetzung fand, da die Brüder auf diesem Gebiet von anderen Forschern überholt wurden. Den "Reinecke Fuchs" gab Jacob erst 1834 in mehreren mittelalterlichen Versionen und mit einer umfangreichen Einleitung über das Wesen des Tierepos heraus.

Im Jahr 1815 veröffentlichten die Brüder den zweiten Band ihrer "Kinder- und Hausmärchen". Drei Jahre später wurde der erste Band neu aufgelegt. Es kamen weitere Märchen hinzu, andere wurden gestrichen und die verbliebenen überarbeitet, um die als anstößig empfundenen erotischen Anspielungen zu beseitigen. 1825 wurde eine "Kleine Ausgabe" der "Kinder- und Hausmärchen" veröffentlicht, die maßgeblich zur Popularität des Stoffes beitrug. Für dieses Buch konnten Jacob und Wilhelm ihren Bruder Ludwig Emil als Illustrator gewinnen. Bereits zu Lebzeiten der Brüder erschienen sieben Auflagen der großen Ausgabe und zehn Auflagen der kleinen Ausgabe. Im Alter von 30 Jahren hatten sich Jacob und Wilhelm Grimm durch ihre zahlreichen Publikationen bereits eine herausragende Stellung erarbeitet. Doch ohne Förderer und Gönner wäre das kaum möglich gewesen. So wurden sie zum Beispiel von Kurfürstin Wilhelmine Karoline von Hessen unterstützt.

Die Brüder konzipierten eine Naturgeschichte der Wörter

Auch auf politischer Ebene engagierten sich die Brüder. So halfen sie unter anderem bei der Formulierung der Menschenrechte in Deutschland mit. Für eine Streitschrift gegen einen Verfassungsbruch von König Ernst August I. von Hannover wurden sie und fünf andere Professoren entlassen und Jacob des Landes verwiesen. Ein überregionales Komitee von Bürgern mit Sitz in Leipzig zahlte ihnen aus Spendengeldern vorerst die Gehälter weiter. Während die Brüder ohne Anstellung waren, unterbreiteten ihnen die Leipziger Verleger Karl Reimer und Salomon Hirzel den Vorschlag für ein "Deutsches Wörterbuch".

Konzipiert wurde dieses Buch als Sammlung sämtlicher Wörter aus der Zeit "von Luther bis Goethe", das weniger ein Regelwerk, als vielmehr eine Naturgeschichte der Wörter sein sollte. Die Brüder hatten zahlreiche Helfer bei dem Projekt, trotzdem mussten andere Pläne zurückgestellt werden, was ein Hauptproblem ihrer letzten Lebensjahrzehnte werden sollte. Wilhelm Grimm starb am 16. Dezember 1859, Jacob am 20. September 1863. Ihre Gräber befinden sich auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof in Berlin.

Bis heute wurden die grimmschen Märchen millionenfach verkauft und in mehr als 160 Sprachen übersetzt. In Japan gibt es sogar zwei große Vergnügungsparks, in denen die Märchenfiguren auftreten.. Einige Geschichten wurden auch erfolgreich von Disney verfilmt, wie zum Beispiel "Aschenputtel", "Dornröschen" und "Schneewittchen".

Quelle:

Hans-Georg Schede: "Die Gebrüder Grimm", dtv München 2004, ISBN 3-4233-1076-6