Im Buddhismus gibt es keine transzendente göttliche Ordnung die sich weltlich offenbaren würde. Die buddhistische Philosophie orientiert sich an der praktischen Aufgabe das Leiden zu mindern, und um dies zu erreichen soll man sich in die Aussagen von Buddha vertiefen und Extremitäten meiden.
Eine bestimmte Wirtschaftsethik wird in den traditionellen buddhistischen Texten nicht überliefert, dennoch kann man sich die Methode zur Hand nehmen. Es liegen einige Texte vor, die die aktuellen Probleme mit der buddhistischen Ethik zu lösen versuchen. Auch der Dalai Lama publizierte zu ökonomischen Fragen in Richtung Veränderung der Wettbewerbsgesellschaft. Gemeinsam ist allen Texten die Gewaltfreiheit (Ahsima) und das Mitgefühl (Bodhicitta) um einen Gegenentwurf zum egoistisch orientierten Kapitalismus zu geben.
Von selbst verschuldeten Handlungen
Nach der buddhistischen Karma-Lehre sind Probleme das Resultat von selbst verschuldeten Handlungen: Sie sind keinem Gott oder einer Naturmacht zu zuschreiben, sondern sind das Ergebnis früherer Handlungen aller Lebewesen, besonders dem Menschen. Schlussendlich ist jede Situation nach buddhistischer Ethik selbst verschuldet und selbst zu verantworten. Dies gibt aber die Möglichkeit diese positiv zu verändern. Die Menschen erleiden die Resultate ihrer Handlungen und erkennen in Verflechtung und gegenseitiger Abhängigkeit ihre Handlungen nicht. Der Mensch der westlichen Welt trennt Subjekt von Objekt, der Buddhismus hingegen postuliert die gegenseitige Abhängigkeit (Partiyasamutpada): Dadurch, dass den Dingen eine eigene Identität zu kommt, sowie die Menschen sich durch einen Ich-Kern charakterisieren und ihre Identität den Dingen gegenüberstellt, erscheint die Gesellschaft so wie sie ist. Laut dem Buddhismus liegt hier der Denkfehler verborgen, die globale Täuschung.
Die Ethik im Buddhismus dient als Basis zur Veränderungen: Die Wirtschaftskrise ist beispielsweise weder gut, noch schlecht sondern bedeutet Potenzial zu haben negative Qualitäten zu nutzen und zu transformieren.
Das Ego und die drei Geistesgifte
Der Denkfehler der Ego-Illusion (Anatman) zieht sich durch die gesamte buddhistische Wirtschaftsethik, da dieser als verblendeter Prozess menschlicher Subjektivität erklärt wird. Das Ego des Menschen ist das fiktive Zentrum des Strebens nach mehr Reichtum, Macht oder Anerkennung. Der Buddhismus betrachtet dieses als „leer“, da alle Lebewesen und Dinge durch Ursache und Wirkung miteinander verbunden sind. Der Buddhismus kennt drei Geistesgifte: Die Gier, die Aggression und die Täuschung. Aus der Täuschung resultieren Gier und Aggression. Das „Ego“ ist zurück zu führen auf diese Täuschung.
Die Gier und die Agression
Die Gier kann in diesem Kontext als Profit- oder Nutzenmaximierung verstanden werden. Der Mensch strebt nach immer mehr Reichtum und versucht diesen zu verteidigen, während das Glück paradoxerweise erst dann entsteht, wenn der Mensch beschließt, den angehäuften Reichtum zu verschenken. Der Zins beispielsweise ist der formale Ausdruck der Geldgier. „tanha“ ist das begehrende Verlangen nach Objekten, wohin gegen „chanda“ die Einsicht zur Erkenntnis ist. Wahrer Reichtum wird mit geistigem gleichgesetzt: Liebe zu Mitwesen, Gerechtigkeit und die Erkenntnis der wahren Natur der Dinge.
Die Aggression gilt hier als als Wettbewerbslust die sich um die Jagd nach dem Schein des Geldes dreht. Wirtschaftskrisen lassen sich auf irrtümliche Annahmen zurückführen, die aus Gier oder Aggression resultieren.
Das Nichtwissen
Sehr gut lässt sich das Nichtwissen (Avidya) bzw. die Täuschung anhand des Beispiels von Geld festmachen: Geld ist eine Ware wie jede andere die sich durch Selektion auf den Märkten entwickelt hat. Ohne Geld gibt es keine Tauschpartner und damit diese Tauschpopulationen vorhanden sind, bedarf es des Geldes. Die staatliche Theorie besagt, dass das Geld ein Geschöpf der Rechtsordnung ist. Geld hat also nur Wert weil es gilt. Des weiteren gilt es als Wert, weil viele glauben, dass es einen Wert besitzt. Das Gelten setzt sich massenhaft „objektiv“ durch, da jeder Einzelne der Illusion unterliegt, dass Geld als Objekt (Papier, Konto) einen Wert besitzt. Die massenhafte Wiederholung der Täuschung resultiert in einer „objektiven Realität“.
Typische Massenphänomene wie Panik an den Börsen können somit Werte vernichten oder steigern. Werte sind von sozialer Bedeutung und Wertphänomene gründen sich im Geld. Geld besitzt eine soziale Bedeutungsrelation – ähnlich wie Herr und Knecht, deren Relation man nicht trennen kann, ohne den Sinn aufzuheben. Erneut: Der Wert des Geldes ist eine kollektive Fiktion, eine kollektive Täuschung. Das Geldsubjekt konstituiert sich erst in der Relation zum Geld. Der Herr herrscht nur, weil sich der Knecht unterwirft.
Das Nichtwissen wird hier am besten verdeutlicht: Das leere Ego möchte sich in ihm verwirklichen und bemerkt, dass es nur eine Täuschung in den Händen hält. Indem das Geld eine kollektive Täuschung ist, die den psychischen Prozess der Marktteilnehmer formt, ergibt sich Geldgier als soziale Institution. Eine ihrer Folgen ist der Zins.
Um sich diesem Leiden, der Unwissenheit zu entledigen gibt es Wege und Praktiken. Der achtfache Pfad setzt sich zusammen aus der rechten Erkenntnis und rechten Gesinnung. Aus dem rechten Tun, der rechten Rede und Lebensunterhalt durch die rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit und die rechte Sammlung.
Buddhistisches Wirtschaften
Die klassischen buddhistischen Texte fordern ein wirtschaften, in welchem kein Gewerbe ausgeübt wird das den Handel mit Tieren, Waffen oder Drogen zu Folge hat. Ebenso ist das Schlachten von Tieren, die Fischerei, die Jagd und das Glücksspiel untersagt. Es wird auch vor Verschwendung und Luxus gewarnt, wobei gleichzeitig übertriebene Sparsamkeit und Geiz kritisiert werden. Die die über Mittel verfügen, sollten in neue produktive Kreisläufe eintreten und diese auch anderen zugute kommen lassen. Wahres Glück resultiert nicht aus Anhäufung von Konsum, sondern aus der Erkenntnis der eigenen Buddha-Natur, und offenbart sich in der Meditation. In letzter Instanz ist das wirtschaften nichts anderes als ein ständiger Prozess der Umwandlung von Materie und Energie, denn die Phänomene der Welt existieren nur aufgrund einer wechselseitigen Verflechtung und Abhängigkeit voneinander.
Quellen:
- Karl-Heinz Brodbeck: Buddhistische Wirtschaftsethik. Eine vergleichende Einführung, Aachen 2002.
- Karl-Heinz Brodbeck: Streifzüge durch eine buddhistische Ökonomie IN: The Glocalist Magazine, Ausgabe 36, Berlin / Stuttgart / Wien 2009.
- Hans-Günter Wagner: Buddhistische Wirtschaftslehre - Das stille Glück des einfachen Lebens.
- Karl-Heinz Brodbeck: Kritische Vernunft und Mitgefühl: der buddhistische Beitrag zur Wirtschaftsethik.