
- Aufgang zur Cartuja - Eva Schuster
Die meisten Menschen verbinden mit Granada natürlich die Alhambra. Sie besichtigen die Gärten des Generalife, halten sich im Stadtzentrum auf, bummeln durch die Geschäftsstraßen. Aber etwas außerhalb des Zentrums gibt es eine weitere interessante Sehenswürdigkeit - das Kartäuserkloster, die Cartuja von Granada.
Der Kartäuserorden steht für ein sehr enthaltsames Leben. Neben dem Schweigegelübde gibt es strenge Regeln für das Fasten und das Zurückziehen. Es ist ein kontemplatives Leben, beschaulich, mit viel Ruhe und viel Meditation.
Die Gründung des Klosters in Granada
Bereits 1458 wurde der Entschluss gefasst, ein neues Haus zu gründen, jedoch ohne dass klar war, wo dies geschehen sollte. Don Gonzalo de Córdoba, "El Gran Capitán", stellte 1506 dafür ein Gelände in Granada zur Verfügung. Die Mönche fühlten sich aber in diesem Gebiet nicht sicher und es gab Schwierigkeiten mit dem Bau. Der Standort, den sie wählten, entsprach nicht dem, den Gonzalo ausgesucht hatte. Somit zog sich dieser vom Bau wieder zurück. Im Jahr 1516 fing man mit dem Bau auf dem heutigen Gelände wieder an. Obwohl man drei Jahrhunderte lang baute, wurde die geplante Anlage nie fertig gestellt.
Die Cartuja von Granada trat 1545 in den Orden ein, unter dem Namen "Nuestra Senora de la Asunción" (Muttergottes der Himmelfahrt). Bewohnt war das Kloster bis 1836. Dann wurde der Besitz den Mönchen entrissen. 1842 wurden der Kreuzgang und die Mönchszellen zerstört, 1943 das Priorat. Der kleineTeil, der heute noch erhalten ist, ist trotzdem einen Besuch wert.
Der Eingang
Eine große Freitreppe, ausgehend von granadinischem Steinboden, führt zur Hauptfassade. Das Eingangsportal ist aus grauem Marmor, an beiden Seiten befinden sich ionische Säulen. Die Statue des heiligen Bruno, des Gründers des Ordens, ist der Mittelpunkt. Von außen betrachtet ahnt man nicht, wie verschwenderisch die Innenräume ausgestaltet sind.
Ausgestaltung im Inneren
Im Refektorium und den angrenzenden Räumen, so dem Saal der Heiligen Petrus und Paulus, befindet sich eine Sammlung von wertvollen Gemälden von Sanchez Cotán und Vicente Carducho.
Die Kirche
Die Kirche ist einschiffig und wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Sie ist in drei Teile gegliedert, die jeweils einen eigenen Eingang besitzen. Der erste Teil war für das Volk geöffnet, der zweite Teil war für die Laienbrüder bestimmt. Der dritte Teil mit dem Alter ist gleichzeitig der größte und diente den Mönchen. Hier ist die barocke Ausgestaltung am überschwänglichsten, der Eingang breiter als die beiden anderen.
Die Chöre der Mönche und der Laienbrüder sind durch eine Tür getrennt. Diese besteht aus venezianischem Glas und verschiedenen Hölzern, mit Einlegearbeiten aus Perlmutt, Elfenbein, Schildpatt und Silber.
Das Sancta Sanctorum
Es ist bereits vom Ende des Kirchenraumes aus sichtbar. Beim Eintritt hat man fast das Gefühl, von der Fülle der Farben und Dekore auf kleinstem Raum erschlagen zu werden. Je zwei korinthische Säulen in jeder Ecke stützen die Bögen, die die Kuppel tragen. Dazwischen schauen Engelchen hervor. Verschiedene Marmorarten in unterschiedlichen Farbnuancen wurden verbaut.
In der Mitte des Raumes befindet sich das Sakramentshäuschen, wiederum aus verschiedenfarbigem Marmor. Es erhebt sich über acht gewundene Säulen, an jeder Ecke kleine goldene Statuen, die das Tabernakel aus edlen Hölzern und mit Bronze geschmückt umrahmen.
Die Sakristei
Die Sakristei von Luis de Arévalo ist ein Werk des Spätbarock und zeigt eine Fülle von Stuck und Dekor, Ornamenten und Linien. Die Farben und die Lichteffekte vermitteln eine Weite und Größe, die in Wahrheit nicht gegeben sind. Wandpfeiler auf Marmorsockeln unterteilen die Sakristei, dazwischen wurden die Sakristeischränke eingebaut, mit Furnier aus Mahagoni und Ebenholz, geschmückt mit Silber, Elfenbein und Muschel.
Ausblick
Beim Rundgang sollte man sich Zeit nehmen, alle Details genau betrachten und verinnerlichen. Denn Fotografieren ist im Inneren nicht gestattet. Aber die überwältigenden Bilder bleiben in der Erinnerung für immer.
Quellen:
Broschüre "Die Cartuja von Granada", erhältlich in der Cartuja
Impressionen des Rundgangs
