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Die Cellosuiten von Bach und ihr Entdecker Pablo Casals

Pablo Casals - George Grantham Bain collection
Pablo Casals - George Grantham Bain collection
Casals geriet als Teenager in den Bann der sechs Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach. Seine Aufnahmen wurden zu Meilensteinen.

Um 1890 entdeckte Pau Casals, besser bekannt unter dem kastilischen Namen Pablo Casals, eine barocke Notensammlung, die ihn seitdem nicht mehr loslassen sollte: die sechs Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach.

Aufnahmen von Pablo Casals zwischen 1927 und 1939

Casals (1876-1973) entwickelte schon als Jugendlicher eine wahre Besessenheit für das über 150 Jahre fast vergessene Werk des barocken Meisters, als Erster führte er die Suiten als 25-Jähriger zusammenhängend in Konzerten auf, aber bevor er sich zu einer Komplettaufnahme bereit fühlte, vergingen auch anschließend noch Jahrzehnte. Zwischen 1927 und 1939 entstanden die Aufnahmen, die noch heute, nachdem diverse weitere Cellisten ihre eigene Interpretation der Suiten festgehalten haben, eine herausragende Position einnehmen.

Inzwischen sind Einspielungen von Yo-Yo Ma, Mstislaw Rostropowitsch oder Jaqueline du Pré erhältlich, von denen jede in ihrem eigenen Mischungsverhältnis Perfektion, Pathos und Tiefe des Bachschen Werks zu transportieren versucht. Die einmalig virtuose und romantische Version von Casals hält jedoch ihre Sonderstellung.

Cellosuiten von Johann Sebastian Bach, BWV 1007 bis 1012

Zu Bachs Zeiten existierten schon vereinzelte Solostücke für Violine oder Viola, dem Cello allerdings hatte noch keiner vor ihm so viel Aufmerksamkeit gewidmet. Bekannt war bereits die äußere Form der Suite als Abfolge von Tanzsätzen. Bach variierte die gewohnte Struktur, indem er jede Suite mit einem Präludium einleitete und die traditionellen Tänze mit seinerzeit aktuellen Tänzen anreicherte. So verwendete er zusätzlich die Gavotte, die Bourrée oder das Menuett. Er schrieb die Suiten um 1720 in einer besonders glücklichen Phase seines Lebens in Köthen, während der auch viele andere der bis heute berühmten Hauptwerke entstanden.

Die Cellosuiten lassen sich auf mehrere verschiedene Arten deuten, spielen und hören; für den Cellisten sind sie eine in ihren Anforderungen kontinuierlich ansteigende Etüde auf hohem spielerischen Niveau, dabei erinnert der stetige Wechsel der Tonarten an einen musiktheoretischen Zug durch die Tonalitätslehre. Der Variantenreichtum und die unzähligen Doppel- und Dreifachgriffe sorgen dabei für einen Höreindruck, der mindestens zwei oder drei Instrumente, aber keinesfalls ein einziges Cello vermuten lässt.

Schließlich strebte Bach in der ihm eigenen symbolischen Perfektion wie immer eine Hommage an die göttliche Vollkommenheit an, so wird er die sechs Sätze als musikalisches Abbild der sechs Schöpfungstage konzipiert haben.

Pau Casals fand seine Lebensaufgabe

Als 13-Jähriger bekam Pau Casals von seinem Vater sein erstes großes Cello geschenkt und schlenderte mit ihm durch die Altstadt Barcelonas. In einer Musikalienhandlung in der Nähe des Hafens stießen die beiden auf Hefte mit Beethoven-Sonaten und schließlich die Bach'schen Suiten.

Mit einigen Hauptwerken Bachs, wie dem Wohltemperierten Klavier, hatte der Vater den jungen Casals bereits vertraut gemacht, er spielte Bach am Klavier jeden Morgen zur Einstimmung auf den Tag, zur „Segnung des Hauses“, wie er später sagte. Die Suiten für Violoncello aber waren ihm völlig unbekannt, auch bei anderen Cellisten galten sie seinerzeit als akademische, trockene Kost, für zahlendes Publikum jedenfalls uninteressant und wegen ihres Solocharakters für den Konzertsaal ungeeignet.

Casals begann sofort mit dem Üben und beschäftigte sich bis zu seinem Lebensende täglich mit den gehaltvollen Cellosuiten, in denen er für über 80 Jahre nie nachlassende technische und geistige Herausforderung fand.

Quellen:

Kammermusikkammer

Suite101.de: Die 6 Suiten für Violoncello Solo von Johann Sebastian Bach

Elke Geyer, Elke Geyer

Elke Geyer - Ich erblickte 1974 in Hildesheim das Licht der Welt und entschied mich nach der Schulzeit zunächst für die Juristenlaufbahn. ...

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