
- Christianisierung des Nordens - Marina Schauer
Auf seiner Nordwanderung kam das Christentum gegen Ende des dritten Jahrhunderts unaufhaltsam im römischen Kaiserreich an. Zunächst wurden Christen brutal verfolgt, doch schon bald sahen die römischen Kaiser ein, dass das Christentum nicht mehr aufzuhalten ist. Ließ Diokletian noch 303 n. Chr. die Christen auf brutale Art und Weise verfolgen und töten, so schützte Konstantin der Große bereits wenige Jahre später das Christentum. Schnell wurde es zur wichtigsten Religion im Reich und wurde schließlich von Theodosius 380 zur Staatsreligion erhoben. Dieser erließ 392 zudem einige Gesetze gegen heidnische Bräuche und christliche Häresie.
Die Mission aus Irland
Sehr viele Jahre lang führten Rom oder die umliegenden Städte Missionen gen Norden, Osten und Westen durch. Woher jedoch das Christentum in Irland stammt, ist nicht ganz klar. Es wird angenommen, dass England schon vor Irland von Rom aus christianisiert wurde und die Engländer dann nach Irland missionierten. Der Heilige Patrick, der als Gründer der irischen Kirche angesehen wird, entstammte einer britisch-keltischen Familie, die schon einige Jahre dem Christentum anhing.
Irland war schon im fünften Jahrhundert christlich, jedoch entwickelte sich das irische Christentum anders als auf dem Festland, da es sehr isoliert war (zum Beispiel wurde das Osterfest anders berechnet). Zum Teil wurde das irische Christentum als heidnisch oder häreisch abgestempelt. Die irische Kirche war stark von der Peregrinatio geprägt, einer asketischen Heimatlosigkeit, bei der die Mönche ihre Heimat und damit den Schutz verließen, um sich selbst zu strafen. Sie wollten jedoch in der Ferne missionieren, um etwas Gutes zu tun. Bis zum siebten Jahrhundert missionierte Irland im Merowinger- und Karolingerreich (irofränkische Mission), bevor es von England abgelöst wurde.
Die Mission aus England mit Willibrord und Bonifatius
Das britische Christentum galt als wesentlich orthodoxer und hatte sich in die gleiche Richtung entwickelt wie das Festlandchristentum, sodass es viel eher den Vorstellungen des Vatikan entsprach als das irische Christentum. Für die englische Mission sind vor allem zwei Geistliche von großer Bedeutung: Der Heilige Willibrord und der Heilige Bonifatius.
Willibrord, 658 geboren, gilt als „Apostel der Friesen“, da er sich stark um die Bekehrung der Friesen bemühte. Nachdem er in einem englischen und für kurze Zeit auch in einem irischen Kloster ausgebildet worden war, zog er mit elf Gefährten 690 nach Friesland, wo er schrittweise mit der Mission begann. Nachdem er zum Erzbischof ernannt worden war, kam es einige Jahre später zum Einbruch der Mission, da die Franken Friesland verloren. Erst als dieses wieder fränkisch war, konnte Willibrord seine Mission weiterführen. Bis Dänemark kam er jedoch nicht, da Karl der Große Bekehrungen nur innerhalb seines Reiches zuließ, eine Skandinavienmission begann erst unter Ludwig dem Frommen, dem Sohn Karls. Willibrord gründete das Kloster Echtnernach im heutigen Luxemburg, wo er 739 starb.
Bonifatius, 673 geboren, gilt als „Apostel der Deutschen“, der das heidnische Symbol, die Donareiche (eine dem Thor geweihte Eiche), fällte und damit den Groll der Heiden auf sich zog. Nachdem er 716 mit Willibrord zusammen an der Friesenmission wirkte, zog er schnell wieder gen Süddeutschland, denn beide Missionare kamen nicht recht klar miteinander. So ordnete er mit Unterstützung des Papstes bayrische und thüringer Bistümer neu, weihte deren Bischöfe und erhielt den Titel des Missionserzbischofs. Bonifatius starb 755, als er erneut zu einer Friesenmission aufbrach. Er und seine elf Gefährten wurden von Friesen erschlagen. Mit Beginn des neunten Jahrhunderts begann mit Ebo von Reims und Ansgar die Schwedenmission.
Quellen:
Angenendt, Arnold: Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis 900, 2. durchgesehene Auflage, Stuttgart, Berlin 1995
Padberg, Lutz E. von: Die Christianisierung Europas im Mittelalter, Stuttgart 1998
