Die christliche Botschaft hinter Pulp Fiction

Samuel L. Jackson's Erkenntnis am Ende von Pulp Fiction gibt dem Film eine Tiefe, die oft übersehen wird.

Pulp Fiction ist ein Kultfilm. Daran besteht kein Zweifel. Die Handlung und Situationen sind schräg, die Musik von hohem Wiedererkennungswert. Die Gespräche sind gefüllt mit markigen Sprüchen, die viele Tarantino-Fans oft auswendig zu rezitieren wissen. Auf den ersten Blick scheint es keinen wirklichen Tiefgang in dem Film zu geben. Aber ein genauerer Blick lohnt sich.

Hesekiel 25;17

Die von Samuel L. Jackson verkörperte Figur, Jules, benennt am Ende des Filmes diese Bibelstelle als Ursprung seines Lieblingsspruches. "Der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt mit den Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei der, der im Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens, die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet. Denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder. Und ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen meine Brüder zu vergiften und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, auf dass sie erfahren sollen: Ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollbracht habe." Tatsächlich ist nur der letzte Satz in Hesekiel 25;17 zu finden. Der Rest findet sich an anderen Stellen der Bibel.

Jackson's Interpretation

In der Restaurantszene am Ende erzählt Jules diese Passage Ringo, der ihn ausrauben wollte. Er sagt, dass er ihm sein Geld geben werde. Aber er kaufe etwas dafür: Das Leben Ringo's. Im ersten Augenblick wirkt dies unlogisch, aber später ergibt es einen Sinn. Denn Jules gibt Ringo erst zwei mögliche Interpretationen des Spruches, bezogen auf diese Situation im Restaurant. Beide benennt er aber kurz darauf als unwahr, um dann zu sagen, was er für die Wahrheit hält: Ringo sei schwach und er selbst die Tyrannei der bösen Männer. Aber er, Jules, gäbe das Beste, um der Hirte zu sein. Jules weist so Ringo die Schafrolle und damit die des verlorenen Kindes zu. Jules selbst hatte ja kurz zuvor ein Erlebnis gehabt, welches er als Wunder, wie eine Begegnung mit Gott, beschrieb und welches sein Leben zu verändern suchte: Ihm wurde mit einem Mal bewusst, dass er der böse Mann war. Durch das Wunder begann nun wahrscheinlich in ihm eine Transformation, wie nach einer Bekehrung. Eine neue Kraft erstarkte in ihm. Die Kraft Gottes. Jules war weiterhin der böse Mann, aber er hatte nun in sich das Bestreben, mit diesem alten Leben zu brechen. Er wollte Gott dienen. Und zwar in der Weise, wie er es selbst sagte: Als Hirte; aus Barmherzigkeit und gutem Willen heraus.

Jan Kliemann, Jan Kliemann

Jan Kliemann - Jan Kliemann wurde 1981 in Hoyerswerda (Sachsen) geboren und ist in Dresden großgeworden. Nach dem Abitur absolvierte er seinen ...

rss