
- Gyokuen Bompo (1348–nach 1420) Orchidee und Felsen - The Metropolitan Museum of Art
Die Zen-Maler übernahmen von den Literatenmalern zwei Themen, die sie besonders angesprochen haben: Bambus und Orchidee, meist in Komposition mit bizarren Felsen. Ihre Form, ihre Eleganz und die Eigenschaften die ihnen zugeschrieben werden machen sie zu einer hervorragenden Quelle der Inspiration und zu einem perfekten Medium für die zenbuddhistischen Ideen. Der Bambus wird in Zen-Kreisen zudem mit dem Mönch Hsiang-yen in Verbindung gebracht, welcher, als er den Boden fegte, ausversehen ein Stück einer Bodenfliese herausbrach, die gegen einen Bambusstengel flog. Dies verursachte ein Geräusch welches ihm die sofortige Erleuchtung bescherte.
Darüber hinaus hatten die Mönchsmaler die Gelegenheit, durch die enge technische und künstlerische Verbindung welche zwischen Kalligraphie und Malerei existierte, auf die Schnelle spirituelle Einsichten oder persönliche Eindrücke festzuhalten. Was hierbei zählte war weniger Virtuosität als vielmehr harmlose und bescheidene, oftmals verspielte, Sorglosigkeit.
Bambus-Darstellungen in der Zen-Malerei
Der Bambus verkörpert fundamentale ethische Werte: sein gerader Wuchs wird verglichen mit dem aufrechten Charakter eines Ehrenmannes, sein harter ebenmäßiger Stamm steht für innere Rechtschaffenheit und obwohl er biegsam ist, ist er gleichsam stabil und beständig wie ein edler Geist. Darüber hinaus bleiben seine Blätter grün zu jeder Jahreszeit, was die Kontinuität, die Abwehrkräfte und die unerschütterliche Loyalität eines moralischen Vorbildes symbolisiert. Außerdem steht in augenscheinlichem Kontrast zu seiner äußerlichen Stärke, sein hohles Inneres, welches mit dem Zen-Ideal von „innerer Leere“ (chin. kung/kong; jap. kuu) korrespondiert. Der Bambus besitzt alle diese Tugenden in seiner einfachen und bescheidenen Form und es ist kein Wunder, dass in Zen-Kreisen die ethischen Werte wie Aufrichtigkeit, Stärke, Einfachheit und Reinheit durch Pflanzen dargestellt und tief bewundert wurden.
Es wird auch verständlich, warum ab dem 10. Jahrhundert Äbte in China und Japan einige der Räume in ihren Klöstern mit Bambus-Bildern dekorierten. Seit der Zeit von Staatsmann, Poet, Maler und Kalligraphie-Meister Su Tung-p'o (Su Dongpo, 1036-1101) repräsentiert der Bambus als einer der „Vier Edlen“ (chin. sijunzi; jap. shikunshi) zusammen mit Pflaume, Orchidee und Chrysantheme die vier Jahreszeiten und als einer der „Drei Reinen“ (chin. sanqing; jap. sansei) steht er zusammen mit alten Bäumen und Felsen (oder Pflaume und Felsen) für hohe ethische und ästhetische Standards. Dies erklärt auch, warum Su und seine Freunde in ihren Schriften niemals müde wurden das dringliche meditative Eintauchen in die Natur des Bambus zu fördern, da dies zu einer mystischen Identifikation mit selbigem führen konnte. Solche Ideen stießen auf fruchtbaren Boden bei den Zen-Schülern und die vielen Gedichte und Schlussschriften auf Malereien von zenbuddhistischen Mönchen mit dem Thema „Bambus“ zeigen das tiefe Verständnis und den inneren Konsens. Der chinesische Zen-Priester Qingzhuo Zhengcheng, (1274-1340), der ab 1326 in Japan wirkte, beginnt ein Gedicht, welches er auf ein Tuschebild „Windblown Bamboo among Rocks“ (Nezu Museum Tokyo) schrieb, mit den Worten: „The purity of rocks, how could it resemble the purity of bamboo!“ Das Wort „qing“, welches „rein“ bedeutet, trägt der Autor als erstes Zeichen in seinem geistlichen Namen und das Wort taucht fünfmal in dem Vierzeiler auf – dies ist eine treffende Aussage betreffs des hohen Wertes des moralischen Ideals welches der Bambus symbolisiert.
Die Orchidee und die Zen-Malerei
Auch der künstlerische Umgang mit der Orchidee die sich durch ihre langen, dünnen, geschmeidigen Blätter, ihren Blüten voll zurückhaltender Schönheit und dem exquisiten Geruch auszeichnet, blieb nicht nur den Literatenmalern vorbehalten. Im Gegenteil, es ist wohl kein Zufall, dass einige der berühmtesten und begabtesten Orchideen-Maler zenbuddhistische Mönche waren wie etwa: Xuechuang Puming (gestorben nach 1349) oder Chengtiansi in China oder Tesshuu Tokusai (gestorben 1366) und Gyokuen Bompou (1348-nach 1420). Konservative Kritiker bewerteten Xuechuangs Bilder als gerade einmal passend für „Mönchs-Quartiere“, aber Xuechuang muss großes Ansehen genossen haben, denn jeder Haushalt in Suzhou besaß eine Orchideen-Malerei von ihm. Die Orchidee wurde als ein Symbol für weibliche Eleganz gesehen, freudiges Hochgefühl, Bescheidenheit und maßvollen Adel. In der Yuan-Ära als China von Mongolen besetzt war (1279-1368) wurde die Orchidee für Künstler und Intellektuelle ein Symbol für Loyalität zum alten System (Song-Dynastie). Mit nur ein paar Strichen dargestellt auf einem leeren Hintergrund (eine Anspielung darauf, dass der Boden von Invasoren gestohlen wurde) wurde sie zu einem Symbol für den politischen und spirituellen Widerstand im Untergrund und dem Widerstand sich den barbarischen Eroberern zu unterwerfen. In seinen Darstellungen von Orchideen war Xuechuang Puming natürlich hauptsächlich mit buddhistischem Ideengut begleitet. Oft platziert er seine Blätter in Paaren, die längeren symbolisieren die geistliche Abstammungslinie der Mahayana und die kürzeren Blätter stellen den Hinayana-Buddhismus dar.
Literatenmaler und Zen-Geistliche malten mit Begeisterung Orchideen – bei Wind, Sonnenschein, Mondlicht, Regen und Schnee.
Quellen:
BRINKER Helmut Zen in the Art of Painting Routledge & Kegan Paul Inc., New York, 1987.
BRINKER Helmut KANAGAWA Hiroshi LEISINGER Andreas Masters of Meditation in Images and Writings Museum Rietberg, Zürich, 1996.
