Die Debatte – Königsform der Redekunst

Jede Debatte zwingt zur Entscheidung - Judith Lisser-Meister
Jede Debatte zwingt zur Entscheidung - Judith Lisser-Meister
Die Debatte wird häufig als Königsform der Redekunst bezeichnet. Worum geht es bei einer Debatte? Welche Fähigkeiten werden beim Debattieren trainiert?

Waren Sie schon einmal Zeuge von schier endlosen Bundestagsdebatten? Oder haben Sie rhetorisch begnadete Politiker während einer Debatte erleben dürfen, deren Argumentation Sie sofort zustimmen konnten? Debattieren ist eine Kunst und inzwischen auch in Deutschland zu einer Form des Sports geworden. Und Debattieren heißt für den Redner vor allem, dass er Farbe bekennen muss. Denn am Ende einer Debatte steht immer eine Entscheidung.

Mit Gründung der ersten Debattierclubs in Cambridge im Jahre 1815 und in Oxford im Jahre 1823 entwickelte sich das Debattieren zum Universitätssport. Studenten konnten in Rededuellen ihre verbale Kommunikationsfähigkeit unter Beweis stellen. Auch in Deutschland hat das Debattieren als sportliche Disziplin inzwischen eine breite Anhängerschaft gefunden. Wettbewerbe wie „Jugend debattiert“ für Schüler oder die Austragung von Hochschulmeisterschaften im Debattieren sprechen hier eine deutliche Sprache.

Kontroverse Frage ist Thema jeder Debatte

Jede Debatte ist ein Streitgespräch. Sie führt unweigerlich zur Frontenbildung und Zuspitzung. Denn am Anfang jeder Debatte steht immer eine kontroverse Frage, die am Ende der Debatte eindeutig beantwortet wird. Diese Frage nennt man das Thema einer Debatte. Die Entscheidung am Ende einer Debatte lautet daher entweder „Pro“ oder „Contra“. Die Frage „Sollen in Deutschland bei Fragen zur Europäischen Union Volksentscheide eingeführt werden?“ wäre daher ein geeignetes Thema für eine Debatte.

Debatte im Unterschied zur Diskussion

Im Unterschied zur Debatte dazu geht es bei einer Diskussion nicht darum, ob eine Frage mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann. Die Diskussion kann somit auch die Erörterung einer offenen Fragestellung zum Gegenstand haben. Sie ist damit durchlässiger und kann zur Herbeiführung von mehreren Lösungen dienen. Denkbare Beispiele für Diskussionsthemen wären etwa „Welche Konsequenzen hätte die Einführung eines Volksentscheides bei Fragen zur Europäischen Union?“ oder „Welche Alternativen gibt es gegenüber der Einführung eines solchen Volkentscheides?“.

Welche Fähigkeiten sollten Redner haben? Welche Schlüsselkompetenzen können Redner bei Debatten trainieren?

Bei der Debatte muss der Redner versuchen, das Publikum mit allen ihm zur Verfügung stehenden rhetorischen Mitteln für sich zu gewinnen. Bei jeder Debatte geht es für den Redner im Kern darum, ein Problem analytisch zu strukturieren, unter Zeitdruck eine gelungene Argumentation aufzubauen und sein Ausdrucksvermögen zu trainieren. Jede Debatte folgt festen Regeln. Vorbereitungszeiten müssen eingehalten und Anträge konkret formuliert werden. Die Gewichtung der Redeanteile muss fairen Grundsätzen entsprechen. Dies ermöglicht, dass die Redner eine nahezu gleiche Ausgangsposition haben. Der Redner muss sich also disziplinieren können und entscheidungsfähig sein. Beim Debattiersport werden meist Rednerteams gebildet, die sich entweder der Pro- oder Contra-Seite zuordnen lassen. Hier ist vor allem die Teamfähigkeit des Redners gefordert.

Bei der Debatte muss sich der Redner positionieren. Ausweichmöglichkeiten gibt es für ihn nicht. Kompromisse sind ausgeschlossen. Das Ziel eines Redners muss es daher sein, den eigenen Standpunkt vor Publikum und gegenüber der gegnerischen Position durchzusetzen. Dabei sollte der Redner sich nicht von engagierten Zwischenfragen, Einwürfen und Anmerkungen beirren lassen, sondern diese gerade als Herausforderungen auffassen, sich gegenüber der gegnerischen Position zu behaupten. Dennoch sollte der Redner geistig so flexibel sein, den gegnerischen Standpunkt nachvollziehen zu können, um sich Kontermöglichkeiten zu überlegen. Das Debattieren schult somit neben den allgemeinen rhetorischen Fähigkeiten, dem analytischen Denken und der Konzentrationsfähigkeit vor allem die Urteilsbildung und Durchsetzungsfähigkeit. Eine Mitgliedschaft in einem Debattierclub stärkt daneben die Konfliktfähigkeit eines jeden Redners.

Weiterführender Literaturhinweis zum Thema Debattieren:

Rauda/Kaspar/Proner: Das Handbuch des Debattierens. PD-Verlag Heidenau. 2007. ISBN 978-3-86707-151-2, 9,80 Euro.

Urheber der Bildquelle: Copyright by Judith Lisser-Meister/ pixelio.de

Ann-Christin Weber, Ann-Christin Weber

Ann-Christin Weber - Ich bin Juristin und Journalistin. Für Suite101 schreibe ich vor allem in den Rubriken Bildung und Karriere, Lesen und Lauschen, ...

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