Der Morgen des 15. Dezember 1900 kündigte einen Wetterumschwung an. War es bisher noch sonnig und mild gewesen, so wehte an diesem Tag schon in den frühen Morgenstunden ein scharfer Wind in der Bucht vor Málaga. Seit zwei Wochen lag das deutsche Kriegsschiff Gneisenau im Hafen der Stadt, am Vorabend war das Schiff ausgelaufen, um einige hundert Meter abseits der Küste Schießübungen zu unternehmen. Nachdem die Mannschaft fast 14 Tage die angenehme Atmosphäre der Stadt genossen hatten, war es an der Zeit für den eigentlichen Einsatz zu üben, hatte Kapitän Kretschmann beschlossen. Die Gneisenau sollte jeden Monat einsatzbereit sein, falls der Konflikt in Marokko eskalieren sollte und auch deutsche Interessen in Afrika bedrohen könnte, so der Befehl von Kaiser Wilhelm.
Die Hafenbehörde hat dem Kapitän bereits in den frühen Morgenstunden des 15. Dezember einen Boten geschickt, um ihn aufzufordern, den schützenden Hafen aufzusuchen. Doch Kretschmann entschied sich anders: Er wähnte sich auf offener See in Sicherheit, schlimmer als in seinen heimischen Gewässern, der Ostsee, konnte es hier im bisher so freundlichen Süden nicht werden. Doch bereits um viertel vor elf Uhr morgens hatte der Sturm so zugenommen, dass die Maschinen mit voller Kraft voraus kaum gegen Wellen und Böen ankamen. Kurz nach elf setzen die Maschinen aus. Mit voller Wucht treibt das wütende Meer die Gneisenau zurück in die Bucht, bis das Schiff gegen die Kaimauer prallt. Der Kapitän befiehlt von der Brücke mit heiserer Stimme, das Schiff zu verlassen. Die Mannschaft macht die Rettungsboote klar, doch das Unwetter erleichtert ihnen die Arbeit nicht. Der Baum schwingt lose hin und her. Einige können sich so aufs Land retten, andere schmettern bei dem Versuch gegen die Felsen. Die Rettungsboote kentern, die im Meer schwimmenden Holzteile werden von den Wellen mit aller Wucht gegen die hilflosen Matrosen geschlagen.
Heldenhafte Malagueños
Unterdessen klingen die Kirchturmglocken der Kathedrale, um die Bewohner von Málaga auf das Unglück aufmerksam zu machen, dass sich vor ihrer Stadt abspielt. Trotz des peitschenden Regens stürmt eine Vielzahl der Malaguenos in den Hafen. Doch es bleibt ihnen nicht viel anderes übrig, als das dantische Spektakel mitanzusehen. Die Hafenbehörde schafft es nicht auszulaufen. Einige Malagueños stürzen sich verzweifelt in den Fluten, um die ertrinkenden deutschen Matrosen zu retten. Zwölf von ihnen sterben. Erst als sich das Meer wieder beruhigt hat, können die Überlebenden und die Toten geborgen werden. Einige der ertrunkenen Matrosen werden erst Tage später von Fischern in ihren Netzen an Land gezogen.
Die überlebenden deutschen Matrosen werden im Rathaus, im Krankenhaus untergebracht, einige finden auch in Privathäusern Unterkunft.
Als die Königin Maria Cristina von dem solidarischen und heldenhaften Verhalten der Stadt erfährt, verleiht sie Málaga den Titel der „Gastfreundlichen Stadt", einen Namen, der immer noch im Wappen zu finden ist. Auch die Deutschen sind der Stadt dankbar. Das tragische Ereignis sollte dauerhafte Bände zwischen der Stadt Málaga und Deutschland schaffen.
Sieben Jahr später, im November, wird Málaga erneut von einem Unwetter heimgesucht. Die Stadt steht unter Wasser, der Fluss Guadalmedina tritt über seine Ufer. Die Brücke Puente de la Aurora hält den Wassermassen nicht stand und treibt meerwärts. El Puente de Santo Domingo ist die nächste Brücke, sie zerschmettert beim Aufprall der Reste der Aurora-Brücke.
Als Deutschland von dem Unglück erfährt, ruft Kaiser Wilhelm persönlich einen Spendenaufruf aus. Der Moment ist gekommen, sich bei den Malaguenos gebührend zu bedanken. Das Kaiserreich spendet der Stadt die Brücke Santo Domingo. Seitdem steht dort das Schild: Alemania donó a Málaga este puente agradecida al heroico auxilio que la ciudad prestó a los náufragos de la fregata de guerra Gneisenau. (Deutschland hat Málaga diese Brücke geschenkt, in tiefer Dankbarkeit an die heldenhafte Hilfsbereitschaft, die die Stadt den Schiffsbrüchigen der Fregatte Gneisenau erwiesen haben). Als im Jahr 1984 eine Rebovierung dringend nötig wurde, drang dieser Ruf in die Bundesrepublik, die bereitwillig die Kosten übernahm.
Die Brücke heißt immer noch Puente de Santo Domingo, doch im Volksmund wird sie nur Brücke der Deutschen genannt, Puente de los Alemanes.
