Die deutsche Zensur in Spielfilmen und Schnittberichte.com

Wie die umfangreiche Arbeit von Schnittberichte.com die Zensur in Filmen, Trickfilmserien und Videospielen dokumentiert.

Allzu oft hat man das Gefühl, dass etwas an dem Film, den man sich gerade anschaut, "nicht ganz stimmt". Szenenwechsel wirken unrund und auch die Hintergrundmusik findet ein jähes Ende. War hier etwa die Schere am Werk? Nicht nur im Fernsehen ist dies gang und gäbe, auch auf gekauften DVDs und Blu-rays wird in Deutschland geschnitten, was das Zeug hält, selbst wenn diese ohne Jugendfreigabe gekennzeichnet sind. Doch was sind die Gründe dafür, dass in Deutschland so oft geschnitten wird, und wie kann man sich über das fehlende Material in Filmen, Videospielen und Trickfilmserien informieren?

Was sind die Gründe für Schnitte in Filmen?

Gründe für Schnitte gibt es verschiedene. Meistens wird versucht, eine niedrigere Altersfreigabe für einen Film zu erhalten, oder aber einer drohenden Indizierung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zu entgehen. Dies würde nämlich bedeuten, dass der Film in Deutschland nicht mehr beworben und auch nicht mehr an Kinder oder Jugendliche verkauft werden darf. Vor allem für eher unbekannte Produktionen könnte eine Indizierung somit das sichere Aus sein, welches man zu vermeiden versucht.

Doch es gibt auch ganz andere Gründe für Schnitte, welche nicht einmal etwas mit einer direkten Zensur zu tun haben müssen. Fernsehsender sind oft versucht, Filme mit allen Mitteln in ihren fest geplanten Programmablauf zu pressen. Dies führt dann nicht nur zu Schnitten bei den Gewaltdarstellungen, sondern auch in völlig harmlosen und handlungsrelevanten Szenen.

Die genaue Dokumentation der Schnitte auf Schnittberichte.com

Doch wie findet man nun heraus, welche Szenen in welcher DVD-Version fehlen, und welche Versionen man besser von Anfang an meiden sollte, wenn man ungeschnittene Versionen bevorzugt? Die Antwort darauf ist die Internetseite Schnittberichte.com. Dort vergleichen freiwillige Autoren nun schon seit mehr als zehn Jahren deutsche Veröffentlichungen mit den Originalen, dokumentieren jeden Schnitt, und belegen ihn durch Bilder des fehlenden Materials.

Gegründet wurde die Seite im März 2000 unter dem Namen Schnittberichte.de. Sie musste jedoch 2003 nach Österreich umziehen, da sie in Deutschland wegen Verletzung des Jugendschutzgesetzes geschlossen wurde. Mittlerweile haben sich über 6000 Schnittberichte von über 200 Autoren angesammelt, welche neben den Zensurbelegen auch noch viele weitere interessante Informationen mit sich bringen.

Schnittberichte.com beschäftigt sich jedoch nicht nur mit den Schnitten in Spielfilmen. Auch Computer- und Videospiele, sowie Trickfilmserien, Comics oder Musikvideos werden dort genau unter die Lupe genommen.

Schnittberichte.com ist eine sehr empfehlenswerte Seite für jeden Freund von ungeschnittenen Filmen – zum Stöbern und Informieren, was einem da gerade wieder einmal vorenthalten wurde.