Den Namen „Deutsche Christen“ trugen Ende der 20er und Anfang der 1930er Jahre drei verschiedene Strömungen, die im gewissen Sinne auseinander hervorgingen. Um diese zu unterscheiden, werden ihren Namen verschiedene Beinamen angefügt. Dadurch können die Kirchenbewegung Deutsche Christen von der Glaubensbewegung und der Reichsbewegung deutlicher abgegrenzt werden.
Die "Deutschen Christen" in den 20er und 30er Jahren
Politisch gesehen tritt die Glaubensbewegung in den Vordergrund, da sie Anfang der 30iger Jahre immer mehr Einfluss gewann und nicht regional beschränkt war. Der preußische Gauleiter Wilhelm Kube rief sie 1932 auf Initiative der NSDAP ins Leben, nachdem die Bemühungen um die Christlich – Deutsche Bewegung an der arbeitsgemeinschaftlichen Gestalt scheiterten. Kube hatte zwei Jahre zuvor Pfarrer Wienecke und Eckert damit beauftragt, eine Bewegung zu „finden“, die sich für seine kirchenpolitischen Zwecke eignete. Da die Christlich – Deutsche Bewegung in vielen Punkten, wie zum Beispiel in der Frage nach derAuslegung des Rassenbegriffs, mit Kubes Absichten nicht übereinstimmte. 1931 unterstütze Kube deshalb einen Kreis nationalsozialitischer Pfarrer, aus dem der spätere Reichsleiter der Glaubensbewegung Deutsche Christen Joachim Hossenfelder hervorging. Zu Beginn des Jahrs 1932 setze Kube in der NSDAP durch, seinen Einfluss über diesen Kreis geltend zu machen und schrieb die „Evangelischen Nationalsozialtisten“ auf die Liste der Wahlvorschläge. Diese kirchenpolitische Fraktion sollte den Einfluss der Partei in der Kirche stärken. Ziel dabei war es an den Wahlen des Preußischen Landtags im selben Jahr erfolgreich teilzunehmen.
Kirchenwahlen in der NS-Zeit
Bei den Kirchenwahlen 1932 in der Altpreußischen Union vereinigten die Deutschen Christen ein Drittel der Stimmen auf sich. Sehr bezeichnend ist dies vor allem, weil diese Landeskirche die größte und eine überwiegend selbständige Landeskirche zu dieser Zeit war.
Nach 1933 besetzten die Deutschen Christen beinah alle wichtigen Ämter
Nachdem die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernommen hatten, veränderte sich auch die Situation für die Kirchen. Nach und nach wurde deutlich, dass Adolf Hitler das System der Gleichschaltung auf die Kirchen übertragen wollte. Auch die Weltanschauung der NSDAP sollte in den Kirchen mit Hilfe der Deutschen Christen Anklang finden. Dies führte zunächst zu einer Popularität dieser Vereinigung und schlug sich in den Mitgliederzahlen nieder. Deutlich wird dies auch in den Synodalwahlen am 23. Juli 1933. Nach der Schaffung einer Reichskirche erlangten die Deutschen Christen in allen Landeskirchen die Zweidrittelmehrheit. Damit besetzten die Deutschen Christen beinah alle wichtigen Ämter. Ludwig Müller, der zuvor „Bevollmächtigter für die Angelegenheiten der Evangelischen Kirche“ war, wurde Reichsbischof und damit höchster protestantische Würdenträger im Deutschen Reich.
Streit um den "Arierparagraphen"
1933 spitzte sich die Situation um die Deutschen Christen zu. Die so genannte Sportpalastkrise im Herbst zeichnete den Wendepunkt der Einflussnahme dieser Organisation. Als am 6. und 7. September 1933 die Altpreußische Synode stattfindet, welche von den Deutschen Christen geführt wurde, entzweiten sich die Deutschen Christen, denn der Übernahme des „Arierparagraphen“ wollten nicht alle zustimmen.
Durch den Streit entsteht der Pfarrernotbund und die Bekennende Kirche
Der Arierparagraph beinhaltet den Ausschluss von Personen jüdischen Glaubens und jüdischer Abstammung aus der Kirche. Dieser Beschluss galt vor 1933 bereits für Beamte und sollte nun auf die kirchlichen Ämter ausgeweitet werden. Als Forderungen nach der Ausweitung des Paragraphen und Ablehnung des jüdischen Alten Testament laut wurden, stellte sich Pfarrer Martin Niemöller gegen die führenden Kräfte der Deutschen Christen und gründete den Pfarrernotbund. Kurze Zeit später ging aus Notbunds die Bekennende Kirche hervor. Dieser konnte binnen weniger Monate eine Mitgliederzahl von 7000 verzeichnen. Im Gegensatz dazu hatten die 2000 Deutschen Christen kaum noch Einfluss auf die Entwicklung in der evangelischen Kirche.
Quellen:
- Deutsches Historisches Museum: http://www.dhm.de/, 10.11.2008.
- Meier, Kurt: Die Deutschen Christen, Halle (Saale) 1967.
- Moeller, Bernd: Geschichte des Christentums in Grundzügen, 8. Auflage, Göttingen 2004.
- Prolingheuer, Hans: Kirchenpolitische Kirchengeschichte. Fünfzig Jahre Evangelischer Kirchenkampf von 1919 bis 1969, Köln 1984.
- Rehmann, Jan: Ideologische Mächte im deutschen Faschismus. Die Kirchen im NS-Staat. Untersuchung zur Interaktion ideologischer Mächte, Berlin 1986.
- Scholder, Kurt: Die Kirchen und das dritte Reich. Bd. 1: Vorgeschichte und Zeit der Illusion 1918 – 1934, Frankfurt am Main 1977.
- Thieme, Kurt: Aus dem Wieratal ins Reich! Ursprung und Aufbruch deutschen Christentums, Weimar 1939.
