Die Deutschen und die Fremden: Studien und gefühlte Wirklichkeit

In einem Land aber nicht zusammen - Stuelpner / pixelio.de
In einem Land aber nicht zusammen - Stuelpner / pixelio.de
Das Verhältnis zwischen Deutschen und Fremden beschäftigt die Wissenschaft. Die Gesellschaft fühlt sich überfordert. Die Politik bleibt Antworten schuldig.

Die Deutschen und die Fremden leben in einem Land, aber sie leben eigentlich nicht zusammen. Die beiden Gruppen beinhalten keine Sammlungen von identischen Personen. Die Deutschen sind nicht alle gleich deutsch: die einen sprechen zum Beispiel Bairisch, die anderen Plattdeutsch. Verstehen tun sie sich dabei schwer oder gar nicht. Auch die Fremden oder – politisch korrekt - Migranten sind nicht im selben Grade migrantisch: Es gibt immer noch welche, die kein Deutsch sprechen, was die Verständigung mit den Einheimischen unheimlich erschwert. Manche schotten sich ab. Einige aber wollen sich auf Teufel komm raus wie zu Hause fühlen und mitmachen. Vielfalt in jeder Hinsicht. Dennoch existiert die Unterscheidung zwischen den Deutschen und den Fremden nicht nur in der rechten politischen Ecke. Allgemein scheint man die Gesellschaft als zweigeteilt wahrzunehmen. "Mir san mir" rief Angela Merkel als sie noch keine Kanzlerin war und zeichnete damit eine Grenze zwischen den "richtigen" und den "falschen" Bürgern. Die „Falschen“, die aus allen Herrenländern stammen, bilden inzwischen einen Fünftel der hiesigen Gesellschaft. Eine beachtliche Masse, wenn sie mit einer Stimme gesprochen hätte, was natürlich nicht der Fall ist.

Ergebnisse von Studien und die gefühlte Wirklichkeit

Wie ist also das Verhältnis zwischen den Deutschen und den Fremden? Die Kölner Langzeitstudie „Deutschland und seine Migranten“ bringt ein durchaus erbauendes Bild zutage: Die Deutschen zeigen sich ausgesprochen fremdenfreundlich. Sie seien sogar die Spitzenreiter derartiger Freundlichkeit in Europa, behaupten die Autoren der Studie. Der Grund dafür stecke angeblich in einer sehr selbstkritischen Einstellung der Autochthonen. Daher stimmten sie gerne der folgenden Aussage zu: „Ausländer haben viele positive Eigenschaften, die uns Deutschen fehlen“. Wer sich in diesem Moment verwundert die Augen reibt und fragt, woher dann die unzähligen Fans von Sarrazin kommen (Bekanntlich zeichnete der Sozi und Ausländer-Kritiker ganz anderes Bild in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“), darf sich beruhigen. Der Spalt zwischen den paradiesischen Ergebnissen der Studie und der gefühlten rauen Wirklichkeit bedeutet keineswegs einen Realitätsverlust. Im Gegenteil. Einmal mehr wurde die alte Weisheit bestätigt, dass sich die Theorie von der Praxis meist wesentlich unterscheidet, oder anders ausgedrückt: Die laut verkündeten politisch korrekten Meinungen haben nicht viel mit den konkreten Handlungen gemeinsam.

Die Fremden - Vielfalt als Bedrohung

Der gefühlten Wirklichkeit nähert sich eher die Langzeituntersuchung „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ der Bielefelder Universität. Sie beobachtet beunruhigende Trends: Rassismus und die Abwertung von Obdachlosen seien „signifikant angestiegen“. Man verzeichne auch die Zunahme von Fremdenfeindlichkeit und die Abwertung von Behinderten. Die Autoren der Studie registrieren, dass 50 Prozent der Befragten sehen Deutschland „in einem gefährlichen Maß überfremdet“. Die Vielfalt werde als Bedrohung verstanden. In dem Fremden erkennen die Befragten keinen gleichwertigen Menschen. Sie grenzen eigene Werte und Normen von den anderen, den minderwertigen, ab und sehnen sich nach einer homogenen Gesellschaft.

Deutsche und Fremde: Es fehlen politische Antworten

Eine positive politische Antwort auf die Forderung einer homogenen Gesellschaft kann nur aus der rechten Richtung stammen. Keine demokratische Partei würde sich dafür aussprechen. Sie taten und tun jedoch zu wenig, um eine akzeptierbare Alternative aufzuzeichnen. Eine Alternative, die die existierende Vielfalt für den Zusammenhalt der Gesellschaft nutzt und die Würde aller Bürger schützt.

Bildnachweis: Stuelpner / pixelio.de

Grazyna Gintner, Grazyna Gintner

Grazyna Gintner - Ich habe als Journalistin in Polen gearbeitet. Seit Jahren lebe ich in Deutschland. Neulich brachte ich unter dem Pseudonym Lydia Sanojar ...

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