
- Pilgerweg in Frankreich - © Moser / pixelio.de
Von vielen Leserinnen und Lesern wird die Verfilmung des Romans „Die Dienstagsfrauen“ mit Spannung erwartet. Die Autorin hatte zeitgleich mit dem Roman das Drehbuch für die Verfilmung des Bestsellers geschrieben. Drehstart war im Mai vergangenen Jahres mit Ulrike Kriener, Inka Friedrich, Nina Hoger, Saskia Vester und Hubertus Grimm in den Hauptrollen. Inzwischen hat der Roman als Taschenbuch die Bestseller-Listen erobert. Ob die Filmkomödie den gleichen Erfolg haben wird, bleibt fraglich.
Bestseller-Roman oder Filmkomödie?
Wie erfolgreich die Verfilmung letztlich ist, hängt entscheidend davon ab, ob all die begeisterten Leserinnen des Romans die Unterschiede von Roman und Film tolerieren werden. Wenn im Film etwa nur vier Freundinnen auf dem Weg sind, weil die lebenslustige Kiki nicht vorkommt. Und entsprechend jede Situationskomik ausgeglichen werden muss, die der mitreisende Verehrer im Roman auslöst, gegen den sich Kiki mit zwiespältigen Emotionen wehrt.
Ebenfalls bleibt abzuwarten, wie es in der Komödie gelingt, die Auseinandersetzung der Frauen mit sich selbst glaubhaft zum Ausdruck zu bringen, ohne ins Lächerliche oder Oberflächliche abzudriften. Im Roman ist es der Autorin gut gelungen, die dramatische und ernstzunehmende Selbstfindung der Frauen mit einer wohltuend heiteren Perspektive zu verbinden. Genau das könnte zum großen Erfolg des Buches beigetragen haben.
Die Pilgerreise im Roman
Fünf ungleiche Freundinnen machen sich auf den Weg zu dem französischen Wallfahrtsort Lourdes und kommen dabei einem düsteren Geheimnis auf die Spur. Die Pilgerreise ist Wunsch der jungen Witwe Judith, die auf diese Weise die Trauer um den verstorbenen Arne bewältigen möchte. Caroline, die ihr eigenes Leben fest im Griff glaubt, unterstützt Judith sofort. Hofft sie doch, dass ihre Freundin endlich zu einem normalen Leben zurückfindet.
Die heitere Kiki stimmt begeistert zu, für Abenteuer ist sie immer zu haben. Eva dagegen löst sich nur schwer von ihren vielfältigen Pflichten als Hausfrau und Mutter. Am allerwenigsten kann Estelle, gewöhnt an ihren alltäglichen Luxus, etwas mit der geplanten Reise anfangen. Aber schließlich sind die fünf Frauen seit fünfzehn Jahren befreundet, da will sie nicht einfach fehlen.
Mit großer Menschenkenntnis, Witz und Humor stellt die Autorin die Charaktere der fünf Freundinnen dar. Sogar am Reisegepäck jeder einzelnen Frau wird deutlich, was sie eigentlich mit sich herumträgt. Singen sie am ersten Pilgertag noch ausgelassen den Liedvers: „Non, non, rien n’a changé“ – „Nein, nein, nichts hat sich verändert“, müssen die fünf Freundinnen schon nach kurzer Zeit erkennen, dass ihnen nicht nur eine äußere, sondern auch eine innere Wanderung bevorsteht. Dabei gelingt es der Autorin, die Frauengestalten derart anschaulich zu beschreiben, dass man sich selbst auf der Pilgerreise wähnt.
Fesselnde Dramaturgie der Geschichte
Während die Freundinnen durch die malerisch schöne Landschaft im Süden Frankreichs wandern, wird jede von ihnen massiv mit sich selbst konfrontiert und ist gezwungen der eigenen Wahrheit ins Auge zu sehen. Wahrheiten, die auch manche Leserin berühren und nachdenklich stimmen dürften. Doch nicht nur die persönlichen inneren Kämpfe sorgen für Spannungen zwischen den Freundinnen. Unstimmigkeiten in Arnes Tagebuch entpuppen sich als mysteriöses Geheimnis, das die Dramaturgie der gesamten Geschichte auf den Höhepunkt treibt. Die langjährige Freundschaft der Frauen wird am Ende auf eine harte Probe gestellt.
Autorin und Dramaturgin Monika Peetz
Monika Peetz, geboren 1963, Studium der Germanistik, Kommunikationswissenschaften und Philosophie an der Universität München. 1990-98 Dramaturgin und Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk, Redaktion Fernsehfilm. Seit 1998 Drehbuchautorin in Deutschland und in den Niederlanden. Filme unter anderem „Ein Baby zum Verlieben“, „Noch einmal zwanzig sein“ sowie gemeinsam mit Christian Jeltsch „Die Rebellin“. Tutorin im Nürnberger Autorenstipendium seit 1997/98.
Die Dienstagsfrauen - Filmkomödie. Am 14. Juni 2011, 20.15 Uhr in der ARD / das Erste. Regisseur: Olaf Kreinsen.
Quellen
Monika Peetz: Die Dienstagsfrauen. Kiepenheuer & Witsch, 2010. Taschenbuch, 319 Seiten. € 8,95.
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Bildquelle: © Moser / pixelio.de
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