
- documenta12 - vor dem Fridericianum - Foto: Katrin Braun
Alle 5 Jahre trifft sich das kunstinterressierte Publikum aus aller Welt in der hessischen Stadt Kassel. Grund: Hier findet eine der wichtigsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst statt, die documenta. Der Kunsterzieher und Künstler Arnold Bode hat 1955 die erste Ausstellung ins Leben gerufen. Die Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts sollte nach der Diktatur der Nationalsozialisten und deren Ablehnung avantgardistischer Kunst der 20er Jahre der Öffentlichkeit nahegebracht werden. Dass die Ausstellung zu einem weltweit großen Erfolg wurde, hatte niemand angenommen. Deshalb fand letztes Jahr bereits die 12. Folge seit ihrer Entstehung statt. Um den Sonderstatus zu erhalten, bestimmt man alle 5 Jahre einen neuen Leiter oder eine neue Leiterin, wodurch jede Veranstaltung einen eigenen Character erhält. Für 100 Tage sind die Pforten traditionsgemäß geöffnet. "Museum der 100 Tage" nennt man das Kasselhighlight aus diesem Grund auch.
documenta1 1955
Grundgedanke war, einen direkten Bezug zur Ausstellung "Entartete Kunst" herzustellen, die 1937 von den Nazis in München ausgetragen wurde. Man wollte bewußt die Werke rehabilitieren, die noch in Erinnerung der Leute steckten. Die Skulptur "Kniende" von Wilhelm Lehmbruck stand deshalb weihevoll plaziert, ganz im Gegensatz zur mißbräuchlichen Anschauungsweise von 1937.
ducumenta2 1959
Mit dem Untertitel "Kunst nach 1945" rückte man den Gedanken abstrakter Kunst in den Vordergrund. "Das Sichtbare abbildenden zu einer das Unsichtbare sichtbar machenden Kunst" war das Motto, unter dem man sich unter anderem auf die Nachkriegskunst konzentrierte.
documenta3 1964
"Kunst ist das, was bedeutende Künstler machen." war der Wahlspruch der dritten documenta. In den Vordergrund stellte man die Individualität von Künstlern, nicht mehr deren Zugehörigkeit einer bestimmten Gruppe. Einer der Höhpunkte waren Handzeichnungen berühmter impressionistischer Maler.
documenta4 1968
Der politische Zeitrahmen färbte sich auch auf die documenta ab. Sprechchöre und rote Fahnen verhinderten die Eröffnungsreden. Man widmete sich thematisch völlig der Gegenwartskunst. Kunstwerke aus Amerika im Stil der Pop Art und Minimal Art und mit Großformaten fanden Gefallen.
documenta5 1972
Titel: "Befragung der Realität - Bildwelten heute". In Anbetracht der zunehmenden Darlegung der Welt von Medien und Massenmedien, galt die Unterscheidung von Inszenierung und Realität als schwierig. Die Beziehung Bild und Wirklichkeit rückte in den Vordergrund.
documenta6 1977
Das "Medienkonzept", so der Titel der Ausstellung, berücksichtigte vor allem Fotokunst sowie Film und Video. In einem wöchentlichen Beitrag konnten via öffentlich-rechtliches Fernsehen Videobänder gesehen werden.
documenta7 1982
Betonung lag auf der Individualität der Künstler. Als herausragend gilt das Kunstwerk Joseph Beuys, "7000 Eichen". Er selbst pflanzte die erste der innerhalb der nächsten 5 Jahre in Kassel folgenden 7000 Eichen.
documenta8 1987
Der Leiter betonte insbesondere den Utopieverlust der Gegenwart und betonte diese Thematik mit Kunstwerken über Gewalt, Unterdrückung und Krieg.
documenta9 1992
Vordergründig war ein erlebnisorientierter und emotionsbezogener Kunstbezug, gekoppelt mit subjektiver Erfahrung.
documenta10 1997
Kernpunkt der ersten weiblichen Ausstellungsleiterin war der Bezug zu vorangegangenen Documentapräsentationen, nach der Überschrift "Retorperspektive". Aber auch der Blick in die Zukunft war Teil der Bezugnahme.
documenta11 2002
Weltoffenheit und Internationalität stand im Mittelpunkt des nicht aus Europa stammenden Leiters. Er ließ die documenta an 5 verschiedenen Orten der Welt, in Form von Diskussions- und Vortragsveranstaltungen stattfinden.
documenta12 2007
Kerngedanke war die Ausstellung als Medium zu begreifen. Darin sollten sich Kunst und Publikum einander annähern. Die documenta12 war ein Publikumsmagnet und mit 754.301 zahlenden Besuchern eine Rekord-documenta.
