
- Dohle - helle Augen, schwarz-grau geteilter Kopf - Heike Dommnich
Die Dohle hat als Rabenvogel ihren schlechten Ruf nicht verdient. Sie zählt zu den intelligentesten Vögeln überhaupt. Wie auch andere Rabenvögel kümmern sich Dohlen sehr liebevoll um ihren Nachwuchs. Sie bleiben sich ein Leben lang treu und haben es nun zum Vogel des Jahres 2012 geschafft. Ob dies nun wünschenswert ist? Tiere des Jahres werden solche Arten, die auf besonderen Schutz des Menschen angewiesen sind und mehr Aufmerksamkeit verdienen.
Kennzeichen der Dohle
Die Dohle (Coleus monedula oder auch Corvus monedula) ist kleiner als ihre Verwandten, die Saat- oder Rabenkrähen. Auch ihr Gefieder leuchtet schwarz, allerdings hat sie einen grauen Hinterkopf und typisch leuchtend, silbergrüne Augen, die auch von weitem zu erkennen sind. Dies unterscheidet sie deutlich von anderen Rabenvögeln. Die Körperform der Dohlen ist eher gestutzt, die der größeren Krähen ist zwar kräftig aber schlank. Dohlen sind gesellige Vögel. Eine Kolonie kann aus mehreren Hundert Vögeln bestehen, in der eine feste Rangordnung herrscht. Die Paare bleiben ein Leben lang zusammen. Kranke Vögel werden in der Kolonie mit betreut. Gegen Feinde schließen sich alle Koloniemitglieder zusammen. Beobachten können Sie Dohlen oft im Pulk auf dem Boden, wo sie nach Insekten, Würmern und anderem Futter suchen. Als Allesfresser sind die schwarzen Gesellen nicht wählerisch. Ihre ausgeprägte soziale Lebensweise faszinierte schon den Verhaltensforscher Konrad Lorenz.
Der Lebenskünstler hat es immer schwerer
Man könnte meinen, ein intelligenter Vogel wie die Dohle dürfte sich in der Natur schon ausreichend durchschlagen. Dennoch hat der Bestand in den letzten Jahren erheblich abgenommen. Schuld daran ist mangelnder Brutraum, denn Dohlen benötigen für die Aufzucht ihrer Jungen ausreichend große Nisthöhlen. Geräumige Baumhöhlen werden immer seltener. Auch Gebäudenischen in ausreichender Höhe gehen in der Stadt zunehmend durch Sanierung verloren. Felshöhlen gehören von Natur nicht in jede Landschaft. Wenn dann noch ein wachsender Marderbestand in den Städten dazukommt, wird das Leben der Dohlen immer schwieriger. Auch in der freien Landschaft haben sich die Lebensbedingungen für die Vögel verschlechtert. Gerade in Gegenden mit intensiver Landwirtschaft nimmt das Angebot an Nahrung durch Insektizide und Monokultur rapide ab. Die Mehrheit der Dohlen lebt daher in Dörfern oder in der Stadt. Dort finden Sie in Kirchtürmen oder auch Schornsteinen Platz zum Nisten und Leben. Wo den Dohlen der Lebensraum angenehm ist, können sie in seltenen Fällen bis zu 20 Jahre alt werden. Dies ist anhand beringter Vögel nachgewiesen.
Dohlen sind intelligent und lernfreudig
Metallisch klingende Laute wie „tjak“ oder „schack“ gehören zum typischen Gesang der Dohle. Zu den angeborenen Tönen kommen im Laufe des Lebens noch weitere dazu. Die Vögel können sehr gut Stimmen imitieren. Von ihnen ist bekannt, dass sie in der Stadt das Klingeln der Handys nachahmen. Auch ihr ausgeprägtes Sozialverhalten setzt eine hohe Intelligenz voraus. Manche Dohlen mischen sich in der Stadt unter Tauben. Als Kunstflieger haben sie sich ebenfalls einen Namen gemacht. Gerne führen sie im Flug kleine Kunststückchen vor. Und glänzende Gegenstände verführen nicht nur Elstern. Auch Dohlen stehlen gelegentlich Dinge die glänzen. Mit ihrem eigenen Spiegelbild liefern sie sich ausdauernde Gefechte. Bei der Nahrungssuche finden Dohlen in der Nähe des Menschen vieles, was in ihrem Schnabel landet. Auf dem Land nehmen sie gerne die Komposthaufen auseinander. In der Stadt lassen sie unbekannte Nahrungsquellen zunächst einmal von neugierigen Spatzen testen. Wenn die „Versuchskaninchen“ Erfolg haben, fressen auch die Dohlen. An Futterstellen tauchen sie zuweilen am frühen Morgen auf, wenn erst wenige Menschen unterwegs sind.
Was Sie für Dohlen tun können
Als Höhlenbrüter brauchen Dohlen vor allem passenden Wohnraum. Durch spezielle Nistkästen kann der Mensch für solchen sorgen. Solche Nistkästen haben an den verschiedensten Orten Platz. Ob auf Kirchtürmen oder an hohen Strommasten, die Nisthilfen werden von den Vögeln angenommen. Für Bäume mit verlassenen Schwarzspechthöhlen sind die Forstwirte verantwortlich. Auch diese werden gerne von Dohlen genutzt. Genauso wichtig wie der Raum zum Brüten sind die Nahrungsquellen für die Vögel. In der freien Landschaft sind Baumgruppen und artenreiche Randstreifen mit Sträuchern und Wildblumen notwendiger Lebensraum für Insekten, Spinnen und allerhand Kleingetier. Dort wo große Felder mit Monokulturen wie Mais angebaut sind, bietet die Landschaft für viele Lebewesen nicht mehr genügend Nahrung. Das spüren nicht nur die Dohlen sondern auch unser Feldhase. Auch in einem kleinen Garten können Sie mit einheimischen Sträuchern Lebensraum für Schmetterlinge und andere Insekten schaffen. Je vielfältiger unsere Landschaft wieder wird, desto eher gelingt es, die frühere Artenvielfalt wiederherzustellen.
Quellen und weitere Informationen:
- Vogeltreffpunkt Garten – Robert Burton – Bertelsmann 1990
- Welcher Gartenvogel ist das? Kosmos Naturführer – 2010
- Kosmos Naturführer für Unterwegs – 2011
- Webseite des NABU
Interessante Links der Autorin:
- Käfer des Jahres 2012 – der Hirschkäfer
- Wildgänse in Europa
- Der Elch – ein Tier des Nordens
- Krötenarten in Deutschland
- Lebensweise der Störche
- und weitere
