Die Don Juan-Konfiguration im 20. Jahrhundert

Herz - S.Hainz / pixelio.de
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Don Juan, der Held der Frauen, ist eines der beliebtesten Motive der Literatur und Kunst. Doch inwiefern hat er sich dem 20. Jahrhundert angepasst?

So, wie die schnelllebigen Verhältnisse des 20. Jahrhunderts waren, wandte sich auch die Umsetzung der Don Juan - Thematik beinahe vollständig vom Urstoff ab. Dadurch ließ sich der Typus nicht mehr ausschließlich durch Motive beschreiben. Dies bedeutet, dass Don Juan eine neue Qualitätsstufe erreichte, denn allein aus der Handlung heraus konnte man ihn nicht mehr definieren. Wenn man weiterhin von einem Mythos des Don Juan sprechen konnte, dann nur bei analytischer Untersuchung.

Don Juans Männlichkeit im Konflikt mit der Weiblichkeit

Zudem war der Typus „über Assoziationen und Randmotive“ (Jacobs, S. 330) der einzelnen Figuren identifizierbar, da wenigstens wesentliche Merkmale erkennbar blieben. Zum Beispiel war Don Juan definitiv männlich und er nahm sein weibliches Pendant nicht im Zweikampf mit der Unendlichkeit, sondern als Prostituierte. Solch eine Gestalt fehlt jedoch fast gänzlich in moderner Literatur. Außerdem wurden „Aspekte der Monomanie, der Dämonie und des Titanismus“ (S. 330) beinah restlos aufgegeben, sodass Don Juan kein "erotisches Genie" mehr war. Dagegen setzte er sich mit Grundzügen des Lebens auseinander, wie Altern, gesundheitlichen und geistigen Schwächen oder individueller Antipathie.

Der Konflikt mit der Weiblichkeit blieb bestehen, wobei sich folgende „lakonische Grundformel (...)?Mann trifft Frau?“ (S. 331) ermitteln lässt. Dies zeigt, dass trotz Wandlungen in der Umsetzung eine Präsenz des Urmusters bestand. Jedoch konnte Don Juan keine komplexe Verbindung mit einer Frau eingehen, ohne sich dabei grundlegend zu verändern. Die Unbestimmtheit seines Daseins blieb erhalten. Wobei sich sein innerer Zwiespalt im 20. Jahrhundert steigerte - hervorgerufen durch die Auseinandersetzung beider Geschlechter. Das spiegelte die persönliche Einstellung der modernen Gesellschaft zur Sexualität wieder, wogegen die Selbstbefragung beziehungsweise die Suche nach dem eigenem Ursprung in den Vordergrund rückte. Don Juan wurde zum Forscher nach seiner eigenen Individualität und dies auf ganz rationale Weise.

Wegfall der metaphysischen Instanz

Des weiteren gab es ein „fast völlige(s) Wegfallen einer metaphysischen Instanz in Form einer religiösen Größe“ (S. 332), also dem Urgegner des Frauenverführers. Da die Don Juan - Figur nicht mehr an ein System gebunden war, konnte sie sich natürlicher geben. Der Komtur allerdings, wurde inhaltlich neu besetzt und blieb der Ausgangspunkt für seelische Spannungen. Hinter dem stand die Sehnsucht des Menschen nach Ruhe und Ordnung.

Gerade das letzte Jahrhundert lehrte, dass gesellschaftliche Systeme nicht ewig bestehen, was die Selbstdefinition Don Juans vorantrieb. Dem zu Folge wurde die Figur des Komturs zur Verknüpfung seiner Identitätskrise. Ausnahmen, wo diese Polarisation fehlte, verloren oft an Qualität, denn Don Juan hatte keine Konsequenzen zu fürchten. In diesem Fall wandelte er sich zu einer „unattraktiven, schnöden Banalität“ (S. 333).

Eine weitere Auswirkung vom Wegfall der religiösen Instanz, war der Verlust am Reiz der verbotenen Verführung. Somit entfiel auch die archetypische Funktion der Frauenrolle. Die Konfrontation mit seinem Dasein und der Wunsch nach wahrhaftiger Liebe stellten sich dem Don Juan - Typus entgegen; vielmehr verlor er seine zentrale Rolle. Bedingt durch neue Lebenseinstellungen im 20. Jahrhundert wurde die banale sexuelle Befriedigung unmöglich, meistens zum Leiden. Daher ermöglichte es sich, dass Don Juan eine erfüllende Beziehung - ebenso auf geistiger Ebene - zu einer Frau eingehen konnte.

Modifikation des Dieners

„Gemäß der Entwicklung der gesellschaftlichen Klassen“ (S. 334) modifizierte sich auch die Figur des Dieners. Wo dieser früher Verführung und Flucht arrangierte, war Don Juan nun nicht mehr an ihn gebunden. Moderne Technik und die Kommunikationsgesellschaft brachten ihm Selbstständigkeit.

Die Wandlung der drei wichtigsten Einflüsse auf Don Juan, rief völlig neue Sichtweisen hervor, doch das zentrale archetypische Problem von der Beziehung zwischen den Geschlechtern blieb bestehen. Dieses passte sich zwar den neuen zeitbedingten Verhältnissen an, wird aber auch in der Zukunft eine entscheidende Rolle spielen, denn das Thema des Frauenhelden hat populäre Aspekte.

Weiterführende Literatur und benutze Quelle:

Hans J. Jacobs: Don Juan heute: Die Don Juan-Figur im Drama des zwanzigsten Jahrhunderts : Mythos und Konfiguration (Bonner Untersuchungen zur vergleichenden Literaturwissenschaft). CMZ-Verlag, 1989. Gebundene Ausgabe, 371 Seiten.

Anne Neumann - Ich bin Masterstudentin an der Universität Rostock und studiere Anglistik. Ich habe für längere Zeit in den USA gelebt, ...

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