Die dorischen Tempel von Paestum - griechisches Flair in Italien

Der Poseidontempel in Paestum, Italien - Paul-Georg Meister  / pixelio.de
Der Poseidontempel in Paestum, Italien - Paul-Georg Meister / pixelio.de
900 Jahre lang blieben die Bauten von Paestum im Schlamm versunken. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die gut erhaltenen Tempelanlagen wiederentdeckt.

Ungefähr 600 Jahre vor Christus entstand in Süditalien eine griechische Kolonie, damals noch unter dem Namen Poseidonia. Im Jahr 273 vor Christus bekam die Stadt unter der neuen römischen Herrschaft den Namen Paestum. Zur Blütezeit der Kolonie, ungefähr 500 bis 600 Jahre vor Christus, entstanden imposante dorische Tempelanlagen, die allerdings im 9. Jahrhundert nach Christus gänzlich von der Bildfläche verschwanden. Erst im Jahr 1748 wurden die antiken Bauten im Schlamm des Gebiets um den Selefluss wiederentdeckt, als dort eine neue Straße gebaut werden sollte.

Die Basilika - wertvolles Zeugnis griechischer Baukunst

Im Jahr 550 vor Christus wurde der erste und damit älteste der drei Tempel in Paestum erbaut: die sogenannte Basilika. Der Begriff entstand fälschlicherweise aufgrund der Annahme der Entdecker, dass es sich bei dem Bau um ein öffentliches Gebäude gehandelt haben muss, in dem Versammlungen abgehalten wurden. Als Basilika wurde in Griechenland das Justizgebäude bezeichnet. Die Gelehrten kamen damals wohl zu diesem Schluss, da die Frontons am Tempel nicht mehr vorhanden waren. Erst die Entdeckung der aufschlussreichen Votivtafeln, die außerhalb des Tempels an einem Altar gefunden wurden, zeigten, dass es sich um ein religiöses Gebäude gehandelt haben muss. Der dorische Tempelbau war offensichtlich zu Ehren der griechischen Göttin Hera errichtet worden. Der Doppelbau wurde sehr wahrscheinlich nach der Vorlage des Zeustempels in Olympia erbaut und war zumindest in der Anfangszeit ebenfalls zu Ehren des obersten griechischen Gottes gedacht.

Der Poseidontempel - imposanter Zeitzeuge

Der am besten erhaltene Tempel in Paestum ist der sogenannte Neptun- oder Poseidontempel, der um das Jahr 450 vor Christus gebaut wurde. Der dorische Bau entstand ungefähr zur gleichen Zeit wie der Parthenon auf der Akropolis in Athen. Heute sind sich die Forscher weitestgehend darüber einig, dass das Heiligtum wohl nicht zu Ehren des Poseidons, sondern wie die Basilika zu Ehren der Göttin Hera errichtet wurde. Das Gebäude ist der am besten erhaltene dorische Bau überhaupt. Wie für griechische Tempel üblich, ist auch dieser von West nach Ost ausgerichtet. Noch immer sind die von Säulen getragenen Giebel vorhanden und die Innenaufteilung des Tempels lässt sich anhand der bestens erhaltenen Mauer- und Säulenreste gut nachvollziehen. Poseidontempel und Basilika stehen in Paestum direkt nebeneinander und bilden somit ein kontrastreiches Panorama.

Der Tempel der Ceres (Athenetempel)

Um das Jahr 510 vor Christus entstand der kleinste der drei Tempel in Paestum. Der Athenetempel war im 18. Jahrhundert von seinen Entdeckern der römischen Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit (Ceres) zugeschrieben worden. Die Erbauer weihten ihn aber der Göttin Athene, was an den zahlreichen Statuen der in Kriegsrüstung dargestellten Göttin zu erkennen ist. Auch eine Vase mit der Gravur des Namens Athene deutet eindeutig darauf hin. Ein auffälliges Merkmal des Cerestempels ist die Vermischung von dorischen und ionischen Stilelementen. So sind beispielsweise am oberen Ende des Architravs Schmuckelemente zu erkennen, die eindeutig dem ionischen Baustil zugeordnet werden können. Nachdem Paestum nach und nach immer mehr an Bedeutung verlor, wurde der Tempel teilweise als christliche Kirche genutzt. Bis zur Zerstörung der Siedlung im 9. Jahrhundert hatte der Ort den Namen Cerestempel.

Lesen Sie mehr über die Geschichte der Stadt Paestum: Das antike Paestum in Italien: Gründung, Blütezeit und Untergang.

Quelle:

Autorin Bettina Daiber, Foto: Bettina Daiber

Bettina Daiber - Bettina Daiber entschied sich nach ihrem Abitur für den Beruf der Arzthelferin und studierte nach erfolgreichem Abschluss ...

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