Die DRG-Güterzugdampflokomotiven der Einheitsbaureihe 44

Front der Baureihe 44 - Christian Peitz
Front der Baureihe 44 - Christian Peitz
Die Güterzuglokomotiven der Baureihe 44 trugen die Hauptlast im schweren Güterverkehr in Deutschland.

Im ersten Typisierungsplan der 1924 gegründeten Deutschen Reichsbahn Gesellschaft (DRG) war neben einer Schnellzuglok auch eine 1’E-Güterzuglokomotive mit 20 t Achslast enthalten. Unsicher war man sich, ob die Maschine ein Zwei- oder ein Dreizylinder-Triebwerk erhalten sollte. Um Klarheit zu erhalten, wurden, bei ansonsten gleicher Ausführung, von beiden Baureihen jeweils 10 Exemplare beschafft. Die Drillings-Maschinen wurden als Baureihe 44 eingereiht, die Maschinen mit Zwillingstriebwerk als Baureihe 43.

Die ersten zehn Loks der Baureihe 44

Das Leistungsprogramm für die Baureihe 44 sah die Beförderung von 1.200 t schweren Zügen mit 65 km/h in der Ebene vor. Auf Steilrampen mit 25 Promille Steigung sollte die Baureihe 44 noch 600 t bewältigen können.

Die ersten, 1926 gelieferten zehn Maschinen hatten, abweichend von den späteren Serien, einen Kesseldruck von 14 kg/cm2, 600 mm Zylinderdurchmesser, eine kupferne Feuerbüchse und Riggenbach-Gegendruckbremse. Die Kesselmitte lag mit 3.150 mm sehr hoch, weswegen die Maschinen das Umgrenzungsprofil II ausfüllten. Die Maschinen waren mit Tendern 2’2’T32 gekuppelt.

Parallel dazu waren auch die ersten Maschinen der Baureihe 43 ausgeliefert worden. Das Lokomotiv-Versuchsamt (LVA) Grunewald verglich die beiden Baureihen ausgiebig. Dabei zeigte sich ein geringerer Dampfverbrauch und ein höherer Gesamtwirkungsgrad bei der Baureihe 43. Zudem ist ein Zwillingstriebwerk leichter zu warten. Beides gab den Ausschlag, die Baureihe 43 weiter zu beschaffen.

Die Mitteldruck-44er

44 011 und 44 012 waren Teil des Erprobungsprogramms von Lokomotiven mit 25 kp/cm2 Kesseldruck, der so genannten Mitteldrucklokomotiven. Die Loks waren als Vierzylinder-Verbund-Maschinen ausgeführt, um den hohen Dampfdruck mit doppelter Dampfdehnung ausnutzen zu können. Bereits während der Erprobung zeigte sich, dass der hohe Wirkungsgrad mit gefährlichen Defekten und hohem Unterhaltungsaufwand bezahlt werden musste. Der Kesseldruck wurde bei beiden Maschinen auf 16 kp/cm2 reduziert.

Gesteigerte Anforderungen durch schnellere Güterzüge

Als in den folgenden Jahren die Geschwindigkeiten auch im Güterzugverkehr ständig anstiegen, erwies sich das Drillingstriebwerk der Baureihe 44 dem Zwilling überlegen. Das Drillingstriebwerk erzeugt ein gleichmäßigeres Drehmoment, wodurch es für große Lasten bei höheren Drehzahlen besser geeignet ist.

44 013 bis 44 065 entstanden daher 1937 in der so genannten Zwischenausführung. Die Kesselmitte wurde auf 3.100 mm abgesenkt, wodurch die Maschinen nun das Lichtraumprofil I einhielten. Der Durchmesser der Zylinder wurde auf 550 mm verringert, der Kesselüberdruck im gleichen Zuge auf 16 kg/cm2 erhöht. Die Feuerbüchse wurde von nun an aus Stahl gefertigt, die Gegendruckbremse entfiel. Neu waren bei der Baureihe 44 nun auch große Windleitbleche und Speisewasser-Reinigungsanlagen verschiedener Bauarten. Während die ersten zehn Maschinen Bahnbetriebswerken in Mitteldeutschland zugeteilt worden waren, gingen die 44er der Zwischenausführung vorwiegend nach Süddeutschland.

Die Standardausführung der Baureihe 44

Mit 44 066 verließ dann 1937 die erste Maschine der so genannten Standardausführung das Werk von Henschel in Kassel. Der Stehkessel hatte nun einen breiteren Bodenring. Die Steuerung des Innentriebwerkes wurde von nun an nicht mehr über eine Hubscheibe, sondern über die gekröpfte Achswelle der dritten Kuppelachse angetrieben. Von nun an kam vorwiegend der Tender 2’2’T24 zum Einsatz.

Die Zahl der ausgelieferten Lokomotiven der Baureihe 44 stieg nun von Jahr zu Jahr. Waren es 1937 noch 91 Maschinen gewesen, verließen 1943 476 Loks die Tore der verschiedenen Herstellerfirmen. Erst 1944 ließ die Produktion kriegsbedingt nach. Bis dahin waren 1.753 Loks der Baureihe 44 gebaut worden, viele davon auch in Werken in von Hitlerdeutschland besetzten Ländern, vor allem in Frankreich, aber auch in Dänemark. Auch Floridsdorf in Wien fertigte Maschinen der Baureihe 44.

Die Übergangskriegslokomotive 44 ÜK

Der Hauptausschuss Schienenfahrzeuge legte 1942 verschiedene Listen mit „Vereinfachungen für die im Bau befindlichen Lok und Tender“ vor. Betroffen davon waren die Baureihen 50, 52, 86 und 44, die bis auf die Baureihe 52, die ja schon vereinfacht war, von nun als Übergangskriegslokomotiven (ÜK) geliefert wurden. Äußerlich auffälligste Merkmale der 44 ÜK waren fehlende Windleitbleche und fehlender Rauchkammer-Zentralverschluss, nur ein Fenster je Führerhausseite sowie die Scheibenvorlaufräder.

Die Baureihe 44 nach dem Krieg

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges waren Lokomotiven der Baureihe 44 über halb Europa verstreut. Die DB übernahm 1.242 Maschinen, die DR 335. Bei der PKP in Polen verblieben 67 Loks, in Tschechien drei, bei der ÖBB 11, bei der SNCF in Frankreich 14 oder 15 und bei der belgischen SNCB eine. Nicht mehr klären ließ sich der Verbleib von 74 Loks.

Zu den in Frankreich verbliebenen Loks kamen noch 226 Maschinen der 44 ÜK, die bei Batignolles, Cail, Creuzot und Fives-Lilles gebaut und aufgrund des Rückzuges des Dritten Reiches aus Frankreich direkt an die SNCF geliefert worden waren. Die SNCF reihte diese Lokomotiven als Baureihe 150X in ihren Bestand ein und verkaufte später 48 Stück an die türkische TCCD, die sie als Reihe 56 einordnete. Zudem forderte Frankreich auch sämtliche anderen in Frankreich gebauten Lokomotiven der Baureihe 44 zurück. Diese 291 von der DB abgegebenen Maschinen setze die SNCF jedoch nicht mehr ein, sondern verkaufte sie direkt als Schrott.

Fuchs im dänischen Aarhus hatte ebenfalls mit der Produktion von Lokomotiven der Baureihe 44 begonnen. Die Kessel der zehn bestellten Maschinen waren bei Kriegsende fertig gestellt und wurden zu Borsig nach Berlin gebracht. Von dort gingen sie zum VEB LEW „Hans Beimler“ in Henningsdorf, wo aus weiteren vorhandenen Teilen 44 1231 bis 44 1240 zusammengebaut und 1949 an die DR geliefert wurden. Damit waren zwischen 1926 und 1949 1.989 Loks der Baureihe 44 gebaut worden.

Die Baureihe 44 bei DB und DR

Sowohl DB als auch DR bauten einen Teil ihrer 44er auf Ölhauptfeuerung um. Nach Einführung des EDV-Nummernschemas erhielten diese Loks bei der DB die dort freie Baureihenbezeichnung 043, während die DR ihren ölgefeuerten Loks in der Tausenderstelle der Ordnungsnummer eine 0 spendierte.

Zusätzlich baute die DR in 22 ihrer 44er eine Braunkohlestaubfeuerung ein. Meist wurden Tender der Bauart 2’2’T24 in solche der Bauart 2’2’T24Kst umgebaut. Diese Maschinen liefen mit 9000er Ordnugsnummern.

Technische Daten der Baureihe 44

  • Bauart: 1’Eh3
  • Treib- und Kuppelrad-Durchmesser: 1.400 mm
  • Laufrad-Durchmesser vorn: 850 mm
  • Länge über Puffer: 22.620 mm (mit Tender 2’2’T32)
  • Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h
  • Leistung: 1.910 PSi / 2.100 PSi (mit Ölhauptfeuerung)
  • Kesselüberdruck: 16 kp / cm2
  • Rostfläche: 4,55 m2
  • Verdampfungsheizfläche: 237,67 m2
  • Überhitzerheizfläche: 100,00 m2
  • Zylinder-Durchmesser: 550 mm
  • Kolbenhub: 660 mm
  • Maximale Achslast: 19,3 t
  • Lokreibungslast: 95,9 t
  • Lokdienstlast: 110,2 t
Christian Peitz, Sabine Peitz

Christian Peitz - Schon fast mein ganzes Leben begleiten mich Modelleisenbahnen und ihre Vorbilder. Speziell die Zeit der Dampfloks hat es mir in Vorbild ...

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