
- Die Edertalsperre - Blick auf die Mauerkrone - Uwe Wolfrum
Der Edersee im Bundesland Hessen, auch als Ederstausee bekannt, ist nicht nur einer der größten Stauseen in Deutschland, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel, das mit seiner kolossalen Staumauer und imposanten Tälern und Wäldern rundherum besticht. Ein Besuch an dem geschichtsträchtigen technischen Bollwerk.
Der Edersee – ein attraktives Ausflugsziel
Wer sich einen Wochenend- oder Feiertag bei schönstem Wetter aussucht, könnte schnell die Nerven verlieren. Zum Edersee, 35 Kilometer Luftlinie südwestlich der documenta-Stadt Kassel und nördlich des Mittelgebirges Kellerwald gelegen und von einem Naturpark umgeben, kommen an solchen Tagen gerne mal einige Tausend Tagestouristen mit dem Auto, Bus, Motorrad oder Fahrrad.
Die Suche nach einem Parkplatz kann sich schwierig und langwierig gestalten, und unter Umständen muss man eine halbe Gehstunde entfernt von der zentralen Staumauer sein Auto parken. Wer dann aber am Ufer entlang läuft, wird von allen Seiten des Stausees mit imposanten Ausblicken über das weitläufige Waldgebiet bis hoch zum Schloss Waldeck belohnt. Und das rege Treiben auf dem See zwischen Seglern, Wassersportlern und Ausflugsschiffen übertrifft manchmal sogar die Staus auf den engen Straßen rund um das Naherholungsgebiet.
Erreicht man die Staumauer, läuft man entlang der Brückenkrone über das 400 Meter lange Bauwerk bis auf die andere Seite. Hier tummeln sich Touristen aus aller Welt, Familien, angetrunkene Vereinsmitglieder und Bikertruppen und lichten das Bauwerk mit ihren Kameras und Handys ab. Eine ältere Dame aus Neuseeland staunt ungläubig, dass es so etwas in ihrer Heimat nicht gäbe.
Die Edertalsperre – ein imposantes Bauwerk aus dem Kaiserreich
Die Edertalsperre wurde von 1908 bis 1914 erbaut, nachdem 1905 das Wasserstraßengesetz in Berlin verabschiedet wurde. Damit wurde der Neubau von Talsperren an der oberen Weser und auf dem Mittellandkanal bis Hannover beschlossen, um die neu entstandenen Kanäle Dortmund-Ems, Rhein-Herne und Lippe-Seite zu regulieren. Das Bauwerk kostete damals 25 Millionen Goldmark, und selbst Kaiser Wilhelm II. stattete den Bauarbeiten im August 1911 einen offiziellen Besuch ab.
Die Staumauer, die zum Landkreis Waldeck-Frankenberg gehört, besitzt eine 248 Meter hohe Bauwerkskrone, ein Bauwerksvolumen von 300.000 Kubikmeter und einen Gesamtstauraum von 225 Millionen Kubikmeter. Der dahinter liegende Edersee ist mit 11,8 Quadratkilometern Wasseroberfläche und 199,3 Millionen Kubikmetern Stauraum von der Fläche her der zweit- und vom Volumen der drittgrößte Stausee in Deutschland
Die versunkenen Dörfer im Edersee
Eine mysteriösen Nimbus besitzt die damals durchgeführte Ortsverlegung. 900 Menschen mussten mit dem Bau des Staudamms aus ihren Dörfern wegziehen und sich anderweitig niederlassen. Ihre Heimat, die Dörfer Asel, Berich und Bringhausen, wurden in einer damals einmaligen Aktion weitgehend abgetragen und an höher gelegenen Stellen wieder aufgebaut – inklusive der Kirche und anderer Bauten. Die Dörfer Nieder-Werbe und Herzhausen hingegen, auf der Talsohle des heutigen Stausees gelegen, sowie einzelne Gutshöfe, Brücken und eine Mühle wurden überspült, und die Einwohner entschädigt und umgesiedelt.
Sichtbare Teile der Dörfer bei Niedrigwasser
Das große Schauspiel, das daraus noch heute resultiert, bekommt man nur selten zu sehen. Wenn im Spätsommer und Herbst Wasser aus dem Edersee abgelassen wird, um die Vegetation durch Sumpfgräser zu beseitigen, werden oft Überreste der überfluteten Dörfer sichtbar.
Vor allem im heißen Sommer 2003 lagen aufgrund des geringen Niederschlags große Teile der Dörfer, die Bericher Klosterkirche, der Friedhof Bringhausen und die immer noch begehbare Ederbrücke von Asel frei und lockten zahlreiche Besucher in die seit einem Jahrhundert "versunkene Stadt". Im Mai 1943 wurde die Talsperre durch britische Fliegerbomben teilweise zerstört und durch Zwangsarbeiter wieder errichtet. Zwischen 1947 und 1995 kam es mehrfach zu Sanierungen und Erweiterungen.
Vielseitige Freizeitangebote auf und um den Edersee
Auf beiden Seiten des Bauwerks tummeln sich die internationalen Staudamm-Touristen in Restaurants, Cafés und Souvenir-Shops, was gerade an besuchsreichen Tagen sehr eng werden kann. Da die angrenzenden Waldgebiete unter Naturschutz stehen, existiert nur eine sparsame Straßenführung, die – sinnigerweise - schnell zu einem Verkehrsstau führt. Der malerische Edersee bietet neben einem üppigen gastronomischem Angebot und vielen Hotels auch Liegewiesen, Campingplätze und zwei Jugendherbergen – nur Parkplätze sind hier Mangelware.
Im Sommer kann man an von der DLRG bewachten Stellen Baden und Tauchen sowie auf dem ganzen See Rudern und Segeln - und im Winter bei zugefrorener Oberfläche Schlittschuh laufen. Und auf einigen Bootsstegen privater Segel- und Yachtclubs sonnen sich neureiche Bootseigner mit Champagnergläsern in Strandkörben in ihrem eigenen nautischen Mikrokosmos.
Pflichtprogramm am Edersee – ein Besuch des Schlosses Waldeck
Rund um den Edersee und die Talsperre gibt es ebenfalls viel zu sehen. Gerade die üppigen Wälder und das Naturschutzgebiet bieten u.a. den Aquapark nahe der Staumauer, die Ehrenburg bei Marienhagen, das Maislabyrinth, einen 2,4 Kilometer langen Fledermaus-Lehrpfad, den Nationalpark Kellerwald-Edersee, den Wildpark Edersee mit seiner Greifvogelstation, die Liebesinsel, den Urwaldsteig und das Sperrmauer-Museum.
Pflichtprogramm für einen Besuch am Edersee ist die Fahrt hoch ins Schloss Waldeck in unmittelbarer Nähe. Das imposante kleine Schloss auf dem Berg im Ort Waldeck, historisch bedingt eine heimliche niederländische Enklave inmitten der hessischen Wälder, bietet einen einmaligen Panoramablick über den gesamten Edersee und die Talsperre.
Und auch wenn man sich schwört, beim nächsten Besuch am Edersee nicht gerade einen sonnigen Feiertag zu wählen, so lohnt sich eine Reise hierher sicherlich jederzeit.
Bilder von den versunkenen Dörfern im Edersee im Sommer 2003
