Einsamkeit scheint eine schlimme Nebenwirkung unserer modernen Zivilisation zu sein. Gerade in den großen Städten wächst die Anonymität. Die Menschen bleiben unter sich, finden keine Freunde und kennen in vielen Fällen nicht einmal ihre Nachbarn.

Längst sind nicht nur ältere Personen ohne Partner betroffen. Auch immer mehr junge Leute vereinsamen zusehends. Sie wissen nichts mit sich anzufangen, fühlen sich allein und fragen sich oft sogar, warum sie überhaupt leben. Diese Reaktionen sind nicht ungewöhnlich. Der Mensch braucht die Gemeinsamkeit wie die Luft zum Atmen.

Mit dem Schicksal der Einsamkeit muss sich jedoch niemand abfinden. Auch wenn es nicht leicht ist, den ersten Schritt zu wagen, gibt es dennoch Möglichkeiten, ihm zu entfliehen.

Wege, um mehr Selbstachtung zu gewinnen

Einsamkeit ist oft nicht gewollt, kann aber chronisch werden, gerade wenn sie innere Ursachen hat. Ein zu geringes Selbstwertgefühl baut Barrieren auf. Negative Gedanken, die Vorstellung nichts wert oder nicht interessant genug zu sein, wirkt wie ein Hindernis. Um es zu überwinden, muss man mehr Achtung vor sich selbst gewinnen. Das ist möglich, indem man einmal gründlich über sich nachdenkt.

Eine Liste mit Plus- und Minuspunkten hilft dabei, die eigenen Stärken und Schwächen besser zu erkennen. Oft stellt man dabei fest, dass die schlechten Eigenschaften gar nicht so schlimm sind. Sollten jedoch schwerwiegende Fehler wie Jähzorn oder Egoismus zum Vorschein kommen, sollten diese gezielt bekämpft werden.

Beim Bestreben, Minuspunkte herauszufinden und abzuschaffen, sollten aber die guten Eigenschaften nicht übersehen werden. Jeder Mensch hat auch etwas Positives aufzuweisen. Geduld, Gutmütigkeit, Zuverlässigkeit und andere Stärken gleichen kleinere Schwächen wieder aus. Auch "Talente" wie kochen oder handwerkliches Geschick können auf andere anziehend wirken und mehr Selbstvertrauen hervorrufen. Auf jeden Fall gilt, dass man sich erst einmal selbst leiden können muss, damit einen auch fremde Personen mögen. Denn wer sich seiner positiven Seiten bewusst ist, kann sie anderen zeigen.

Wer mehr Selbstachtung hat, dem fällt es außerdem leichter, auf andere zuzugehen. Und genau darin sollte der nächste Schritt bestehen. Mit Menschen ein Gespräch zu beginnen und Interesse an ihnen zu zeigen, überwindet nicht nur die eigene Zurückhaltung, sondern bringt einen auch auf andere Gedanken. Man wird praktisch von der Einsamkeit abgelenkt.

Eigeninitiative ist erforderlich

Auch wenn nicht jede Unterhaltung zu neuen Freundschaften führt, tut es der Psyche gut, unter Menschen zu gehen. Außerdem hilft es dabei, Erfahrungen zu sammeln und Unsicherheiten abzubauen. Ein unaufdringliches nettes Gespräch zu beginnen, ist wie eine Fähigkeit, die man durch ständiges Üben verbessern kann. Auf jeden Fall wird es mehr Erfolg bringen, als darauf zu hoffen, selber angesprochen zu werden. Eigeninitiative ist unumgänglich, um die Einsamkeit wirkungsvoll zu bekämpfen.

Wer andere nicht beachtet, wird dazu womöglich falsch eingeschätzt und für hochnäsig gehalten. Ein Lächeln kann dagegen Türen öffnen. Spätestens, wenn der andere zurücklächelt, ist das Eis gebrochen.

Einfache Fragen fürs erste Gespräch

Eine Unterhaltung mit Fremden sollte anfangs aber nur einfache unverfängliche Themen beinhalten. Fragen, woher jemand kommt oder wie er eine bestimmte Fußballmannschaft findet, lassen in den meisten Fällen niemanden in Verlegenheit geraten. Ein Gespräch ergibt sich dann von ganz allein.

Möglichkeiten, um nette Menschen kennen zu lernen

Um jedoch Menschen kennen zu lernen, mit denen man Freundschaften schließen kann, darf man sich natürlich nicht in den eigenen vier Wänden verschanzen. Ein gutes Mittel, neue Bekanntschaften zu schließen, mit denen man regelmäßig etwas unternehmen kann, ist es, einem Sportverein beizutreten. Informationen dazu findet man nicht nur in den Regionalzeitungen, sondern auch auf entsprechenden Aushängen an den Turnhallen. Es muss auch nicht immer gleich eine anstrengende Sportart sein. Eine Gymnastikgruppe kann ebenfalls viel Freude bringen, und man tut nebenbei etwas für die Gesundheit.

Für weniger sportliche Personen kommen beispielsweise auch Hobby- und Weiterbildungskurse an der Volkshochschule in Frage. Gruppenreisen können ebenso dafür sorgen, auf Gleichgesinnte zu treffen. Manchmal reicht auch schon ein Spaziergang im Stadtpark aus, um jemanden für ein nettes Gespräch zu finden. Es gibt also diverse Möglichkeiten, unter Leute zu gehen.

Sich manchmal einsam zu fühlen, ist nicht schlimm

Es ist übrigens ganz normal, sich manchmal einsam zu fühlen. Solange es nur vorübergehend ist, besteht kein Grund zur Panik. Außerdem muss Einsamkeit nicht unbedingt etwas Negatives sein. Man kann sie auch als eine seelische Erholungsphase ansehen, kann sie nutzen, um seine Gedanken zu ordnen, Kreativität zu entwickeln oder neue Zukunftspläne zu schmieden. Wenn sich dieser Zustand jedoch über einen längeren Zeitraum hinziehen sollte, sollte dringend etwas dagegen unternommen werden.