
- Beispiel für eine Grenzlinie - Dolores Stuttner
Im Jahr 1960 untersuchte der Stadtplaner und Autor Kevin Lynch, wie sich Menschen durch die Stadt bewegen und welche Elemente ihnen als Orientierungspunkte dienen. Das Ergebnis der Studie brachte zu Tage, dass die Wahrnehmung des Ortes mit dessen tatsächlichem Aussehen sehr gut übereinstimmt. Außerdem fand Kevin Lynch heraus, dass sich die wahrgenommenen Stadtbilder der befragten Personen aus insgesamt fünf Elementen zusammensetzten.
Die wichtigsten Elemente einer Stadt
Einen wichtigen Beitrag zur Orientierung leisten die so genannten Wege. Hierunter werden all jene Bereiche verstanden, die des Öfteren von Menschen frequentiert werden und von denen aus die meisten Beobachtungen erfolgen. Dabei kann es sich um Fußwege, Autostraßen oder auch Bahnlinien handeln. Grenzlinien stellen ein weiteres wichtiges Element der Stadt dar. Diese setzen sich aus linearförmigen Objekten zusammen, die nicht als Wege genutzt werden. Hierbei kann es sich um Mauern, Bebauungsränder, aber auch um Flüsse oder schwer überquerbare Verkehrsachsen handeln.
Jene Elemente können in der Stadt sowohl als Trennlinie als auch als Verbindungspunkte wirken. Zu erwähnen sind außerdem die Brennpunkte. Dies sind strategische Punkte, an welchen die Menschen ihre Wege beginnen oder enden lassen. Aus diesem Grund sind sie für das Stadtbild oftmals besonders prägend. Sowohl Plätze, Umsteigebahnhöfe als auch wichtige Knotenpunkte im Straßennetz fallen in jene Kategorie. Von großer Bedeutung für die Bewohner einer Stadt sind ebenfalls die so genannten Bereiche. Hierbei handelt es sich um Stadtteile, die zumeist klar abgegrenzt werden können. Es besteht demnach die Möglichkeit, in diese "hineinzugehen". Jedoch werden sie auch von "innen" heraus als zusammenhängender Bereich wahrgenommen. Beispiele hierfür sind Altstädte sowie große Parkanlagen.
Sehr wichtige Elemente der Stadt sind die Merkzeichen. Diese Objekte stellen optische Bezugspunkte (Landmarks) dar und tragen maßgeblich zur Orientierung in einem städtischen Gefüge bei. Oftmals dienen sie auch als Treffpunkte für Verabredungen. Hierunter fallen sämtliche Bauten, die sich von anderen Bauwerken deutlich abheben. Dies kann sowohl an einem ausgefallenen Baustil, als auch an einer außergewöhnlichen Höhe liegen. Eine günstige Positionierung spielt hierbei allerdings ebenso eine große Rolle.
Welche Schlüsse man daraus für die Planung ziehen kann
Um einer Stadt einen Wiedererkennungswert zu verleihen und den Menschen die Orientierung in dieser zu erleichtern, sollte man stets darauf achten, dass jene fünf Elemente in jedem Siedlungsgefüge in ausreichendem Maße, vorhanden sind. Dies gilt auch für größere Stadtteile. Bei diesen Orientierungspunkten spielt auch die Anordnung derselben eine wichtige Rolle. Diese sollte immer so erfolgen, dass die Elemente sich in ihrer Wirkung gegenseitig steigern. Wegeführungen sollten beispielsweise immer an Besonderheiten und städtebaulich markanten Punkten, wie einem Kirchturm oder einem größeren Platz, vorbeiführen.
Quellen:
- Hotzan, Jürgen. dtv-Atlas Stadt. München 2004.
- Die visuelle Ordnung der Stadt
