Die Elsbeere (Sorbus torminalis) - Baum des Jahres 2011

Baum des Jahres 2011 Elsbeere - Elsbeerreich NÖ
Baum des Jahres 2011 Elsbeere - Elsbeerreich NÖ
Vorstellung der nahezu unbekannten "Elsbeere", ihr natürliches Vorkommen und damit verbunden ihre Prägung der Landschaft, sowie ihre Nutzung.

Wie so oft kürte der Naturschutzbund einen Baum, der bereits vom Verschwinden in unseren Wäldern bedroht ist, zum Baum des Jahres 2011. Nachdem die Elsbeere wiederholt auf der Auswahlliste stand, wurde sie nun endlich wirklich erwählt.

Wer oder was ist die "Elsbeere"?

Die Elsbeere (Sorbus torminalis) gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae), zur Unterfamilie der Kernobstgewächse (Pyrinae) und zur Gattung der Mehlbeeren (Sorbus). Mit einer durchschnittlichen Wuchshöhe von 3 bis 20 m, ihrer rundlich ausladenden Form und ihren erst ab dem 12. Jahr einsetzenden weißen Blütendolden, ist sie ein eindrucksvoller Baum, besonders wenn sie frei steht. Die Früchte sind klein und hellbraun, allerdings botanisch keine Beeren, sondern winzige Apfelfrüchte.

Der Stamm der Elsbeere ist anfangs glatt und leicht fleckig, wird zunehmend rissig. Die Blätter sind wechselständig und gestielt und ähneln dem Feldahorn. Die aufrecht stehenden weißen Doldenblüten erscheinen im Mai und Juni. Die Frucht ist eine ovale hellbraune, nur 1 bis 1,5 cm lange Apfelfrucht mit säuerlichem Geschmack. Ihre volle Wirkung entfaltet die «Schöne Else» im Herbst. Dann leuchten die Blätter, die ein wenig dem Ahornblatt ähneln, in feurigem Rot. Die Elsbeere kann ein Alter von mehr als 200 Jahren erreichen.

Die Namensgebung der Elsbeere

Der wissenschaftliche Name ist abgeleitet von lateinisch "sorbere" (schlürfen) und "torminalis" (gut gegen Kolik)

Die älteste bekannte Erwähnung der Bezeichnung "Elsbeere" stammt von Martin Luther (1483 - 1546). In einer Notiz zu einer Behandlung seiner Frau Katharina von Bora, ist die älteste bisher bekannte Nennung "Elsbeere" zu finden.

Allerdings wird dieser Baum auch als Ruhrbirne bezeichnet, da die Beeren als traditionelles, pflanzliches Heilmittel gegen Koliken galten. Des Weiteren ist sie auch unter den Namen Atlasbaum, Adlitzbeere, Arlsbeere, Arisbeere, Elzbeere, Schweizer Birnbaum sowie Wilder Sperberbaum bekannt.

Wo wächst die Elsbeere?

Die Elsbeere stammt aus den temperierten Klimazonen in Europa, Westasien und Nordafrika. Sie ist also Wärme liebend, deshalb könnte dieser Baumart der Klimawandel zugute kommen. Die Elsbeere verträgt Trockenheit und Hitze und trotzt mit ihren starken Wurzeln Stürmen. Die Bäume bevorzugen kalk- und lehmhaltige, trockene Böden. Sie kommt in lichten Laubmischwäldern, in Gesellschaft von Flaumeiche, Ziereiche, Traubeneiche, Manna-Esche, Hopfenbuche und Wolligem Schneeball vor. Bestens geeignet ist sie in milden Lagen auf Streuobstwiesen.

Heute findet man sie in Deutschland noch an Rhein, Ahr, Mosel, Neckar und Saale - «wo Wein wächst, fühlt auch die Elsbeere sich wohl». Die höchste bekannte Elsbeere der Welt mit 35 Metern Höhe steht in Groß Lengden in Süd-Niedersachsen. In Deutschland gibt es seit 1993 einen Förderkreis Speierling / Elsbeere , in dem sich Liebhaber dieser beiden Baumarten zusammengefunden haben und Veranstaltungen zur Förderung organisieren.

Elsbeerenlandschaft in Österreich - "Elsbeerreich"

In Niederösterreich, circa 50 km westlich von Wien, gibt es eine besonders eindrucksvolle und einmalige Elsbeeren-Landschaft. Das Gebiet befindet sich auf einer Seehöhe von 300 - 500 m. Die großkronigen, freistehenden Elsbeerbäume, bilden eine Landschaft, die weltweit einzigartig ist.

Man nennt es sogar das "Elsbeerreich". Derzeit bestehen rund 300 bis 400 „alte“ Elsbeerenbäume in dieser Region. Das Gebiet umfasst den südwestlichen Teil des Wienerwaldes, welcher von den Flüssen Traisen, Gölsen und Triesting im Südwesten und den Flüssen Tulln und Laabenbach im Osten begrenzt wird.

Jährlich am zweiten Samstag im Mai, findet ein Elsbeertag statt, an dem in der Markthalle Michelbach alles rund um die Elsbeere vorgestellt wird: Kunst, kulinarische Delikatessen, Holzarbeiten, dazu gibt es Vorträge und eine Wanderung zu besonders schönen Bäumen in der Landschaft. Es wurde extra ein 'Verein zur Erhaltung, Pflege und Vermarktung der Elsbeere' gegründet, der sehr aktiv ist.

Der Nutzen der Elsbeeren-Frucht

Keine andere einheimische Frucht hat so viel Vitamin C wie die Elsbeere. Außerdem finden die Früchte des Elsbeerenbaumes in der traditionellen Medizin Verwendung, zurückzuführen auf seine adstringierende Wirkung durch den hohen Tanningehalt. Die Beeren schmecken leicht säuerlich und entfalten mit zunehmender Reife und nach dem ersten Frost schließlich einen mandel-marzipanähnlichen Geschmack und das Aroma erinnert an jenes von Äpfeln und Birnen. Die reifen Früchte schmecken sandig-mehlig und säuerlich-süß. Sie weisen einen hohen Gehalt an Vitamin-C, Pektin, Flavonolglycoside und Fruchtsäuren auf.

Die Elsbeeren finden zum Knabbern für zwischendurch auch als Müslizugabe Verwendung. Sogar zu Elsbeerschokolade wird sie regional verarbeitet. Hauptsächlich wird aus den Elsbeeren jedoch ein teurer Edelbrand destilliert. Da die Ernte jedoch händisch erfolgen muss, haben diese Produkte einen entsprechenden Preis.

Der Wert des Elsbeeren-Holzes

Ihr Holz ist ähnlich hart wie Birnenholz, es ist feinporig und sehr kompakt, jedoch leicht zu bearbeiten. Wurde es früher, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, als der Baumbestand noch hoch war, sogar noch oft als Brennholz verwendet, so ist es heute eine kostbare Rarität. Man bemüht sich jedoch aus forstwirtschaftlichem Interesse um verstärkte Wiederanpflanzung.

Heute ist das Holz der Elsbeere in der Möbelindustrie gefragt - weil es so elastisch und gut polierbar ist. Wegen seiner samtigen Oberfläche bekam es den Beinamen «Seidenholz». Möbelstücke aus dem Holz der Elsbeere sind zumeist Unikate und besonders wertvoll. Außerdem wird es wegen seiner guten Resonanzfähigkeit auch zum Instrumentenbau (Flöte) verwendet.

Wahl zum Baum des Jahres

Die «Schöne Else» friste in deutschen Wäldern nur noch ein Schattendasein, sagte der Präsident der Stiftung "Baum des Jahres", Silvius Wodarz, am 28. Oktober 2010 in Berlin. Mit der Kür eines Baumes wird seit 1989 vom Naturschutzbund jedes Jahr auf eine einheimische Art aufmerksam gemacht. Durch Pflanzaktionen und Baumpatenschaften soll das Bewusstsein für die Natur wieder mehr geschärft werden.

Das Motto lautet: Man muss Bäume nicht neu erfinden, man muss sie nur neu entdecken!

Quelle: Dr. Silvius Wodarz Stiftung "Baum des Jahres"

Quelle: Der große Naturführer "Bäume", Kaiser Verlag, Klagenfurt, 2002;

Quelle: Der BLV Pflanzenführer, Schauer-Caspari, BLV

Fotonachweis: Solitärbaum,Elsbeerreich; Herbstblatt, SKB

Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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