Die Emscher von der Quelle bis zur Mündung

Luftaufnahme vom Rhein-Herne-Kanal und Emscher, OB - Dieter Schütz, Pixelio
Luftaufnahme vom Rhein-Herne-Kanal und Emscher, OB - Dieter Schütz, Pixelio
Die „Kloake des Ruhrgebiets" fließt auf einer Länge von 72 Kilometern von Holzwickede bei Dortmund nach Dinslaken am Niederrhein.

Holzwickede ist eine Nachbarstadt von Dortmund, die östlich an diese angrenzt. Bereits an der Quelle ist die Emscher eingedeicht und mit einem Betonbett versehen, so wie viele ihrer Nebenflüsse im Ruhrgebiet auch – sofern nicht bereits Renaturierungsmaßnahmen vorgenommen wurden oder werden.

Der Lauf der Emscher

Auf ihrem 72 Kilometer langen Weg durchfließt die Emscher die Ruhrgebietsstädte Dortmund, Castrop-Rauxel, Herten, Recklinghausen, Herne, Gelsenkirchen, Essen, Bottrop, Oberhausen und Dinslaken, wobei Dinslaken als Nachbarstadt Duisburgs bereits zur Region Niederrhein zählt.

Im Stadtteil Eppinghofen in der Siedlung Am Stapp mündet die Emscher über einen kleinen Wasserfall in den Rhein. Etwa sieben Kilometer vor der Mündung befindet sich auf der Stadtgrenze Duisburg-Wehofen – Dinslaken-Hiesfeld das Klärwerk Emschermündung, in dem das Wasser des Flusses biologisch gereinigt wird. Auf den letzten hundert Metern vor der Mündung ist das Wasser immerhin so sauber, dass sich sogar Möwen auf der Oberfläche tummeln, was im übrigen Lauf der Emscher nicht der Fall ist. Normalerweise riecht die Emscher gerade an heißen Sommertagen, wenn sie nur wenig Wasser führt, aufgrund des Schlamms auf ihrem Grund nach faulen Eiern, kurz vor der Mündung in den Rhein ist der Duft zwar wesentlich angenehmer, aber auch Am Stapp riecht der Fluss eher nach Weichspüler und Chemie. Das Klärwerk Emschermündung wurde 1976 in Betrieb genommen.

Verlegung der ursprünglichen Emschermündung

Ursprünglich mündete der Fluss einst auf Duisburger Stadtgebiet in den Rhein, die mit Unterhaltung, Wartung, Renaturierung und Pflege der Emscher beauftragte Emschergenossenschaft mit Sitz in Essen hat die Mündung aus Gründen von Bergsenkungen und nicht versiegelten Flächen nach Dinslaken verlegt. Heute erinnern noch die Kleine Emscher und die Alte Emscher, die in Duisburg-Fahrn beziehungsweise Duisburg-Bruckhausen endet, an den ursprünglichen Lauf des Flusses.

Renaturierungsmaßnahmen: Pilotprojekt Dellwiger Bach in Dortmund

Unter Renaturierung ist die Befreiung der Emscher und ihrer Nebenflüsse aus ihren Betonbetten zu verstehen, sodass die Abwässer, die ursprünglich oberirdisch geführt wurden, durch massive unterirdische Rohre abgeleitet werden. Hierdurch sollen die Flussläufe ihre ursprüngliche natürliche Form zurückerhalten, wobei die Landschaften mit Sumpflandschaften und Teichen als Regenrückhalteflächen aufgewertet werden.

Zwischen 1982 und 1986 war der Dellwiger Bach in Dortmund-Lütgendortmund der erste Nebenfluss der Emscher, der wieder renaturiert wurde. Auch an anderen Emscher-Zuflüssen werden bereits Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt oder sind sogar bereits abgeschlossen – am Läppkes Mühlenbach auf der Stadtgrenze Essen-Frintrop/Oberhausen wurden die Maßnahmen zwischen Dezember 1989 und April 1991 erfolgreich abgeschlossen. Die Renaturierungsmaßnahmen am (Borbecker) Mühlenbach, der die Essener Stadtteile Haarzopf, Margarethenhöhe, Fulerum, Frohnhausen, Schönebeck, Altendorf, Bochold und Bergeborbeck durchfließt, ist bereits auf einem Teilstück im Mühlbachtal in Margarethenhöhe/Fulerum vollständig renaturiert, die Maßnahmen werden für den weiteren Flusslauf vorangetrieben.

Weiteres großes Klärwerk für die Emscher in Bottrop-Alt-Welheim

1993/1994 wurde das umgebaute Klärwerk in Bottrop in Betrieb genommen. Hieran angegliedert sind auch kleinere Klärwerke für die Nebenflüsse Berne und Boye. Die Boye, die aus dem Bottroper Norden zur Emscher fließt, ist bereits im Oberlauf renaturiert, die Berne, die unweit der Emschergenossenschaft im Essener Südostviertel entspringt, durchfließt die Essener City sowie die nördlichen Stadtteile Altenessen und Vogelheim. Sie überquert die Stadtgrenze in Bottrop-Ebel.

1994 wurde am Klärwerk in Alt-Welheim ein Info-Pavillon für interessierte Besucher eröffnet – mit Informationen zur Geschichte, zu geplanten Renaturierungsmaßnahmen und vielem mehr.

Fast 100 Pumpwerke an der Emscher für die Entwässerung

Neben diversen Kläranlagen gibt es insgesamt 95 Pumpwerke entlang des Flusses , die ein 330 Quadratkilometer großes Areal im Ruhrgebiet entwässern, das aufgrund bergbaulicher Einflüsse abgesunken ist. Das älteste Pumpwerk steht in Duisburg an der Alten Emscher und wurde 1914 in Betrieb genommen.

Bisher nur ein renaturiertes Teilstück der Emscher

Die Alte Emscher in Duisburg verfügt bereits über ein renaturiertes Teilstück, der Hauptstrom bis zur Mündung jedoch nicht.

Auch wenn geplant ist, die Emscher bis 2020 zu renaturieren, so ist dies bis dato erst auf einem Teilstück im Westfalenpark in Dortmund-Hörde der Fall. Durch das übrige Ruhrgebiet fließt sie weiterhin unverändert zwischen den hohen Deichen in ihrem Betonbett. Kurz vor der Mündung in Dinslaken-Eppinghofen wirkt sie zwar wesentlich naturbelassener als im Ruhrpott, von einem natürlichen Flusslauf ist sie jedoch aufgrund der schnurgeraden Streckenführung zum Rhein trotzdem weit entfernt. Direkt am Emscherdeich steht eine kleine Siedlung mit Einfamilienhäusern, deren Gärten sich an den Deich anschmiegen.

Quelle u. a.:

Informationsmaterial der Emschergenossenschaft, 45128 Essen

------------------------

Bildnachweis:

Alte Emscher in Duisburg: © Thomas Max Müller, Pixelio

Luftaufnahme Emscher und Rhein-Herne-Kanal in Oberhausen; Kraftwerk am Niederrhein: © Dieter Schütz, Pixelio

Faultürme Emscherklärwerk Bottrop: © Christian Evertsbusch, Pixelio

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

rss