
- Bahnhof Bövinghausen: Es war einmal ein Kohlenpott - mytrainsim.de
Die RB43 von Dortmund nach Wanne/Eickel ist nicht gerade die Vorzeige-Bahnstrecke des Reviers. Kein anderer Zug fährt so langsam, kaum andere Bahnstationen sind derart heruntergekommen wie jene der Emschertalbahn. Manchmal erscheint es als ein wahres Wunder, dass der Triebwagen überhaupt noch durch das Unterholz kommt und den Zielbahnhof erreicht. Und doch bekommt diese vernachlässigte „Bimmelbahn“ mit der Zeit immer mehr Fürsprecher.
Diese „Emschertal-Bahn“ ist ein Relikt aus den Pioniertagen der Eisenbahn. Sie wurde 1878 fertiggestellt und schwingt sich seither in weiten Bögen, weitab der damaligen Siedlungskerne, von einem Bergwerk zum nächsten. Personenverkehr spielte hier lange keine Rolle – wenn, dann waren es „Schichtzüge“ für Bergleute.
Das Ende des Ruhrbergbaus hätte auch das Ende der Emschertal-Bahn sein sollen – so wollte es die Bundesbahn, die damals unrentable Strecken reihenweise stilllegte. Seit bald fünfzig Jahren wird kaum mehr in die Trasse investiert: Zechengleise und Güterbahnhöfe sind verschwunden, die Trasse selbst auf ein einziges Gleis reduziert, die Bahnstationen im freien Verfall. Und doch überlebte die heutige RB43 alle Krisenzeiten – inzwischen verlangen die Kommunen sogar ihren langfristigen Ausbau, womöglich gar zur S-Bahn.
Von Dortmund Hbf nach Bövinghausen: Huckarde, Marten, Lütgendortmund
Die RB43 fährt ab Dortmund Hbf immer um .32 ab Gleis 23, ein blaugelber Talent-Triebwagen der Nordwestbahn. Zuerst folgt sie dem Streckenverlauf des RE3 in Richtung Mengede, ehe sie sich mit einer Linkskurve „in die Büsche“ schlägt. An der Kokerei „Hansa“ vorbei rollt sie gen Huckarde Nord, in deren Bahnhof sich vor Jahren eine Gaststätte eingenistet hat; sogar der WDR berichtete darüber.
Über Dortmund-Rahm geht es nach Marten Nord, einer Plattform in der Wildnis. Nur eine wild überwucherte Geröllhalde erinnert noch an den Verlade-Bahnhof der Zeche „Germania 2/3“, die 1976 geschlossen wurde. Ihr Förderturm überragt heute das Bergbau-Museum in Bochum.
Via Lütgendortmund Nord geht es nach Bövinghausen. In Fahrtrichtung links lagen einmal bis zu zwölf Rangiergleise, denn hier wurde die Kohle von „Zollern 2/4“ verladen, das im In- und Ausland bekannte Industriedenkmal mit Maschinenhalle und alledem befindet sich nur 200 Meter die Straße hinunter – und hätte sicherlich einen besser instandgesetzten Bahnsteig verdient. Das Gebäude wurde 1980 abgerissen.
Von Bövinghausen nach Wanne/Eickel: Merklinde, Castrop, Börnig, Herne
Nun folgt der besterhaltene Abschnitt der gesamten Strecke. Die Stationen Merklinde und Castrop Süd (manche Anwohner sagen „Castrop Altstadt“) sind vergleichsweise gut in Schuss und die Gleise auch. Dieser Abschnitt war 1874 als erstes gebaut worden, um Zeche „Erin“ (Gälisch für "Irland" - sie wurde von einem Iren gegründet!) anzubinden, deren Förderturm noch heute die Stadt überragt.
Das nächste Industriedenkmal wartet in Herne-Börnig: Weniger der Bahnhof (eine Bushaltestelle mit der gewohnten Tristesse), sondern der Förderturm der Zeche „Teutoburgia“ mitsamt der 1914 erbauten Gartenstadt-Kolonie. Beides steht heute unter Denkmalschutz.
Hinter Börnig schwenkt die Emschertalbahn schließlich zurück auf die Hauptstrecke von Dortmund nach Oberhausen. Der Bahnhof von Herne (kein Hbf – der befindet sich in Wanne/Eickel) diente bis 1961 ebenfalls als Zechen-Anschluss (für "Providence") und wurde vor einigen Jahren renoviert, zuletzt waren die Bahnsteige an der Reihe. - Hier wie auch in Wanne/Eickel Hbf hält die RB34 am hintersten Bahnsteig, wie auch in Dortmund Hbf. Von hier aus fährt sie dann weiter nach Dorsten über Buer Süd und Gladbeck Ost
Zukunftspläne: „S-Bahn Light“?
Seit der Renaissance des Eisenbahn-Verkehrs ist auch die RB43 ins Blickfeld von Erneuerern geraten. Trotz des um 1980 errichteten S-Bahn-Netzes im Dortmunder Westen ist die Emschertal-Bahn für viele Vororte die einzig erreichbare Bahnstrecke weit und breit. Entsprechend ist die Zahl der Fahrgäste in den letzten Jahren sogar gestiegen – und sie könnte noch weiter steigen, wenn man nur längere und mehr Züge auf die Gleise bringen könnte.
Doch dazu bedürfte es eines durchgehend zweigleisigen Ausbaus, längerer Bahnsteige, ausreichend Weichen – kurzum: alles, was die Kohlenbahn vor fünfzig Jahren noch besaß. Die sieben Anrainer-Kommunen (Dortmund, Castrop-Rauxel, Herne, Gelsenkirchen, Gladbeck, Bottrop, Dorsten) haben den VRR aufgefordert, die RB43 langfristig zu verpachten und nicht immer nur für ein Jahr. Diese mittelfristige Bestandsgarantie wäre der erste Schritt. Neue Stationen sollen gebaut, vorhandene modernisiert und an den ÖPNV angebunden, ein 30-Minuten-Takt eingeführt werden.
Es gab in 1990er Jahren sogar den Plan, die S-Bahn-Linie 4 von deren Endstation Lütgendortmund Mitte unterirdisch nach Bövinghausen durchzubinden und bis Wanne-Eickel zu verlängern. Doch technische Schwierigkeiten und Gerichtsprozesse ließen diesen Traum vorerst platzen. Quo vadis, Emschertalbahn?
Quellen:
- Literatur: Potthoff u.a.: „Dortmund entdecken – 25 Stadtrundgänge“, Dortmund 1996
- Internet: Der Westen, 14.Juli 2010: „Sieben Städte wollen Emschertalbahn retten“
- Internet: Mytrainsin.de: „Emschertalbahn“.
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