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Die Entführung der U-Bahn Pelham 123

Der neue Actionthriller mit Denzel Washington und John Travolta

Filmplakat zu Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 - Sony Pictures Releasing GmbH
Filmplakat zu Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 - Sony Pictures Releasing GmbH
Im Actionthriller "Die Entführung der U-Bahn Pelham 123" kämpft Denzel Washington gegen John Travolta, der Geiseln in einer voll besetzten U-Bahn in New York nimmt.

Die volle New Yorker U-Bahnlinie Pelham 123 wird zum Schauplatz eines Verbrechens, als vier bewaffnete Männer sie entführen und die Passagiere samt Zugführer als Geiseln nehmen.

Überrascht von dieser Tat merken die Bahninspektoren in der Schaltzentrale bald, dass es kein Scherz ist. Fahrdienstleiter Walter Garber (Denzel Washington) muss mit dem kaltblütigen Anführer der Bande, Ryder (John Travolta), verhandeln. Dieser verlangt in einer Stunde 10 Millionen Dollar Lösegeld. Andernfalls will er die Geiseln nacheinander töten.

"The Taking of Pelham 123" – das Remake nach 35 Jahren

Lange Zeit wurde in Hollywood über ein Remake von "The Taking of Pelham 123" gemunkelt, bis Actionfilm-Spezialist Tony Scott die Regie übernahm. Kein Wunder, dass er Denzel Washington für die Hauptrolle besetzte, hatte er schon drei Blockbuster mit ihm gedreht – "Crimson Tide" (1995), "Man on Fire" ("Mann unter Feuer", 2004) und "Deja Vu" (2006). Als gleichwertigen Gegner zum charismatischen Washington wählte man John Travolta, der schon als Bösewicht in den John-Woo-Filmen "Broken Arrow" (1995) und "Face/Off" (1997) überzeugte.

"The Taking of Pelham 123" gilt als der Prototyp des amerikanischen Actionkinos. Schon das Buch von John Goody von 1973 fesselte Millionen Leser, brachte es doch die politischen Terroranschläge und die Paranoia der Vietnam-Kriegs-Ära in einem spannenden Actionplot unter.

Bereits 1974 wurde der Roman von Joseph Sargent in New York verfilmt, mit Walther Matthau als kauzigem Garber und James-Bond-Bösewicht Robert Shaw als Ryder. Die vierköpfige Entführerbande tarnte sich mit angeklebten Bärten, Brillen, Hüten und den Spitznamen Mr. Blue, Mr. Grey, Mr. Green und Mr. Brown, was Quentin Tarantino später in seinem Debütfilm "Reservoir Dogs" übernahm.

"Stoppt die Todesfahrt in U-Bahn 123" – ein Actionklassiker der 1970er Jahre

"Stoppt die Todesfahrt in U-Bahn Pelham 123", so der deutsche Verleihtitel, wurde zu einem fulminanten Actionreißer der 1970er Jahre, in dem sich Cops und Gangster ein Pokerspiel um Menschenleben und Moneten liefern, das schließlich in einer Amokfahrt in der führerlosen U-Bahn endet. Der Film stand Pate für Nachahmer wie "Speed", "The Fast And The Furious", "The Transporter", "Crank" und "Lethal Weapon".

1998 folgte eine blutarme TV-Version des Stoffs mit den TV-Serienhelden Vincent D'Onofrio ("Criminal Intent") und Edward James Olmos ("Miami Vice") in den Hauptrollen. Nun also das offizielle Remake dieses furiosen Werbefilms für New York, der nicht umsonst vom Fremdenverkehrsamt der Stadt gesponsert wurde. Die zynische Liebeserklärung an den "Big Apple" der Originalversion wurde zeitgerecht auf Hochglanz poliert.

Schon die ersten Szenen zeigen die Skyline von New York City, rapide Schnitte des U-Bahn-Verkehrs und wuchtige HipHop-Grooves, Metal-Akkorde und Techno-Beats von Harry Gregson-Williams, die den groovenden Big-Beat-Jazz-Soundtrack von David Shire in der 1974er-Version abgelöst haben.

Tony Scott inszenierte die Neufassung als modernen Action-Thriller

Die Bilder von Regisseur Tony Scott erschlagen den Zuschauer und saugen ihn auf wie ein Blatt Papier, das durch den Sog der U-Bahn-Winde gewirbelt wird – ein Prinzip, dass schon seine letzten Filme wie "Man On Fire", "Deja Vu" und "Staatsfeind Nummer 1" geprägt hat.

Auch für "Die Entführung der U-Bahn Pelham 123" wählte Scott eine radikale Bildsprache, die mit dreckigen Filtern die stählerne Kraft der U-Bahn als dritten Hauptdarsteller in Szene setzt – und dass, obwohl der Zug den Großteil des Films über steht. In diesem massiven "Stahlgewitter" liefern sich Washington und Travolta pointierte und abstruse Wortgefechte, in denen Ryder den verhaltenen Garber dominiert, bis dieser den Spieß umdreht.

Für die gelungenen Dialoge ist Drehbuchautor Brian Helgeland ("L.A. Confidential") verantwortlich. Dieser Aspekt ist neu im Film, beschränkten sich die Dialoge im Original doch nur auf notwendige Konversationen.

Ein spannendes Psychoduell zwischen Denzel Washington und John Travolta

In Tony Scotts Version bereichern die Darstellungen von Washington und Travolta den Plot, der schnell zum mörderischen Kampf um die Zeit wird und Garber, der das Lösegeld überbringen soll, von Ort zu Ort und von Entscheidung zu Entscheidung hetzen lässt.

Diesmal ist Denzel Washington aber keine starke Führerfigur oder ein eiskalter Racheengel, sondern ein fast schüchterner Opportunist, der sich um Entscheidungen drückt, von seinen Kollegen gemobbt wird und mit seiner Familie in einem Vorort-Reihenhaus wohnt. Zudem ist er degradiert worden, weil er Schmiergelder angenommen hat.

John Travoltas Figur dagegen ist ein kaltblütiger Psychopath, der mit seinen Mitmenschen spielt, zu Wutausbrüchen neigt und über Leichen geht. Garber drangsaliert er bis aufs Blut, um ihm bei seinen Telefongesprächen zwischen U-Bahn-Führerstand und Schaltzentrale intimste Geheimnisse zu entlocken.

"Die Entführung der U-Bahn Pelham 123" – Duell der Hollywoodstars

Dass Garber im Mittelpunkt steht und den Helden spielen muss, ist diesem gar nicht recht, und man nimmt Washington die Rolle des verzweifelten, erniedrigten Beamten ab – auch wenn sich Garber filmgerecht am Filmende zum Helden aufschwingt und dem finalen Duell stellt.

Auch Travoltas Gangsterrolle, ausgestattet mit Bürstenschnitt, Gangster-Schnauzbart und Tattoos, zeigt im Verlauf des Films weitere Facetten seiner Psyche und deckt seine Beweggründe auf. Und dass die New Yorker Wall Street und die Börsenkurse eine wichtige Rolle spielen, kann als bissiger Kommentar zur Finanzkrise und das gegenwärtige Bild raffgieriger Banker und Topmanager gesehen werden.

Die modernen Massenmedien spielen eine wichtige Rolle im Film, denn das eingeschränkte Medienarsenal von 1974 musste den modernen Kommunikationsplattformen von 2009 weichen. Und so bekommen Handys, Internet, Börsenticker, Google, Facebook und Webcam-Chats inklusive Cybersex-Striptease ihren Platz eingeräumt.

Gute Nebendarsteller mit John Turturro und James Gandolfini

Auch die Nebendarsteller sind hervorragend besetzt. John Turturro, langjähriger Darsteller in den Independent-Filmen von Spike Lee und den Coen-Brüdern und zuletzt in Blockbustern wie "Transformers" aktiv, spielt einen aalglatten und zynischen Geiselvermittler ebenso glaubwürdig wie James Gandolfini ("Die Sopranos") seine Rolle als opportunistischer Bürgermeister von New York, der das Lösegeld freigibt und seinen Part als Gangsterboss quasi wiederholt.

Die restlichen Gangmitglieder Ryders bleiben leider blass und konturlos, bilden aber mit einem bösen Schwarzen mit zertrümmertem Nasenbein, einem asiatischen Skinhead und einem gewalttätigen, bärtigen Araber die bekannte Bösewichter-Palette ab. Auch die Zugpassagiere spielen im Vergleich zum Original keine Rolle.

"Die Entführung der U-Bahn Pelham 123" – Filmstart am 24.09.2009

"Die Entführung der U-Bahn Pelham 123" ist ein unterhaltsamer Actionfilm, der von seinen Hauptdarstellern lebt. Für Actionsfans ist der Film Pflicht, und man versteht kaum, warum der deutsche Filmstart von Mai auf den September 2009 verschoben worden ist.

Einen Trailer und ein Gewinnspiel gibt es auf der deutschen Website zum Film.

"Die Entführung der U-Bahn Pelham 123" (USA 2009). 106 Minuten. FSK 16. Kinostart: 24.09.2009.

Uwe Wolfrum, Uwe Wolfrum

Uwe Wolfrum - Geboren 1967 in Oberfranken, aufgewachsen in Hessen, gestrandet in Hamburg. Studium der Germanistik, Medienwissenschaften, Anglistik und ...

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