Während der Zeit der Missionierungen wurden viele religiöse Begriffe aus den germanischen Sprachen aufgegriffen. Dies führte zu einer Vermischung christlicher und vorchristlicher Vorstellungen, die den missionierten Stämmen den Übergang zum Christentum erleichtern sollten. Dazu wurden bereits bestehende Begriffe mit religiösem Inhalt aufgegriffen und mit einem ähnlichen, christlich geprägten Inhalt versehen.
Die Entstehung des Wortes "Hölle"
Das neuhochdeutsche Wort „Hölle“ wird auf das germanische Wort *hel- zurückgeführt. *hel- steht ursprünglich für “verbergend“. Als Substantiv ist das germanische *haljô rekonstruiert worden, das im vorchristlichen Sinne die Unterwelt bezeichnet. Das lange o verändert sich im Zuge der ersten Lautverschiebung als auf ein j folgend zu einem einfachen a, *haljô wird im Gotischen also zu halja. Durch die westgermanische Konsonantengemination wird das l nun verursacht durch das nachfolgende j zu einem ll geminiert, so dass das Wort im Althochdeutschen und Altsächsischen nun „hell(i)a“ lautet. Im Mittelhochdeutschen folgte nun ein Lautwandel, der aus „hellia“ das mittelhochdeutsche „helle“ schafft. Als weitere verwandte Relikte sind im Deutschen das Verb „(ver-) hehlen“ und Sonderbedeutungen wie „Hellegat“ bekannt, die aber keine ältere Bedeutung enthalten, sondern lediglich bildlich übertragen wurden.
Ostern - ein vorchristlicher Begriff
Das Wort „Ostern“ ist zum ersten Mal im Althochdeutschen als „ôstara“ zu finden. Der genaue Ursprung des Begriffes ist aber unbekannt. Zur Entstehung gibt es drei Theorien: Seit dem 5. Jahrhundert nach Christus wurde die lateinische Bezeichnung „albae“ für das Osterfest verwendet wurde. „Alba“ selbst bedeutete im Französischen „Morgenlicht“. Da die Sonne im Osten aufgeht, könnte das althochdeutsche „ôstara“ hier „alba“ ersetzt haben.
Eine weitere Theorie ist, dass mit „ôstara“ ursprünglich ein heidnisches Fest bezeichnet wurde, das der Göttin Eostre gewidmet war. Vermutlich war diese Göttin auch unter dem Namen *Austro bekannt, allerdings ist deren Existenz nur sehr unzureichend belegt. Denkbar wäre auch, dass unser Wort sich hier nicht auf eine Göttin bezieht, sondern auf den Zeitpunkt der Morgendämmerung, die ebenfalls als „ôstara“ bezeichnet wurde und im Christentum eine wichtige liturgische Bedeutung hatte.
Die dritte, recht moderne Theorie sieht germanische Wasserweihen als Ursprung des Begriffes. Ihm zufolge war die Osterzeit die Zeit der Taufe, weshalb eine solche Übernahme des germanischen Begriffes naheliegend wäre. Abschließend lässt sich aber nicht klären, welchen semantischen Ursprung das Wort „Ostern“ heute hat. Fest steht nur, dass der Begriff ursprünglich vorchristlich gebraucht wurde. „ôstern“ selbst war im Mittelhochdeutschen die Pluralform des Substantivs „ôster“, die dann im Neuhochdeutschen als Pluralismus übernommen wurde.
Quellen:
Barr, James, Bibelexegese und moderne Semantik, Kaiser Verlag München, 1965
Betz, Werner, Deutsch und Lateinisch. Die Lehnbildungen der althochdeutschen Benediktinerregel, Bouvier Verlag, Bonn 1965
Fritz, Gerd, Historische Semantik, J.B. Metzler, Stuttgart 1998
Mackensen, Lutz, Deutsche Etymologie, Carl Schünemann Verlag, Bremen, 1962
