
- Weihnachtskrippe - Bernd Teuber
Jedes Jahr zur Winterzeit werden fast überall auf der Welt Weihnachtskrippen aufgestellt. Aber nicht immer beschützen Ochse und Esel das Jesuskind. Zu einer Holzkrippe aus Kenia gehören Büffel, Elefanten, Nilpferde und ein Warzenschwein. In einer Tonkrippe aus Argentinien gesellen sich Hunde, Lamas, Vögel und Gürteltiere zu der Heiligen Familie. In Finnland sind Rentiere dabei. Christen bezeichnen die biblische Erzählung der Geburt Jesu in Bethlehem als die schönste Geschichte der Welt. Seit vielen Jahrhunderten versuchen sie, das Mysterium der Heiligen Nacht bildlich darzustellen. Doch niemand weiß genau, wann die Geschichte der Weihnachtskrippen begann. Viele sehen ihren Ursprung in der theaterhaften Darstellung des Heiligen Franz von Assisi. Im Wald von Greccio, in den Sabinerbergen nördlich von Rom soll er im Jahr 1223 für die Menschen des Dorfes gepredigt haben - vor einer mit Heu gefüllten Futterkrippe, mit einem lebenden Ochsen und einem Esel. Josef, Maria und das Kind fehlten jedoch.
Bei der Gestaltung der Weihnachtskrippen kennt die Fantasie keine Grenzen
Die gotischen Schnitzaltare mit den Darstellungen der Geburt Christi gelten ebenfalls als Vorläufer der Krippen, obwohl die einzelnen Szenen nicht aus dem Altar entfernt werden konnten. Erst im 16. und 17. Jahrhundert trugen vor allem die Jesuiten die Idee der Weihnachtskrippe in die Welt. Die erste sicher bezeugte Jesuitenkrippe stand 1560 im Kolleg zu Coimbra in Portugal. Kurz danach schmückte der Orden seine Gotteshäuser auch in Zaragoza, Prag, Wien und München mit den Figuren aus der biblischen Geschichte.
Bald verbreitete sich die Idee über die Missionsländer nach Übersee. Ob Höhle, Stall oder Palast, bei der Gestaltung der Weihnachtskrippen kennen Fantasie und Vielfalt keine Grenzen. Oft wird die Heilige Familie auch von Szenen aus dem täglichen Leben umgeben. Dadurch fühlen sich die Menschen mit dem zeitlich und räumlich so fernen Geschehen in Bethlehem verbunden. So wurden zum Beispiel römische Barockkrippen des 18. Jahrhunderts von der sanften italienischen Landschaft umgeben oder eingerahmt von den römischen Ruinen.
Die älteste Krippe Deutschlands befindet sich im Augsburger Dom
Bayrische Krippen stehen zumeist auf alpinem Felsgestein, norddeutsche in hügeliger Heidelandschaft. Marktszenen, Trachten, Handwerk, Spiel und Tanz zeigen Typisches der verschiedenen Regionen. Zu den berühmtesten zählen bis heute die neapolitanischen Krippen, deren Köpfe an die Masken der italienischen Commedia dell'arte erinnern. Die älteste heute noch existierende Kirchenkrippe Deutschlands stammt aus dem Jahr 1590 und befindet sich im Augsburger Dom. Bevor im 19. Jahrhundert der Christbaum allgemeine Verbreitung fand, bildete die Krippe den Mittelpunkt der familiären Weihnachtsfeier. Man stellte sie bereits zu Beginn der Adventszeit auf. Nach und nach kamen dann immer mehr Figuren hinzu, bis schließlich am 24. Dezember das Jesuskind in die Krippe gelegt wurde.
Quelle: Gerhard Bogner: "Das neue Krippenlexikon, Wissen - Symbolik - Glaube", Fink, Lindenberg 2002, ISBN 3-89870-053-4
