Die Entwicklung der Europäischen Union 1951 bis 2010

Europaflagge - pixelio.de - Viktor Mildenberger
Europaflagge - pixelio.de - Viktor Mildenberger
Aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft der 1950er Jahre mit sechs Staaten entwickelte sich die Europäische Union 2010 mit 27 Ländern.

In den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts legten sechs Staaten den Grundstein für eine europäische Gemeinschaft. Im Jahre 2010 bilden 27 Staaten die Europäische Union; weitere Länder wollen aufgenommen werden. Der nachfolgende Beitrag beschreibt die Entwicklung zur europäischen Einigung.

Gründung der Europäischen Gemeinschaft

Am 18.04.1951 unterzeichneten Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande den Vertrag über die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Mit den Römischen Verträgen vom 25.03.1957 (in Kraft getreten am 01.01.1958) entstanden die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EAG). Erste Grundlagen für eine europäische Einigung waren gelegt.

Die ersten neuen Mitglieder

Zum 01.01.1973 traten der Gemeinschaft Dänemark, Irland und Großbritannien bei. Großbritannien hatte bereits 1963 den ersten Aufnahmeantrag gestellt, der jedoch aufgrund des Widerstands von Frankreich abgelehnt worden war. Norwegen wollte ebenfalls beitreten; dies wurde jedoch bei einem Referendum vom Volk abgelehnt.

Südeuropäische Länder treten der Europäischen Gemeinschaft bei

In den 1980er Jahren wurde die Gemeinschaft erstmals durch südeuropäische Staaten erweitert: Am 01.01.1981 wurde Griechenland aufgenommen. Hier war erst kurz vorher die Militärdiktatur abgeschafft worden. Am 01.01.1986 traten Spanien und Portugal der Gemeinschaft bei. Besonders für Spanien war dies ein wichtigen Schritt, um die Folgen der Franco-Diktatur zu überwinden. Damit war die Gemeinschaft auf insgesamt 12 Länder angewachsen.

Gebietsvergrößerung durch Wiedervereinigung

Eine „Erweiterung“ der Europäischen Union besonderer Art folgte am 03.10.1990: Die DDR trat der Bundesrepublik Deutschland bei. Die Wiedervereinigung Deutschlands war gelungen. Damit wurde das Gebiet der Europäischen Union automatisch größer. Ein Aufnahmeantrag für das Gebiet der neuen Bundesländer war nicht erforderlich. Zusätzliche europäische Verträge mussten auch nicht abgeschlossen werden, da die Bundesrepublik Deutschland bereits Mitglied der Europäischen Union war.

Nach dem Fall von Mauer und Stacheldraht und dem Zerfall des Ostblocks beantragten immer mehr jetzt unabhängige Staaten die Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft, die zwischenzeitlich Europäische Union (EU) genannt wird. Dies sollte aber erst ab 2004 Wirklichkeit werden (siehe unten).

Aufnahme ehemals neutraler Staaten

Am 01.01.1995 traten die ehemals politisch und militärisch neutralen Staaten Schweden, Finnland und Österreich der EU bei, nachdem in allen drei Staaten das Volk dies mehrheitlich beschlossen hatte: in Schweden mit 52,3%, in Finnland mit 57%, in Österreich mit 66,6%. Die Norweger lehnten in einem Volksentscheid erneut den Beitritt ab.

Aufnahme neu entstandener Staaten

Nach dem Zerfall des Ostblocks haben zahlreiche Völker ihre Unabhängigkeit erklärt und eigene Staaten gegründet. Jetzt wollten sie auch der EU beitreten. Dazu kam es am 01.05.2004 für Estland, Lettland, Litauen, Tschechien, Slowakei und Slowenien. Außerdem wurden zum gleichen Datum Polen, Ungarn, Malta und Zypern (griechischer Südteil der Insel) aufgenommen. Für die genannten Staaten hatte die Europäische Union 1997 in Luxemburg den Beginn von Beitrittsverhandlungen beschlossen, deshalb werden sie auch als Luxemburg-Gruppe bezeichnet. Zypern ist das erste Land der EU, das geographisch außerhalb Europas, in Asien, liegt.

Weitere Ostblockstaaten treten bei

Zum 01.01.2007 wurden die ehemaligen Ostblockstaaten Rumänien und Bulgarien in die EUaufgenommen. Damit besteht die Gemeinschaft heute aus insgesamt 27 Staaten.

Beitrittskandidaten stehen Schlange

Zurzeit gibt es vier weitere Länder, die als Beitrittskandidaten Verhandlungen über die Aufnahme in die EU führen beziehungsweise führen wollen: Kroatien, Türkei, Island und die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien.

Die Türkei, das Land auf zwei Kontinenten, erhielt bereits am 11.12.1999 den Status als Beitrittskandidat zuerkannt. Die Verhandlungen wurden am 04.10.2005 aufgenommen; ein Abschluss ist nicht in Sicht. Kroatien ist seit 18.06.2004 offizieller Beitrittskandidat. Die Beitrittsverhandlungen wurden am 04.10.2005 aufgenommen. Sie sind zurzeit noch nicht abgeschlossen. Mazedonien ist seit 16.12.2005 Beitrittskandidat. Ein Beginn von Verhandlungen ist jedoch noch nicht in Sicht. Erschwert werden bevorstehende Aufnahmeverhandlungen mit Mazedonien durch einen Nachbarschaftsstreit mit dem EU-Mitglied Griechenland. Island hat am 17.07.2009 seinen Beitrittsantrag eingereicht. Am 17.06.2010 hat die EU beschlossen, Beitrittsverhandlungen aufzunehmen, was auch am 27.07.2010 erfolgt ist.

Potentielle Kandidaten für die Europäische Union

Als potentielle Kandidaten für die Aufnahme in die Union gelten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Serbien und Kosovo. Montenegro stellte im Dezember 2008 einen Beitrittsantrag, Albanien im April 2009, Serbien im Dezember 2009. Kosovo hat erst am 17.02.2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Der neue Staat ist jedoch noch nicht weltweit anerkannt worden; auch einige EU-Staaten verweigern die Anerkennung. Hier muss die weitere politische Entwicklung abgewartet werden. Außerdem gibt es ein Beitrittsgesuch der Schweiz, das allerdings zurzeit ruht.

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Update 22. Januar 2012: Beim Referendum am 22. Januar 2012 hat sich die Mehrheit der Wähler für den Beitritt Kroatiens in die Europäische Union ausgesprochen. Damit wird das Land am 01. Juli 2013 das achtundzwanzigste EU-Mitglied.

Quellen: „Das Parlament“, Nr. 30/31 aus 2010 und Wikipedia

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Bildnachweis: pixelio.de - Viktor Mildenberger

Martin Leister, Martin Leister

Martin Leister - Ich gehöre zum Jahrgang 1955 und wohne im Rheingau. Von Beruf bin ich Dipl.-Finanzwirt und damit Beamter des Landes Hessen beim ...

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