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Schon immer haben Eltern ihren Kindern Geschichten erzählt, die sie wiederum von ihren Eltern erzählt bekommen haben. Diese Tradition hat sich lange in dieser Form fortgesetzt bis die Gebrüder Grimm (in Deutschland) auf die Idee kamen, diese orale Form der Märchenerzählung zu verschriftlichen.
Die Anfänge der Märchen
Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden klassische Märchen in der Form, die heute durch die Gebrüder Grimm in Deutschland, Perrault in Frankreich und einige andere sich dazu entschlossen haben, diese Erzählungen, die bisher nur mündlich von Generation zu Generation weitererzählt wurden, zu sammeln und zu verschriftlichen. Doch was sind die Gründe dafür, dass es so lange gedauert so hoch frequentierte Geschichten zusammenzustellen?
Vor dem 15. Jahrhundert hätte die Verschriftlichung der Märchen wenig Sinn gemacht, da diese hätte handschriftlich vonstatten gehen müssen und die meisten Menschen dieser Zeit ohnehin nicht lesen und schreiben konnten. Mit der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg (um 1400 bis 1468) Mitte des 15 Jahrhunderts wurden allerdings niedergeschriebene Werke zugänglicher für die Menschen. Es bestand nun mehr Interesse daran, vor allem im Adel, die Literarizität der Kinder zu erhöhen, welche die Fähigkeiten des Lesens und Schreibens ihrerseits weitergegeben haben. Mit steigenden Zugangsmöglichkeiten zu bestimmten Schriften – zuvor war die Kunst des Lesens und Schreibens vornehmlich auf Geistliche und Mönche beschränkt – wird auch das Interesse daran größer, für Kinder angenehm zu lesende Schriften zu verfassen, sodass nun auch „Lernhilfen“ wie sogenannte „Hornbücher“ entstanden, die aber vornehmlich in England und Amerika verwendet wurden. In Deutschland wurde zunächst hauptsächlich die Bibel und Luthers Kleiner Katechismus rezipiert.
Schon um 1580 wurden aber auch Volksbücher gedruckt und vertreiben, wodurch andere Themenbereiche als Politik und Religion abgedeckt werden konnten. Sie enthielten häufig auch Nacherzählungen von Sagen, aber auch Geschichten wie Til Eulenspiegel, welche für Kinder sicherlich ein spannender Lesestoff war.
Mitte des 18. Jahrhunderts kamen dann die ersten ABC-Bücher auf, die nur wenige Seiten enthielten, manchmal mit Gebeten versehen waren und sich durch die Holzschnitte des ABCs ausgezeichnet haben. Da sie häufig auf Pappe gedruckt wurden, könnte man sie als Vorgänger der auch noch heute erhältlich Pappbücher für Kinder, die mit vielen Bildern und wenig Text versehen sind, bezeichnen.
Besondere Aspekte an der frühen englischen Kinderliteratur
In England war die Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts sehr von den Puritanern, die für ihre Frömmigkeit und ihre Ablehnung weltlicher Vergnügen bekannt sind, geprägt. Die Kinderbücher, die in England und Nordamerika zu dieser Zeit entstanden sind, werden daher auch „moralistisch“ genannt. Aufgrund der Frömmigkeit der Puritaner und der hohen Kindersterblichkeitsrate zu dieser Zeit, waren die zentralen Themen dieser Schriften der Tod und wie die Höllenverdammnis zu vermeiden sei. Ein Beispiel hier für ist Janeways A Token for Children.
Die Abkehr dieser moralistischen Lehren in Kinderbüchern kam 1740 als erste Werke, die auch Unterhaltung dienten, von John Newbery verfasst wurden. Als erstes Kinderbuch, das einen reinen Unterhaltungswert enthält, gilt heute Lewis Carrols Alice's Adventures in Wonderland (Alice im Wunderland), welches 1865 erschien. In ähnlicher Tradition wie Carrol hat dann später auch A.A. Milne die Geschichten um Winnieh the Pooh verfasst.
Entwicklungen des Kinderbuchs in Deutschland
Bis ins 19. Jahrhundert war auch das deutsche Gedankengut noch moralistisch geprägt, doch die religiösen Aspekte wurden nun mehr und mehr von Rousseaus und Lockes rationalem Moralismus verdrängt, was erwirkte, dass die erzieherischen Botschaften geschickt und unauffällig in den Text eingearbeitet wurden. Es wurden bald auch erste Abenteuer- und Fantasiegeschichten akzeptiert. 1893 erschien erstmals die „Jugendschrift-Warte“ - eine Liste der lesenswerten und pädagogisch wertvollen Bücher für Kinder, an der sich sehr stark bei der Auswahl der Lektüre für Kinder orientiert wurde. Besonders erfolgreich waren in diesem Zuge Emmy von Rhodens Trotzkopf-Reihe sowie die Nesthäkchen-Serie von Else Ury.
Besonderen Erfolg kann man sicher Dr. Heinrich Hofmanns Struwwelpeter zuschreiben. Er war der erste, der seinen Text auch selbst illustriert hat und noch heute findet man Neuauflagen dieses Werks in diversen Verlagsvorschauen.
Weitere deutsche Dichter und Autoren, die sich in dem Bereich des Kinder- und Jugendbuchs versucht haben, waren u.a. Wilhelm Busch, Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz und Peter Ustinov.
Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur in den letzten Jahren
Die Genres der Kinder- und Jugendliteratur ähneln sehr denen des Erwachsenenbuchs, da es letztlich möglich ist, alles altersgerecht darzustellen, wenn man sich die Mühe macht. Es gibt eine Art „Problembücher“, in denen Probleme mit denen Kinder und Jugendliche sich im Alltag konfrontiert sehen, thematisiert werden. Dieses Spektrum reicht von der Angst vor dem Einschlafen (bspw. Fünf Angstbären und ein unheimlicher GastI von Paul Bright), über das Thema Scheidung (Wir sind trotzdem beide für dich da von Reichenstetter/Rieckhoff) bis hin zu psychischen Problemen von Jugendlichen (Meine schöne Schwester von Brigitte Blobel).
Erfolgreich sind vor allem große Reihen, wie Die Wilden Hühner von Cornelia Funke oder auch die altbekannten Die Drei ??? von Robert Arthur. Besonderer Beliebtheit können sich selbstverständlich auch die Harry Potter- und die Bis(s)-Reihe bei Jugendlichen erfreuen. Allerdings steht hier ganz klar der Unterhaltungswert im Vordergrund. Und für die ganz Kleinen sind die Pixi-Hefte mit inzwischen verschiedensten Geschichten nach wie vor ein Renner.
