Die Eremitage bei Bayreuth

Markgräfin Wilhelmines altes und neues Schloß

Mit der Neugestaltung der Schloßanlagen erschuf die berühmte Bayreutherin einen Park nach ihren Träumen. Skulpturen, Architektur, Wasserspiele - höfische Repräsentation

Um dem höfischen Zeremoniell der Hauptstadt ein Gegenpol zu schaffen, ließ Markgraf Georg Wilhelm im Jahre 1715 in der Nähe der Residenzstadt Bayreuth ein Schloß erbauen. Mit dieser Einsiedelei sollte dem Herrscher als Kontrast ein einfaches Leben ermöglichen. Wilhelmine von Preußen (1709-1758), die Schwester des späteren Friedrich des Großen, war eher der Abgeschiedenheit zugeneigt und erklärte das Schloß zu ihrem bevorzugten Wohnsitz als sie 1732 nach Bayreuth kam. Alsbald bekam sie es von ihrem Gatten Markgraf Friedrich nach seiner Inthronisation zum Geburtstag geschenkt (3.Juli 1735).

Umbau des Schloßes durch Markgräfin Wilhelmine

Ursprünglich bestand das Schloß aus einem Festsaal, wo auch heute noch der Eingang zum Inneren des Gebäudes liegt. Die drei daran anschließenden Flügel wirken wie aus Felsen gehauen. Bereits 1736 ließ Wilhelmine umfangreiche Umbauten vornehmen. Sie wollte sich eine Sommerresidenz schaffen. Im Anschluß an den Festsaaltrakt reihte man jeweils an beiden Enden ein Pavillon mit fünf Räumen an. Die Zimmer zwischen den neuen Anbauten und Festsaal überarbeitete man. Die Nordseite des Schloßes wurde somit in ihrer Größe fast verdoppelt und wirkte wie Wilhelmine es geplant hatte, um einiges representativer. Neu eingerichtet hat sie bei dieser Gelegenheit das japanische Zimmer. Zu ihren Kinderzeiten in Berlin war sie mit der damaligen Chinamode aufgewachsen und schmückte in diesem Sinne ihr neues Zimmer mit Lacktafelungen aus. Für das Musikzimmer wählte sie eine mit Musikinstrumenten stuckierte Zimmerdecke in gold und weiß. Häufig hielt sie sich im chinesischen Spiegelkabinett auf. Zersprungen Spiegel aller erdenklichen Formen zieren die Zimmerwände. Sie wollte die Unregelmäßigkeit der Natur zum Ausdruck bringen.

Ergänzung der Gartenanlage

Die Untere Grotte fügte man dem Eremitagenpark parallel zur Erweiterung des Schloßes hinzu. In einem abgelegeneren Waldstück findet man ein Becken, worin sich Putten-, Delphin-, Seepferd- und Nymphenfiguren finden. Ein Wasserspiel wurde ermöglicht durch ein aufwendiges Rohrleitungssystem. Zwischen 1743 und 1745 ergänzte man durch den Entwurf von Joseph Saint-Pierres nordöstlich des Schloßes das Ruinentheater. Um einen Bezug zum antiken Rom herzustellen, ließ die Markgräfin dem Bauwerk einen künstlich erzeugten Ruinencharakter beikommen, indem sie diverse Beschädigungen einbauen ließ. Mit diesem Schachzug hat sie einen neuen Baustil erfunden.

Das neue Schloß

Um 1750 gab man dem bisherigen Schloß den Namen altes Schloß, denn auf Wunsch Wilhelmines entstand ein neues Schloß. Im Zentrum einer ovalen Anlage aus bogenförmigen Arkaden präsentiert sich der Sonnentempel. Die Anlage sollte als Orangerie dienen und bindet ein Becken mit Figuren und Wasserspiel ein, das durch eine ausladende Treppe erreichbar ist.

Im Krieg wurde das neue Schloß nahezu völlig zerstört. Der Wiederaufbau dauerte bis 1969, wobei nicht die gesamte Innenausstattung wiederhergestellt werden konnte. Der Sonnengott, die vergoldete Figur des Apoll auf dem Sonnentempel hingegen, wurde perfekt rekonstruiert. Heute zählt die Gartenanlage der Eremitage zu einer der Sehenswürdigkeiten Bayreuths. Der Park dient als Veranstaltungsort und Erholungsgebiet.

Katrin Braun, Foto Sauter München

Katrin Braun - Nach meinem Studium der Geschichte fand ich bald Gefallen am Verlagswesen. Publizieren im Print- und Onlinebereich begeisterte mich von ...

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