
- Kartoffeln - Schwehn
Wer heutzutage das Loblied der Kartoffel singt, der weiß sogleich von Friedrich dem Großen, vom Alten Fritz, zu berichten. Und von den Hungersnöten im Lande nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763). Als der König von Preußen seine Bauern auch mit drakonischen Maßnahmen dazu zwang, Kartoffeln anzubauen, weil er erkannt hatte, dass sie ein Volksnahrungsmittel sein konnten und waren. Aber was hätte Friedrich angefangen, wenn nicht viel früher, mehr als 150 Jahre früher, die Hessen, und hier speziell die Nordhessen, auf den kostbaren und köstlichen Erdapfel gestoßen wären. Denn es ist historische Wahrheit: Die ersten deutschen Kartoffeln wuchsen in hessischer Erde. Zuerst als Zierpflanze und somit noch gar nicht als Volksnahrungsmittel, im heutigen Frankfurter Palmengarten und im Lustgarten des Landgrafen Wilhelm IV von Hessen-Kassel.
Das älteste Bratkartoffel-Rezept
Zu verdanken war dies seinerzeit alles dem zu seiner Zeit sehr bekannten Botaniker Charles de l’Ecluse, der sie mit dem Umzug nach Frankfurt mitbrachte. Dieser Botaniker arbeitete am Main genauso wie in Kassel an der Fulda. Und vor allem dort, im kargen Nordhessen, wurde die Erdfrucht mit Fleiß angebaut und verzehrt. Mit „Wonne“, wie Zeitgenossen seinerzeit notierten. Davon zeugt beispielsweise ein aus 1591 datierter Brief des Landgrafen an seinen Bruder in Darmstadt: Es enthielt das wohl älteste Rezept für Bratkartoffeln. Und mehr als 100 Jahre später, als Hungersnöte die Menschen auch im Hessischen plagten, setzte sich ein anderer Landgraf, nämlich Karl von Hessen, intensiv für den Kartoffelanbau ein. Das war ein Adeliger, der engen Kontakt zu seinen Bauern hielt; so brauchte er nicht viel Überzeugungskraft, um das Landvolk von den Vorzügen der Kartoffel zu überzeugen. Wie er es tat, spiegelt sich heute noch in einer „Salatkirmes“ im hessischen Ziegenhain. Diese Kirmes müsste eigentlich Kartoffelkirmes heißen. Der Landgraf hatte nämlich in 1728 seine Schwälmer Bauern zum Schmaus eingeladen: Es gab Kartoffeln mit Kopfsalat.
Vielseitige, originelle Kartoffelküche
So war die Kartoffel in Hessen zunächst Zierde im gräflichen Garten, dann Hauptzutat in der bäuerlichen Küche. Die Südhessen waren indessen nicht so scharf auf dieses „Gemüse“. Denn hier, geprägt von der fruchtbaren rheinischen Tiefebene, war seit eh und je kulinarische Vielfalt zu Hause. Anders als im waldreichen Nordhessen mit den kargen Böden. Aber das hatte und hat schließlich auch seine Vorteile: In kaum einem anderen deutschen Landstrich ist eine derartig vielseitige und originelle Kartoffelküche hervorgebracht worden wie in Hessen-Kassel.
Kartoffeln mit Schmand
Heutzutage gibt es Pommes-frites und/oder Kartoffelchips. Doch für den Hessen geht nichts über Pellkartoffeln mit Schmand (fette sauere Sahne), der verfeinert ist mit frischen Kräutern und kleingehackten Zwiebeln. Diese typisch hessische Kombination schmeckt nicht nur gut, sondern ist nach Expertenmeinung auch „ernährungsphysiologisch interessant“: Beider Eiweißkombination lasse sich vom Körper besonders gut verwerten. Aber das haben die Kasseler Landgrafen noch gar nicht gewusst.
