
- Die Schwarzwaldklinik - Gemen64 / pixelio.de
Der Samstagabend hatte in den 1980ern für viele deutsche Fernsehzuschauer neben "Wetten, dass...?" noch einen weiteren Pflichttermin parat: um 19:30 Uhr öffneten sich die Türen der "Schwarzwaldklinik" im badischen Glottertal.
Die deutsche Antwort auf die "Mutter" aller Krankenhaus-Serien: "Das Krankenhaus am Rande der Stadt"
Man möchte ja meinen, dass alle fernsehtechnischen Innovationen aus den USA kommen, im Fall der Krankenhaus-Serien ist es jedoch die Tschechoslowakei, die Ende der 1970er Jahre diese Vorreiterrolle einnimmt. Die Serie "Das Krankenhaus am Rande der Stadt" gilt als "Mutter" dieses TV-Formats und die "Schwarzwaldklinik" ist die deutsche Antwort darauf. Allerdings wird auch der US-Dauerbrenner "General Hospital" als großer Einfluss genannt.
Die Welt in einem kleinen Krankenhaus-Kosmos – die "Schwarzwaldklinik"
Nun ist es nur auf den ersten Blick beschaulich und heimelig im Glottertal. In der "Schwarzwaldklinik" findet indes das richtige Leben mit all seinen Problemen, Wendungen und Tücken statt. Drehbuchautor Herbert Lichtenfeld und Produzent Wolfgang Rademann (dem Publikum bestens vom "Traumschiff" her bekannt...) thematisieren ärztliche Kunstfehler ebenso wie Sterbehilfe, Unfälle und falsche Diagnosen. Natürlich darf auch das Herz nicht zu kurz kommen und so wird auf eine ausgewogene Dosierung von Liebeskummer und -glück geachtet.
Mehr Schein als Sein – die Kulissen der "Schwarzwaldklinik"
Dass im Fernsehen nicht immer alles original und echt ist, ist nichts Neues. So wird auch die "Schwarzwaldklinik" mitnichten im Schwarzwald gedreht, sondern in ganz unspektakulären Hamburger Fernsehstudios. Nur für die Außenaufnahmen ist man tatsächlich in Süddeutschland. Die wunderschön gelegene "Schwarzwaldklinkik" ist in Wirklichkeit die "Klinik Glotterbad", ein Sanatorium. Das Haus von Professor Brinkmann ist das Heimatmuseum Hüsli in der Ortschaft Grafenhausen.
Lauter alte Bekannte: Professor Brinkmann, Schwester Christa, Oberschwester Hildegard und Pfleger Mischa
Popkulturell betrachtet hat die "Schwarzwaldklinik" ebenfalls Geschichte geschrieben. So sind die Charaktere der Serie teilweise in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen, in Pflegeheimen werden gestrenge Vorgesetzte schon mal als "Oberschwester Hildegard" betitelt. Auch sonst sind die Brinkmanns (Vater Klaus, Sohn Udo, bald-Ehefrau Christa und natürlich die Haushälterin Käti) und der restliche Stab der Klinik dem deutschen TV-Publikum beinahe zu guten, alten Bekannten geworden.
Eine der erfolgreichsten deutschen Fernsehserien: die "Schwarzwaldklinik"
Von 1985 bis 1989 werden im ZDF 70 Folgen der "Schwarzwaldklinik" ausgestrahlt. Die Einschaltquoten liegen teilweise bei – heute schier unglaublichen – 60 Prozent und die Serie wird in 38 Länder verkauft. Damit ist die "Schwarzwaldklinik" bis heute eine der erfolgreichsten deutschen Fernsehserien. Nicht zuletzt umgibt die Serie der Charme der 1980er Jahre, der natürlich in den beiden Spezialfolgen von 2005 und 2007 nicht mehr reproduziert werden konnte.
Kuriose Randnotiz: die "Schwarzwaldklinik" auf dem Index
Die "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften" (BPjS) wagte 1986 ein Husarenstück und setzte die Folge "Gewalt im Spiel" auf den Index. Darin wurde die Vergewaltigung einer jungen Frau gezeigt, die im Verlauf der Folge Selbstjustiz am Täter übte. Die Zuschauerreaktionen waren negativ, die BPjS reagierte – wurde aber vom Bundesverwaltungsgericht in die Schranken gewiesen: in einem Grundsatzurteil legten die Richter fest, dass eine Fernsehsendung als solche gar nicht in die Liste der jugendgefährdenden Schriften aufgenommen werden könne.
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